Wie lange kann und will sich St. Pölten Schinkels noch leisten?
19 Abgänge und 15 Zugänge in den letzten zwei Transferperioden, ein Trainerwechsel, Causa Wisio/Beichler und selbst der General Manager sagt, dass das Polarisieren wichtig ist. Aber wie tragbar ist Frenkie Schinkels noch für den SKN St. Pölten? Eine Gegen
„Als Schinkels gekommen ist, war es auch der Plan, dem SKN Leben einzuhauchen. Die Frage war: Wie kann man den Klub weiter entwickeln. Für mich war relativ schnell klar, dass wir einen holen, der polarisiert, der Staub aufwirbelt.“, sagte SKN-General Manager Thomas Blumauer gegenüber 90minuten.at. Auf der Habenseite steht ein Aufstieg, der laut Klubplan ein Jahr zu früh kam und der Rekordwechsel von Cheikou Dieng. Und, wenn man so will, dass Schinkels tatsächlich polarisiert. Wenn er was sagt, dann wird drüber geschrieben.
Auf der anderen Seite steht leider viel mehr - Trial and Error. Dem Chaossommer am Transfermarkt folgt ein Chaoswinter. „Mich hat gestört, dass Daxbacher gesagt hat, dass der Kader nicht Bundesliganiveau hat“, sagte Schinkels im Herbst. Dass der in den letzten Jahren traditionell gute Aufsteiger strauchelt, muss aber auch am Kader liegen. Karl Daxbacher mag nicht der modernste Trainer sein, aber nicht zuletzt auch die Prügelgeschichte rund um Vereinslegende Daniel Segovia und Alhassane Keita zeigt: Irgendetwas im Kader stimmt nicht. Und Schinkels widerspricht sich durch Taten und bestätigt diese Analyse: So mussten im Winter neben Keita auch die Sommerzugänge Heerings und Lumu gehen; Mader, Prettenthaler, Dober und andere wurden im Jänner an unterklassigere Vereine abgegeben.
Ausreden
„Wir sollten die Spieler, die uns wirklich nicht helfen, wegtun“, sagte nun Schinkels gestern in Talk und Tore. Warum wurden sie also geholt? „Du weißt ja nicht, wie es im Spieler drinnen aussieht“, meint der Sportdirektor weiter. Aber dann das Lamento: Wenig Geld, was ist am Markt. Sogar Experte Alfred Tatar gibt Recht: „Es ist kein Wunder, dass St. Pölten Neunter ist, weil es mit wenig Budget nicht möglich ist, dass man Spieler holt, die einem entscheidend weiterhelfen. Geld ist wirklich der Motor.“ Mag sein. Aber er sagt auch: „Ich sehe keine Vereinsphilosophie.“ Und damit trifft er den Nagel auf den Kopf.
Es sind schon andere Vereine eher unverhofft aufgestiegen und schwimmen nicht gerade im Geld. Nicht jeder Transfer gelingt. Dieng kostete laut Schinkels 28.000 Euro, die Ablöse von Basaksehir soll 600.000 Euro betragen haben. Aber wenn Schinkels schon kein Geld hat und man sich fast einig ist, dass Qualität zum Nulltarif schwierig zu holen ist, dann muss man eben besser hinschauen. Auch andere Vereine haben wenig Geld, schaffen es aber, zumindest eine funktionierende Mannschaft hinzustellen, kein Vertragsstreitigkeiten zu haben, keine öffentlichen Kaderdiskussionen oder Prügelgeschichten.
Trial and Error
Frenkie Schinkels scheint nach dem Prinzip von Versuch und Fehler zu arbeiten. Er holt Spieler, die eben da sind und die sollen dann gut zusammen spielen. Der Treppenwitz ist, dass es just bei mangelnder Qualität noch mehr auf die zwischenmenschliche Komponente ankommt. Hört man anderen Sportdirektoren zu, dann zeichnet sich ein anderes Bild. Günter Kreissl sagt: „Wir achten genau auf den Charakter und das heißt, dass man zum Teil auch jemanden einfliegen lässt, um mit ihm zu sprechen.“ Franz Wohlfahrt: „Ich wusste schon vor drei Jahren, da war ich noch nicht bei der Austria, von diesem Spieler.“ Auch Zweitligacoach von Austria Lustenau achtet auf den Charakter: „ Ich suche auch immer Spieler, die eine gute Ausbildung haben.“ Und Stefan , quasi 'Dorfkluberfinder', meinte: „Es gibt zu jeder Verpflichtung eine Geschichte.“
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Freilich gehen Transfers auch schief. Aber der Charakter ist gerade bei kleinem Geldbörsel entscheidend. Unabhängig davon, ob ich zehntausend oder zehn Millionen Euro zur Verfügung habe. Einfach Spieler holen, um Spieler zu haben ist schlichtweg zu wenig. Egal ob bei der Austria, Sturm, Lustenau oder Ried. Das hat nichts mit den finanziellen Voraussetzungen zu tun. Selbst Franz Lederer, sicherlich nicht aus dem modernsten Fußballumfeld kommend, sagte : „Man muss nicht immer gleich an den Wühltisch gehen.“
Der SKN St. Pölten befindet sich aber auf dem Wühltisch, verpflichtet offensichtlich Spieler, ohne sie ordentlich zu scouten. Das Prinzip Trial and Error funktioniert nicht. Darum steht der SKN dort, wo er steht – mitten im Abstiegskampf. Von der Aufstiegseuphorie ist wenige Monate danach nichts mehr übrig. Es wurde durch eine wirre Einkaufspolitik zunichte gemacht. Beruhigend ist zumindest, dass diese Vorgänge in Österreich nicht mehr belohnt werden. Die Frage ist jedoch: Wie lange kann und will sich St. Pölten Schinkels noch leisten?
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