Rapids Transfers sind zu logisch für Andreas Müller
Wer mit Andreas Müller spricht, merkt, dass der Mann eine Ahnung hat von dem, was er tut. Doch das Verhalten des sportlichen Leiters seit 1. Jänner 2014 wirft dann doch die eine oder andere Frage auf. Eine Gegenansicht von Georg Sander.
Logische Transfers, derer gibt es in Österreich sehr viele. Etwa, wenn ein Kicker in der Provinz aufzeigt und dann geholt wird, weil die Möglichkeiten (in dieser Abstufung) in Graz, Wien und Salzburg doch höher sind. Was hat Rapid also im Sommer 2014, der ersten bewertbaren Transferperiode gemacht? Nun, Andreas Müller und Team haben zunächst einmal Geld gescheffelt. Mit Marcel Sabitzer, Terrence Boyd und Guido Burgstaller wurden mehrere Millionen, so in die Richtung von fünf, verdient. Abgesehen von Sdjan Grahovac (der wurde tatsächlich gescoutet, dem Vernehmen nach aber nicht von Müller) kamen eine Reihe an logischen Spielern. Mit Robert Beric, Florian Kainz, Stefan Schwab oder Philipp Schobesberger sowie Stefan Stangl und Andreas Kuen wurde halt einfach geholt, was die Liga so hergibt.
Dieses Bild wiederholte sich im kommenden Sommer; im Winter will Andreas Müller ja niemanden holen. Mit Philipp Huspek, Stefan Nutz und Tomi Correa wurde ablösefrei halb Grödig geholt; dazu kommt der logische Admiraner (Stephan Auer), wieder einmal ein nicht mehr ganz Nachwuchsgoalie mit Richard Strebinger. Matej Jelic, der im Nachbarland Slowakei 19 Tore geschossen hat, ist jetzt auch kein Mann, den man drei Jahre scouten muss. Freilich wurde Beric teuer verkauft. Im Winter (!) kam dann als Reaktion auf mögliche Sommer-Abgänge und Verletzungen Thomas Murg. Der kam logischerweise wieder von einem Mitkonkurrenten und ging sowie so nur in die Fußballprovinz, weil man ihn in Wien-10 nicht genug wertschätzte.
Der jährliche Admiraner kommt
Der kommende Sommer schaut dann wieder ähnlich aus. Mit Christoph Schösswendter kommt der jährliche Admiraner. Im Gespräch ist auch noch Gregor Bajde. Er spielt bei Maribor, hält bei elf Toren, ist also Mittelstürmer; eventuell als Alar-Alternative. Übrigens hat er denselben Berater wie Robert Beric. Aber auch das wäre jetzt kein Transfer, der jahrelanges Scouting bedarf. Führender der Torschützenliste in Slowenien ist nach wie vor Andraz Sporar, der im Winter zu Basel ging. Zweiter ist nun Blessing Eleke von Olimpija Ljublijana mit einem Treffer mehr als Bajde. Und jetzt den Toptorschützen des Tabellenzweiten aus einer kleineren Nachbarsliga zu holen…
Darum stellt sich als Beobachter schon die Frage, was die sportliche Leitung bei Rapid macht. Man hat deutlich weniger Einsatzminuten von U21-Spielern als die Konkurrenz, das habe ich hier niedergeschrieben. Im aktuellen Kader befinden sich mit Schaub, Hofmann (dem Max, nicht Steffen) und Pavelic lediglich drei Eigengewächse unter den Stammspielern; die, die dem Spiel den Stempel aufdrücken – Kainz, Schwab, Stangl, Schobesberger et al – wären wohl auch Toni Polster als talentiert aufgefallen. Kombiniert man diese Umstände nun mit dem Fakt, dass man sich die größte Meisterchance seit Jahren entgehen lässt, dann ist die Ruhe im Umfeld von Rapid mehr als verwunderlich.
Oder in anderen Worten:
Wenn ich, als Manager bei Rapid, Nutz Tomi Huspek und Schössi verpflichte hauen sie mich mit nassen Fetzen aus Hütteldorf davon
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