Auf dem Holzweg?

Wer vor lauter Gehaltsschecks keinen Profi mehr findet, scheint sich in Österreichs zweiter Spielklasse zu befinden. Nun fordert die Bundesliga-Spitze die Abschaffung einer zweiten Profiliga, obwohl sie aus sportlicher Sicht genau diese Variante bevorzugt

 

Es wedelt wieder einmal der Schwanz mit dem Hund. Die Lizenzierung bewirkt, dass man vor der Saison auf Punkt und Beistrich alle Eventualitäten der kommenden Saison bedenken sollte. Die Lizenzierung kann aber auch ein finanzielles Harakiri wie im Fall von Austria Salzburg nicht verhindern. Sportlich, das wird man aus Sicht von Rinner und Ebenbauer nicht müde zu betonen, sind die zwei Zehnerligen jedenfalls das beste Konzept. Es hakt, das zeigen die Konkurse der letzten Jahre, eher am sportlichen Ende des Profifußballs. Nun die zweite Liga einzustanzen, scheint aus meiner Sicht irritierend. Die Daumenschrauben wären andernorts anzusetzen – und das würde die Klubs wirtschaftlich entlasten, wenn man Profifußball nur endlich anders denken würde. Wenn sich letztlich beispielsweise 16 Klubs ordentlich verhalten, warum sollten diese durch Abschaffung der sportlich sinnvollsten Variante bestraft werden? Könnte man den Übergang vom Amateur- zum Profifußball nicht anders gestalten?

 

Was heißt es, ein professioneller Fußballer zu sein?
Profifußball wird immer wieder auch über die Menge an Profis definiert. Vor allem die Spielergewerkschaft sieht diesen Punkt als zentral für die Klassifizierung von Profifußball an. Für 2016/17 müssen das 20 Nicht-Amateure in der Sky Go Ersten Liga sein. Bei knapp 1.200 Euro brutto laut Kollektivvertrag ist das Personal der Kampfmannschaft ein Budgetposten von allermindestens knapp 440.000 Euro pro Jahr. Das wirft zwei Fragen auf: Sind 1.200 Euro brutto 14 Mal im Jahr der richtige Parameter, um Nicht-Amateur zu sein? Und was heißt es, professioneller Fußballer zu sein? Nix anderes zu machen? Die erste Frage ist leicht zu beantworten: Nein. Nur weil ich nur von einem Fußballklub Geld überwiesen bekomme, sagt das nichts über die Professionalität aus. Die zweite Frage: Ist etwa ein Student, der 20 Stunden studiert und 20 Stunden arbeitet ein weniger professioneller Student oder Arbeitnehmer? Auch: Nein.

 

Die Beschäftigung von Nicht-Amateuren erscheint der Bundesliga und ihren Klubs aber als einer der Hauptfaktoren für professionellen Fußball zu gelten. Und wie in jedem Dienstleistungsunternehmen machen die Personalkosten auch den Großteil des Budgets aus. Aber den Fans ist es herzlich wurscht, ob der Kapitän unter der Woche 25 Stunden in der Bank arbeitet oder nicht. Die Fans gehen zum Klub, weil es halt der höchst spielende Klub in der Gegend ist, weil sie sich mit ihm identifizieren, weil er Erfolg hat. Anscheinend hat man vergessen, was es für ein unglaubliches Privileg ist, vom Hobby zumindest zum Teil leben zu können. Wer kann denn das in Österreich sonst noch auf nationalem Niveau? Ein paar Skifahrer, Eishackler, Tennisspieler – wenn überhaupt.

 


Was spricht dagegen, den Profizwang aufzuheben?
Was spricht bitte dagegen, den Profizwang in der zweiten, österreichweiten Liga aufzuheben? Das sind junge Menschen, die können sicherlich einer Ausbildung nachgehen, auf die Uni gehen, Teilzeit arbeiten und trotzdem am Freitagabend Fußball spielen. Aufsteigen tun ohnehin die, die den besten und somit auch teuersten Kader haben. Da wäre eine Professionalisierung der Vereinsstrukturen sicherlich zielführender. Eine Führungsebene, die den Klub Vollzeit lenkt, Scouting, das den Namen verdient, Profitrainer bis in den Nachwuchs runter. Und dann rechnet man sich durch, wie viel einer für die erbrachte Leistung bekommt. Dann ist sind es für einen 20-Jährigen eben nur 600 Euro als freier Dienstnehmer.

 

Muss ein Verein mit der Perspektive „Nicht-Abstieg“ tatsächlich so viel Geld verbrennen und den Spielern noch dazu vorgaukeln, dass sie Profis sind? Warum sollte ein Spieler nicht 20 oder 30 Stunden die Woche arbeiten können und trotzdem zweite Liga spielen? Davon wird der Kick zwischen Wiener Neustadt und Kapfenberg auch nicht schlechter. Wäre es nicht zielführender, wenn eben jener Verein sich um das Umfeld kümmert und anders dafür sorgt, dass der Kicker XY mal richtig Geld verdient? Entweder, weil er hier aufzeigen kann und wechselt. Oder, weil der Verein in einer sportlich anspruchsvollen Zehnerliga mit bestenfalls einem Absteiger langsam wächst.

 

Sich nun mit salomonischen Lösungen wie drei Regionalligen und Profis für einen Tausender netto selbst ins Gesicht zu lügen, ist der falsche Weg. Profiverein sollte mehr professionelle Strukturen und eine ordentliche Infrastruktur sein, als vierzehn Mal im Jahr Geld an 20 Kicker zu überweisen. Wenn zwei Zehnerligen aus sportlicher Sicht am sinnvollsten, dann sollte man an ihnen festhalten. Die Menge an ausgestellten Gehaltsschecks für sogenannte Profis ist dafür nicht entscheidend.

 

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