Diesen Cup brauchen wir eigentlich nicht
Nur 13.000 Tickets wurden im Vorfeld des ÖFB-Cup-Finales abgesetzt. Seit Jahren kämpft der ÖFB damit, mehr Fans zu begeistern. Ohne Erfolg. Eigentlich könnte man den Cup auch gleich ganz lassen. Eine Gegenansicht von Georg Sander
Mit dieser Spielzeit bedeutet die die Finalteilnahme im ÖFB Samsung-Cup nicht mehr automatisch das Ticket nach Europa. Um sich über den Cup für die Europa League zu qualifizieren, braucht es nun einen Sieg. Sportlich gesehen der letzte Strohhalm für die Wiener Austria und Andreas Ogris. Doch abgesehen davon gibt es einige Gründe, warum man sich den K.O.-Wettbewerb eigentlich gleich sparen kann.
Der Cup zieht keine Fans an
2007/08 EM-bedingt sogar abgesagt, bemüht sich der ÖFB fast rührend darum, den Bewerb attraktiv zu machen. Doch lässt man die Finali weg, tut sich wenig. In dieser Spielzeit sind es knapp 1.500 Fans im Schnitt, die sich zu den bislang fünf Runden verirrten. Wenn es wie 2004/05 ein großes Wiener Derby gibt oder wie 2009/10 die Möglichkeit auf den ersten Blackie-Titel seit den goldenen 90er-Jahren, dann kommen sogar 28.000 Fans zu einem Finale. Das ist aber die Ausnahme. Egal, was getan wird, der Cup kommt kaum an. Ob es dann hilft, qualitativ eher maue Übertragungen vor ein paar hundert Menschen auch noch im Free-TV in dieser Masse zu übertragen, sollte hinterfragt werden.
„Subventionen" für kleinere Klubs
Natürlich freut es Lankowitz, Hohenems oder Wallern, wenn man sich Duelle mit dem LASK, Altach oder Rapid erspielt. Das spült mächtig Kohle in die Kassen. Aber bei aller Liebe – wozu? Was nützt es dem Regionalligisten Wiener SK, wenn die Bullen vorbeikommen und 12:1 gewinnen? Natürlich gibt es die Cupwunder immer wieder. Aber mehr als Geld gibt es auch nicht. Und Geld kann man im Sommer mittlerweile auch ganz gut mit internationalen Testspielgegnern machen, wie eben der WSK gegen die Roma. Aber Aufgabe des ÖFB ist das nicht.
Die Kleinen sollen nicht aufzeigen
Eine wenig verwunderliche Aussage, gerade, wenn vor zwei Jahren der Drittligist FC Pasching die indisponierte Stöger-Meisterelf narrte und gewann. Aber genau mit der Maßnahme, den Verliererplatz an die Liga zu übergeben und angesichts dessen, dass im Normalfall eines der arrivierten Bundesligateams gewinnt, zeigt man ganz deutlich, was man will: Keine Zufälle, die besten in den Europacup.
Es gibt keinen Zielwettbewerb
Die UEFA hat den Cup der Cupsieger genannten Bewerb 1999 abgeschafft. Die oberste Maxime ist nun das Aussieben kleinerer Klubs in der Europa League-Qualifikation und die weitere Korrektur in der Gruppenphase. Das widerspricht freilich dem Gedanken eines K.O.-Wettbewerbs. In der Gruppenphase gibt es nunmehr wenig Raum für Überraschungen, im Frühjahr gibt es dann dafür exzellent vermarktbare Spiele der Champions League-Ausschussware mit den Klubs, die es nicht in die Königsklasse geschafft haben. Für heroische Durchmärsche wie Rapid 1996 ist da kein Platz mehr. Das ist nicht mehr gewollt.
Die halbe Liga MUSS in den Europacup
Sollte Red Bull Salzburg der Favoritenrolle gerecht werden und die Austria im Finale besiegen, spielt ab kommenden Sommer die halbe Liga im Europacup – und das ist gut so. Denn selbst wenn die heimischen Vertreter es nicht in die Gruppenphasen schaffen, so wird wertvolle Erfahrung gesammelt. Einmal raus aus dem vier-Mal-gegeneinander-Mief der heimischen Zehnerliga. Zeigen, was man kann oder aufgezeigt bekommen, was noch fehlt. Und natürlich hilft es da auch Admira, Grödig oder möglicherweise Altach und WAC, wenn man sieht, wie in anderen Ländern gearbeitet wird.
Spielplan entschlacken
Immer wieder jammern Klubs und Liga, dass der Rahmenterminplan bis zum letzten Termin ausgereizt ist. Ob der Cup es wert ist, dass sechs Spieltermine blockiert werden? Dieses Jahr um den 12. Juli, den 23. September, den 29. Okotber, den 7. oder 28. April sowie am 3. Juni? Sommertermine würden den Klubs helfen, sich einzuspielen und als erstes Bewerbsspiel nicht Q2 in der Europa League-Quali zu haben. Zudem ist es zwischen November und Februar kalt und an den zwei Zehnerligen wird sich so bald nichts ändern. Immerhin dürfte es sich rumgesprochen haben, dass ein Stadionbesuch an einem lauen Sommerabend schöner ist als am 18. Dezember.
So nicht
Was in anderen Ländern möglich ist, könnte auch in Österreich funktionieren. Es ist jedoch schwierig zu sagen, ob man den Cup in Österreich irgendwie attraktiv(er) gestalten kann. Und freilich erfreut sich auch die Redaktion an intensiven 120-Minuten-Cupfights, an deren Ende dann der David den Goliath gebirnt hat. Aber in der gegenwärtigen Form ist der Sinn des Cups dann doch enden wollend groß. Und Besserung ist seit Jahren nicht in Sicht.