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Logische Trennung in Grautönen

Amir Shapourzadeh wird die Admira mit Saisonende verlassen. Zwar sprechen die nackten Fakten gegen ihn, für eine Annäherung an das Wirken des baldigen Ex-Admira-Managers braucht es aber mehr als Schwarzweißdenken.

+ + 90minuten.at Exklusiv + + Eine Gegenansicht von Georg Sander

 

Admira, Flyeralarm, Amir Shapourzadeh – in diesem Kontext gibt es kein schwarz/weiß-Malen. Als Flyeralarm 2017 einstieg, sah es düster aus in der Südstadt. Die Admira, in den Jahren zuvor immer mit einem Fuß in der Lizenzverweigerung, konnte mit dem Einstieg des deutschen Druck-Multis finanziell gerettet werden. Ein Stück weit Identität ging dabei allerdings verloren, im Zentrum steht noch bis Saisonende Amir Shapourzadeh. Der ehemalige Profi, der zunächst in Würzburg arbeitete, wurde im Zuge der Ausgliederung des Profibetriebes im Dezember 2016 als Manager präsentiert und nahm seine Arbeit im Jänner 2017 auf. Und der Umbau begann.

Oliver Lederer wurde schnell abgesägt, Damir Buric übernahm, wurde verkauft, Ernst Baumeister, mit einem super Auge für unentdeckte Talente ausgestattet, folgte und wurde etwas unrühmlich gechasst. Ganz schuldlos ist das knorrige Urgestein aber auch nicht gewesen. Auf Baumeister folgten Reiner Geyer, Klaus Schmidt und zuletzt Zvonomir Soldo. Doch nicht nur am Trainersektor war sehr viel los. Statt wie lange auf Eigenbau und kluge Transfers zu setzen, kamen ältere Routiniers. Kolja Pusch, Bjarne Thoelke, Erwin Hoffer oder zum Beispiel Markus Lackner.

 

Neues Selbstbewusstsein

Mit dieser Strategieumstellung und auch dem norddeutschem Wesen von Amir Shapourzadehs hat sich die Admira in den letzten Jahren nicht nur Sympathien erwirtschaftet. In Interviews wirkte der in Hamburg aufgewachsene Kicker oft berechnend und distanziert – vielleicht auch einfach ein krasser Gegensatz zu dem hierzulande gewohnten. Hier spricht man mit 'Zoki', 'Peter', hört sich hemdsärmliges Gepoltere von Jürgen Werner an oder spürt Korherr'schen Dorfplatzflair und Freund'sches Skilehrer-Verve. Ein krasser Gegensatz zum jungen Shapourzadeh, der zwar das 'Amir' schnell anbot, Trainer und Spieler mit Spitznamen bedachte, aber dennoch distanziert blieb.

(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

"Ob man ihm ob der 'Mentalitätsunterschiede' und angesichts vor allem der von ihm exekutierten Trainerbilanz allerdings mehr als Krokodilstränen nachweinen wird, ist fraglich."

Das Selbstbewusstsein, das leicht in Arroganz umschlagen kann, war aber auch am Transfermarkt zu spüren. Billiges Kaderfüllmaterial vor allem für die Wiener Bezirke Penzing und Favoriten wurde zur Mangelware. Schwab, Auer, Schösswendtner, Malicsek (Rapid), Windbichler, Monschein, Ebner, Sax, Zwierschitz (Austria) – die Admira wirkte zeitweilig wie ein Selbstbedienungsladen der eh nicht mehr ganz so großen Klubs. Am Beispiel Sasa Kalajdzic ließ sich dann schlussendlich aber erkennen, dass der Weg die A2 Richtung Wien, wo es dann entweder über den Verteilerkreis oder den Altmannsdorfer Ast zu den zwei Vereinen ging, schwieriger geworden ist. Und dann wären da noch die Causen Wostry und Lederer. Der Innenverteidiger durfte länger nicht mitspielen, weil er zum LASK wechseln wollte. Oliver Lederer hatte einen laufenden Vertrag, wollte für Sky arbeiten, das hatte die Admira verboten, ihm sogar Stadionverbot gegeben. 

 

Nicht unumstritten

Das ist definitiv auch ein Verdienst von Amir Shapourzadeh. Ob man ihm ob der 'Mentalitätsunterschiede' und angesichts vor allem der von ihm exekutierten Trainerbilanz allerdings mehr als Krokodilstränen nachweinen wird, ist fraglich. Schon bei der Präsentation von Felix Magath als Flyeralarm-Funktionär stand Shapourzadeh etwas abseits und es gab erste Berichte, wonach damit das Ende des aktuellen Admira-Managers eingeläutet wurde. Dort träumte man von einem Antreten im oberen Playoff – was zugegebenermaßen im Bereich des möglichen ist, wenn Hartberg und Wolfsberg dort kicken. Aber eben nicht mit Shapourzadeh und da müssen nicht einmal großartig schmutzige Geschichten ausgepackt werden.

15/16, 16/17, 17/18 landete die Admira auf den Plätzen vier, sechs und fünf. In der vergangenen und der aktuellen Saison heißt es Abstiegskampf und nachdem schon so viele Köpfe gerollt sind, bleibt eben nur noch einer über. Jener von Shapourzadeh. Die nackten Zahlen lassen diese Entscheidung nachvollziehen. Ob Flyeralarm jedoch so wie in der Pressemitteilung angedeutet dahinter eine nachhaltige Strategieänderung vollziehen wird, bleibt abzuwarten. 

 

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