These: Wer keine Quali spielt, sollte nicht in den WM-Kader
Foto © GEPA

These: Wer keine Quali spielt, sollte nicht in den WM-Kader

Ist das wirklich so? Über diese These und drei weitere rund um das ÖFB-Team diskutieren Georg Sohler und Harald Prantl.

Das ÖFB-Team startet mit den Tests gegen Ghana (Fr., ab 18 Uhr im LIVE-Ticker) und Südkorea (Di., ab 20:45 Uhr im LIVE-Ticker) ins WM-Jahr 2026.

Davor gibt es freilich so einige Dinge zu diskutieren.

Die 90minuten-Redaktion konfrontiert Georg Sohler und Harald Prantl mit vier gewagten Thesen:

These: Letzte Chance: Statt "Plan A zu schärfen" sollte Rangnick die beiden Testspiele lieber dazu nutzen, taktisch noch etwas auszuprobieren.

These: Letzte Chance: Statt "Plan A zu schärfen" sollte Rangnick die beiden Testspiele lieber dazu nutzen, taktisch noch etwas auszuprobieren.
Foto © GEPA

Georg Sohler: Wenn der Schiri am 17. Juni Österreichs WM-Spiel gegen Jordanien anpfeift, wird es fast auf den Tag genau vier Jahre her sein, dass Rangnick Österreich erstmalig in einem Spiel betreut hat. Dazu kommen zehn Jahre Rangnick/RB-Fußball in Österreich.

Spieler wie Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Nicolas Seiwald spielen diesen Fußball seit Akademiezeiten. Das ist insgesamt genug Vorlaufzeit für den Plan A. Dieser ist prinzipiell gut, hängt aber natürlich von Präzision und Konsequenz ab – und dem Gegner.

Einen echten Plan B sieht man seit Jahren nicht, außer mehr Weitschüsse und die klassischen hohen Bälle in den Strafraum, je länger es 0:0 und je besser der Gegner steht. Das müssen diese Spieler wirklich nicht trainieren. Ich wüsste jetzt auch nicht, warum man das just gegen Südkorea und Ghana machen sollte. Diese stehen qualitativ über den WM-Gegnern Jordanien und Algerien, aber unter Argentinien.

Vielleicht wäre es ja auch besser, weniger über Taktik als über Drucksituationen nachzudenken. Stand es zuletzt Spitz auf Knopf und war die Erwartungshaltung hoch, tat man sich schwer, siehe Achtelfinale gegen die Türkei, die Relegation gegen Serbien oder die mögliche vorzeitige Quali.

Harald Prantl: "Plan A" ist die Identität dieser Mannschaft. Und das ÖFB-Team mit – vergleichsweise kann man das ja fast schon sagen – Langzeit-Teamchef Rangnick zeichnet aus, diese Identität verinnerlicht zu haben, in den Abläufen eher wie eine Vereinsmannschaft zu agieren.

Ich bin überzeugt, der Teamchef wird etwas ausprobieren. Einerseits werden das taktische Nuancen sein, die dem gemeinen Fan vielleicht gar nicht so auffallen. Andererseits wird er – der Kader für diesen Lehrgang hat es ja schon vorweggenommen – neue Spieler ausprobieren und ausloten, wie gut diese in das funktionierende System passen.

Und eine Sache noch, lieber Georg, dass Südkorea und Ghana qualitativ über Algerien stehen, wage ich zu bezweifeln. Lasst uns nicht schon wieder den Fehler machen, irgendwelche Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen.

Georg Sohler: Qualitätsvergleiche von Kontinenten sind mit Sicherheit schwierig. Der algerische Kader ist der teuerste der drei, bei Weltmeisterschaften haben die anderen eher aufgezeigt. Wenn die drei Nationen zehn Mal jeder gegen jeden spielen, werden am Ende wohl alle ähnlich viele Punkte haben.

Bei einer Aussage bleibe ich aber: Ich wüsste nicht, welchen taktischen Plan B ich gegen diese Teams testen sollte.

These: Wanner und Chukwuemeka: Im Mittelfeld ist das ÖFB-Team ohnehin gut genug aufgestellt - Wer keine Quali spielt, sollte auch nicht im WM-Kader stehen.

These: Wanner und Chukwuemeka: Im Mittelfeld ist das ÖFB-Team ohnehin gut genug aufgestellt - Wer keine Quali spielt, sollte auch nicht im WM-Kader stehen.
Foto © GEPA

Harald Prantl: Ich bin ja auch dafür, dass nur Spieler, die in der Vorsaison eine Europacup-Quali geschafft haben, dann für den Verein international spielen sollten!

Im Ernst: Für jeden Fußballer der Welt ist es das tägliche Geschäft, dass sich Kader verändern und vermeintliche Verstärkungen dazukommen.

Wenn der Trainer dann der Meinung ist, dass sie die Qualität des Kaders tatsächlich heben, werden sie auch dabei sein bzw. spielen. Das ist auf Vereinsebene genauso wie im Nationalteam. Vielleicht stimmt es, dass auf den Zehner-Positionen aktuell nicht der ganz große Bedarf besteht, aber es gibt auch ein Morgen und ein Übermorgen.

Georg Sohler: Ich kann und will Harald hier nicht widersprechen, was die grundsätzlichen Mechanismen des Profifußballs betrifft. Allerdings wissen wir ein paar Dinge nicht: Etwa, inwiefern abseits der Öffentlichkeit die WM-Teilnahme Bedingung für den Nationenwechsel war.

Oder wie leiwand es andere verdiente Legionäre wie Grüll oder Ljubicic wirklich finden, dass statt ihnen zwei Eingebürgerte auf den WM-Zug aufspringen können.

Jetzt muss ich Harald dann doch ein bisschen widersprechen: Wir wissen letztlich nicht, wie der Stamm des Teams reagiert, der die erste WM seit 28 Jahren erst möglich gemacht hat. Ich will jetzt nicht sagen, dass die das mental nicht verkraften, sollten Wanner und Chukwuemeka tatsächlich in die USA mitfahren.

Ob und wie tiefe Kratzer es verursacht, werden wir erst sehen. Ich lasse mich aber gerne davon überzeugen, dass dies nicht der Fall ist.

Harald Prantl: Dass der "Stamm des Teams" die Verstärkungen Wanner und Chukwuemeka begrüßt, beweist alleine schon die Tatsache, dass sich nicht nur der Staff, sondern auch Spieler wie Alaba und Sabitzer aktiv darum bemüht haben, die beiden zu einer Entscheidung für das ÖFB-Team zu bewegen. Siehe Chukwuemekas jüngste Ausführungen >>>

Georg Sohler: Die werden ja wegen der beiden auch nicht nicht spielen. Ernsthaft: Vielleicht habe ich in dem Punkt bis zu einem gewissen Grad zu wenig Vertrauen in das Gute im Menschen. Dass man vorher nicht weiß, wie es nachher gewesen sein wird, dabei bleibe ich.

These: Die Nominierung von David Affengruber war längst überfällig. Aber dass Leopold Querfeld nicht im Kader steht, ist unverständlich.

These: Die Nominierung von David Affengruber war längst überfällig. Aber dass Leopold Querfeld nicht im Kader steht, ist unverständlich.
Foto © GEPA

Georg Sohler: Ja, Affengruber hat sich das verdient; ja, Querfeld wird’s verkraften. Und nein, es gibt wegen der Nations League zu wenig Lehrgänge, um Spieler im Training, in der Gruppe und am Feld wirklich näher kennenzulernen. Querfeld kennt der Teamchef eben, Affengruber nicht.

Ich denke auch, dass beide damit gut umgehen können. Vor allem deshalb, weil die Innenverteidigung ungefähr die letzte Position ist, auf der sich Österreich Sorgen machen muss.

Die Liste an Spielern, hinter denen sich beide anstellen müssen, ist lang. In den WM-Qualifikationsspielen standen in der Mitte immer zwei aus dem Quartett Maximilian Wöber, Philipp Lienhart, David Alaba und Kevin Danso in der Startelf. Marco Friedl durfte in San Marino anfangen. Eingewechselt wurde abgesehen von diesen Spielern mehrmals Friedl, einmal Querfeld.

Nicht unwahrscheinlich, dass Rangnick bei der WM weiterhin auf Friedl und vielleicht Svoboda setzt, also auf Erfahrung statt Jugend.

Harald Prantl: Die Situation wurde vom Teamchef bei der Kader-PK einwandfrei erklärt: Affengruber bekommt mal die Chance, sich zu zeigen. Querfeld kennt er gut genug, weiß, was er an ihm hat. Rückschlüsse auf den WM-Kader lassen sich daraus nicht ziehen. Soweit Rangnicks Ausführungen, die nachvollziehbar sind.

Nun zu deinen Ausführungen, Georg. Das mag statistisch alles so korrekt sein, du verschweigst aber, dass Wöber und Alaba in dieser Saison (auch) verletzungsbedingt oft nicht spielen konnten. Sie sind für die WM Wackelkandidaten.

Und dann ist die Hackordnung hinter Lienhart und Danso schon relativ offen. Ungeachtet des aktuellen Lehrgangs sehe ich aktuell Querfeld da schon recht weit vorne.

These: Vorbild FC Bayern: Konrad Laimer sollte auch im ÖFB-Team als Außenverteidiger auflaufen.

These: Vorbild FC Bayern: Konrad Laimer sollte auch im ÖFB-Team als Außenverteidiger auflaufen.
Foto © GEPA

Harald Prantl: Ja! Sollte und wird er auch, so nichts Unvorhergesehenes passiert. Laimer hat nicht zuletzt in den finalen beiden Quali-Spielen bewiesen, dass er das ÖFB-Team als Außenverteidiger – ob links oder rechts – besser macht.

Er ist aktuell einer der besten Rechtsverteidiger der Welt. Es wäre sonderbar, ihn nicht dort einzusetzen. Vor allem dann, wenn Nicolas Seiwald und Xaver Schlager voll im Saft stehen und die beiden Positionen im zentralen Mittelfeld besetzen können.

Georg Sohler: Ich bin immer für Recycling, und Nostalgia ist ein Trend. Aber wir müssen die Alaba-Linksverteidiger-Diskussion jetzt nicht für das Jahr 2026 aus dem Papierkorb der heimischen Fußballgeschichte holen und mit einem anderen Bayern-Legionär führen. Vor allem, weil es ganz anders ist als damals, das Nationalteam ist viel breiter aufgestellt.

Warum sollte man also Kicker nicht dort einsetzen, wo sie Woche für Woche für einen Weltverein Leistung bringen? Um das noch mit Zahlen zu untermauern: Über seine Karriere hinweg absolvierte er 55 Prozent seiner Vereinsspiele im zentralen bzw. defensiven Mittelfeld, seit seinem Wechsel zu den Bayern beträgt dieser Wert nicht einmal mehr 25 Prozent.

Und einmal ganz abgesehen davon: Laimer spielt ohnehin mindestens drei Positionen gleichzeitig. Wenn er im gegnerischen Fünfer den Ball verliert, fightet er schneller um den Ballbesitz im eigenen Sechzehner, als ich "Rechtsverteidiger-Diskussion" tippen kann.

Kommentare