Kleine Stolpersteine auch für Büskens ganz groß

Zoran Barisic ist Geschichte, Mike Büskens die grün-weiße Realität. An den Problemen von Rapid hat sich vorerst nichts geändert. Ein Kommentar von Michael Fiala

 

Zoran Barisic sitzt bekanntlich nicht mehr auf der Rapid-Bank. Einer der Gründe, warum er bei Müller und & Co das Vertrauen verloren hatte, war die schlechte Bilanz gegen die “Kleinen”: “Insgesamt gab Rapid gegen die vermeintlich kleinen Teams in dieser Saison in 11 Spielen Punkte ab. Zuviel”, hieß es etwa in einer 90minuten.at-Analyse Anfang Juni.

 

Wenige Tage danach präsentierte Rapid Mike Büskens als neuen Trainer. Sportdirektor Müller meinte damals im Interview mit dem Kurier: “Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass ein neuer Reiz guttun wird. Und am Ende kann im Rückblick dieser saubere Schnitt für alle Beteiligten die beste Lösung sein. Auch wenn’s für Zoki noch schmerzvoll ist.”

 

Neue Reize als Erfolgsrezept?
Neue Reize sollten also die Rapid-Elf in Richtung Meistertitel bringen. Warum die Wahl auf Büskens fiel? Müller erklärte in ebendiesem Kurier-Interview, wofür Büskens Arbeit steht: “Für Werte, die heute im Fußball nicht mehr selbstverständlich sind: Disziplin, vollen Einsatz, Zusammenhalt.”

 

Neue Reize? Das passte perfekt zum oftmals medial vermittelten Bild: Zokis Team wurde immer wieder vorgeworfen, zu wenig Einsatz im entscheidenden Moment zu zeigen. 

 

Rapid-Präsident Michael Krammer stimmte in den Chor mit ein, sicherlich auch beflügelt durch die Eröffnung des neuen Allianz-Stadions. Hämisch meinte er vor wenigen Wochen in Richtung Red Bull Salzburg: “Schade, dass Salzburg in der Champions League ausgeschieden ist. Aber wenn wir Meister werden, werden wir das richten.”

 

Meister wird man, wenn man gegen die Kleinen punktet
Meister Rapid? Doch da kommt auch in dieser Saison das altbekannte Rapid-Problem ins Spiel. Wir erinnern uns zum wiederholten Male: Als Austria Wien zuletzt Meister wurde, holte Peter Stöger nicht gegen den direkten Konkurrenten Salzburg die Punkte. Es war die Konstanz gegen die Kleinen, die den Teller nach Favoriten brachte.

 

Und Rapid? Die Hütteldorfer schaffen es einfach nicht, die wichtigen Punkte gegen die vermeintlich kleinen Teams zu holen. Das war unter Barisic schon so und das hat sich unter Büskens auch (noch) nicht verändert.

 


“Nicht konsequent genug”
Auch am Wochenende gegen St. Pölten gab es ein 1:1. Mike Büskens erklärte danach im Sky-Interview: „Das ist natürlich nicht zufriedenstellend, wir haben heute wenige Lösungen gefunden. Der Gegner hat uns den Ball gegeben, wir haben teilweise zu langsam gespielt und waren nicht konsequent genug, deswegen war es für uns zu wenig.“

 

Die Analyse von Büskens ist zum Teil richtig, auch wenn im letzten Satz die fehlende Konsequenz als Ausrede für mangelnden Erfolg hinhalten muss. Eine fundierte Taktik-Analyse vor wenigen Tagen hat das Problem bereits erkannt: Eine merkbare, taktische Weiterentwicklung ist unter Büskens (noch) nicht zu erkennen. Das ist besonders bitter, weil Hauptkonkurrent Red Bull Salzburg ebenfalls schwächelt. Von einer drückenden Überlegenheit des Erzrivalen aus Salzburg kann also keine Rede sein - wie schon in der vergangenen Saison.

 

Satte sieben Punkte hat Rapid gegen Altach, WAC und St. Pölten im ersten Saisonviertel bereits liegengelassen. Hochgerechnet auf die gesamte Meisterschaft sind dies 28 verlorene Punkte in 12 Spielen gegen die “Kleinen”. Man braucht kein besonderer Kenner der Arithmetik sein, dass sich ein Meistertitel so nicht ausgehen wird. Pikantes Detail am Rande: Zoran Barisic hatte nach dem ersten Saisonviertel in der vergangenen Saison bereits 19 Punkte - also drei mehr als Büskens jetzt am Konto. Am schlechteren Spielmaterial kann es jedenfalls aber nicht liegen, dass Büskens Rapid punktemäßig hinterherhinkt.

 

Viele Gründe im Umlauf

Rapid hat in den vergangenen Jahren viele Gründe genannt, warum es mit dem Meistertitel nicht geklappt hat: Von finanzieller Überlegenheit der Salzburger war da oft die Rede, von fehlender Konsequenz oder fehlendem Spielglück, auch der ungünstige Spielverlauf ist immer wieder ins Spiel gebracht worden. Und wie schon erwähnt war der mangelnde Einsatz oft ein Thema.

 

Dabei ist die Lösung so “einfach”: Sollte Rapid endlich ein taktisch erfolgreiches Konzept gegen die vermeintlich kleinen Teams finden, ist der Titel mehr als in Griffweite. Dann könnten auch die neuen Reize von Büskens den entscheidenden Unterschied ausmachen.  Dann, aber auch nur dann, kann sich Rapid-Präsident Krammer über die Champions League Gedanken machen. Derzeit ist das aber nicht angebracht.

 

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