Keine Frage des Respekts
Zoran Barisic spricht oft von Respekt. Manchmal auch, um eine inhaltliche Diskussion über die Probleme bei Rapid abzuwürgen. Ein Kommentar von Michael Fiala.
Respekt. Wenn Interviews mit Zoran Barisic geführt werden oder der aktuelle Rapid-Trainer auf Pressekonferenzen gefragt wird, kommt dieses Wort verhältnismäßig häufig vor.
Respekt sei notwendig, um die Mannschaft zu erreichen. Es sei auch wichtig, Respekt vor dem Gegner zu zeigen, denn das habe dieser auch verdient. Medien übernehmen diese Formulierungen gerne und oft: “Barisic zollt Admira Respekt” oder “Barisic zeigt Respekt” steht dann in großen Lettern auf gedrucktem oder digitalen Papier.
Wenn Barisic diese Worte wählt, ist das nicht nur eine Floskel, sondern es kommt durchaus authentisch rüber. Respekt spielt im Leben von Barisic einfach eine zentrale Rolle, dies hat er auch mehr als glaubhaft in dem einen oder anderen Interview abseits der Sportgazetten gezeigt. Und diesen Respekt will er auch in seinem Umfeld vermitteln - ob gegenüber Spieler, Management oder auch Journalisten.
Und damit liegt Barisic auch prinzipiell richtig. Oft wird der notwendige Respekt in der gegenseitigen Kommunikation nämlich vermisst, gerade wenn man in den boulevardesken Bereich blickt. Für einen Trainer ist es dann schwer, in der Öffentlichkeit das Kind beim Namen zu nennen. Man könnte es nämlich so deuten, als ob der Trainer für eine Niederlage eine Ausrede sucht.
“Das ist unfassbar” Ein Schwenk zu den Bullen; die Rahmenbedingungen in dieser Saison rund um Salzburg sehen wie folgt aus: “Salzburg hat den dritten Trainer in der Saison. Trotzdem stehen sie ganz oben. Salzburg hatte unglaubliche interne Querelen mit Martin Hinteregger. Trotzdem stehen sie ganz oben. Bei den Bullen war zuweilen eine ganze erste Elf verletzt. Trotzdem stehen sie ganz oben. Garcias Zentralachse lautet manchmal Caleta-Car (19), Laimer (18), Keita (mit Malaria, 21), Oberlin (18). Trotzdem stehen sie ganz oben. Man spielt in den letzten Wochen zum Teil einen grausigen Stiefel. Trotzdem stehen sie ganz oben”, schrieb mein Kollege Georg Sander vor einigen Tagen. Gut, man kann sagen: Rapid hat mit Beric den Top-Scorer verloren. Das ist aber dann auch schon das einzige Argument, weil das böse Wort “Doppelbelastung” wollen wir an dieser Stelle nicht mehr gelten lassen. Beric war sicherlich für viele knappe Erfolge von Rapid eine Art Lebensversicherung. Aber der Abgang von Beric ist sicherlich kein Hauptgrund, warum es Rapid nicht und nicht schafft, im Frühjahr den Kontakt zu Salzburg zu halten. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Rapid in dieser Saison auch schon 8 (!) Punkte Vorsprung auf Salzburg hatte. Im Gegensatz zu Salzburg hat Rapid also zumindest im Sinne der vereinseigenen Konstanz in dieser Saison nahezu optimale Voraussetzungen. Aber: Es läuft bei Rapid derzeit ganz und gar nicht. Da kann das tatsächlich unglückliche 2:2 gegen den WAC nicht darüber hinwegtäuschen. Beim Derby am kommenden Sonntag treffen die - nach Punkten - beiden schwächsten Teams der vergangenen fünf Runden aufeinander. Es mag einige Gründe geben, warum es bei den Hütteldorfern in dieser Saison nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Einige davon liegen auch in der taktischen Einstellung der Mannschaft. Das liegt in der Natur der Sache, sonst würde sich jeder Trainer der Welt selbst abschaffen. Es ist nicht leicht, Meister zu werden. Aber es war schon lange nicht mehr so leicht Zurück zum mangelnden Respekt: Mit “leicht” meinen Journalisten oder der geneigte Fan natürlich nicht, dass jeder dahergelaufene Trainer dieses Jahr “einfach” Meister werden kann. Nein: Kein seriöser Redakteur geht davon aus, dass es leicht ist, Meister zu werden. Daher ist aber aus Sicht der sportlichen Führung von Rapid Zoran Barisic der richtige Trainer, um diese generell schwierige Aufgabe zu “meistern”. Aber: Es war wohl selten so leicht für eine andere Mannschaft außer Salzburg, Meister zu werden wie in dieser Saison. Und eines ist klar: Nächste Saison deuten alle Paramenter darauf hin, dass sich Salzburg mehr als stabiliseren wird. Dann wird es mit Sicherheit “nicht mehr so leicht sein” wie 2015/16. Es ist daher kein mangelnder Respekt, wenn man Zoran Barisic danach fragt, ob es in dieser Saison nicht besonders leicht wäre, Meister zu werden. “Respekt” wird in diesem Fall nicht nur inflationär verwendet, sondern dient vor allem auch dazu, die inhaltliche Diskussion breitenwirksam abzuwürgen, was im Endeffekt leider meistens auch gelingt. In dem Sky-Bericht meint Barisic zudem: “Es gibt zwei Wahrheiten. Eine für die Öffentlichkeit und die andere für die Kabine.” Ein Trainer ist nicht verpflichtet, Gründe für schwache Phasen oder Krisen in der Öffentlichkeit mit Journalisten zu diskutieren. Es steht aber auch nirgends geschrieben, dass sich die Öffentlichkeit von dieser Form der Ablenkung beeindrucken lassen muss und Medien dies unwidersprochen schlucken.
Aber Barisic wählt diese Wort auch mit Kalkül, um die Erwartungen vor einem Match oder die Analyse nach einem Match zu relativieren. Schwierig wird es allerdings dann, wenn inhaltliche Diskussionen mit “mangelndem Respekt” beantwortet werden. Zuletzt sagte Zoran Barisic im Vorbericht zur Partie gegen den WAC auf die Frage von Sky, ob es diese Saison nicht besonders leicht sei, Meister zu werden sinngemäß: “Das ist unfassbar. Diese Aussagen sind respektlos. Wenn dann kann - aufgrund der finanziellen Gegebenheiten - nur Salzburg leicht Meister werden. Man muss sehr, sehr hart dafür arbeiten, Meister zu werden.”