Herr Hackmair, bitte nehmen Sie Ihren Beruf auch ernst
Während das ÖFB-Team in den Testspielen durchaus ansprechende Leistungen zeigte, sind der ORF und speziell Experte Peter Hackmair noch auf der Suche nach der EM-Form. Ein Kommentar von Michael Fiala.
„In meinem Buch habe ich mich unter anderem auch damit beschäftigt, dass viele Spieler ihren Beruf nicht ernst nehmen. Ich hab keine Scheu, so etwas auch im Fernsehen zu sagen“, wurde Peter Hackmair in der offiziellen Presseaussendung des ORF zitiert, als er im vergangenen Juli als neuer TV-Analytiker vorgestellt wurde.
Die Frage, ob er seinen Beruf ernst nimmt, muss man allerspätestens seit gestern Abend aber leider auch Hackmair selbst stellen, hat er doch gestern als Field-Reporter festgestellt, dass David Alaba hier im Nationalteam seine Freigeistrolle genießt, anders als bei den Bayern, „wo er starr seine Position halten muss – zuletzt als Innenverteidiger.“
Pep Guardiola hat Offensiv-Rolle Alabas "erfunden"
Man braucht kein Taktik-Experte sein, um die Rolle von Alaba bei den Bayern alles andere als starr zu sehen. Alaba gehört in der deutschen Bundesliga wohl zu den dynamischsten Verteidigern, der bei jedem Spiel auch mehrmals in der Offensive zu sehen ist. Auch wenn Alaba von der Grundposition gerne offensiver spielen würde, hat Guardiola mit dem Einsatz von Alaba als dynamischen Verteidiger mit Offensivdrang eine aus Experten-Sicht für jetzige Verhältnisse wohl optimale Position gefunden. Experten gehen sogar so weit und sagen, dass Pep Guardiola die Auslegung dieser Position sogar extra für Alaba „erschaffen“ hat und dies als eine der wichtigen Pep-Innovationen während seiner Bayern-Zeit gilt.
Nicht zuletzt schreib Rene Maric von Spielverlagerung.de in einer Alaba-Analyse (Der Halbraumlibero) vor wenigen Wochen: „Seine Athletik und gute Zweikampfführung ermöglichen es ihm defensiv stabil zu agieren, offensiv kann er dadurch und dank seiner guten Technik das Spiel konstruktiv aufbauen oder sich auch mit schnellen Dribblings und weiträumigen Sprints im zweiten und im letzten Drittel an den Angriffen beteiligen. Kaum ein Spieler verbindet eine solch starke Physis mit enormer Spielintelligenz, Dynamik und Technik. Vermutlich könnten nur eine Handvoll Spieler wie z.B. Arturo Vidal eine solche weiträumige Rolle ausüben und gleichzeitig auch bei den klassischen Aufgaben eines Halbverteidigers exzellent sein. (…)Das Besondere an Alabas Rolle ist aber die Beteiligung in der Offensive. Dynamische Diagonalpässe in die Mitte oder auf den Flügeln wechseln sich mit Schnittstellenpässen in den offensiven Halbraum und Querpässen ab. Dazu gesellen sich die Vorstöße, wo sich Alaba per Dribbling oder durch Kombinationen bis ins letzte Spielfelddrittel absetzt, Räume überlädt oder ungedeckt in gefährlichen Zonen auftaucht.“
Fragen von Rainer Pariasek wie nach dem Türkei-Match, ob Öczan dem Druck nicht gewachsen sei, weil seine Familie auf der Tribüne gesessen ist und er gegen seine zweite Heimat (!) gespielt hat oder ob sich Marcel Koller nach einer Niederlage ärgere, ist man mittlerweile gewöhnt - leider und man nimmt sie nur noch Achselzuckend zur Kenntnis. Und vielleicht ist es auch ein bisschen kleinlich, einen einzelnen Kommentar eines ganzen Spiels als Beispiel herzunehmen. Der Alaba-Ausrutscher ist aber jeden falls symptomatisch für die ORF-Fußball-Berichterstattung. Es ist auch nicht so, dass der Großteil der TV-Konsumenten nach hochtrabenden Analysen in Sekundenschnelle verlangt. Der Seher sollte sich aber schon darauf verlassen können, dass grundlegende Informationen auch stimmen. In diesem Sinne: Bitte Herr Hackmair, nehmen Sie Ihren Job auch ernst. Danke!