Die Sky Go Erste Liga: Ein Nachruf
Das Ende der Sky Go Ersten Liga ist eingeläutet. Ein Nachruf auf die zweithöchste Spielklasse, die sich nicht mehr länger aufrechterhalten kann. Ein Kommentar von Michael Fiala
Es war ein kleiner Lichtblick im tristen Alltag der Sky Go Ersten Liga: Hauptsponsor Sky hat erst zum Rückrundenstart den Vertrag des Namenssponsorings verlängert. Doch den meisten Stakeholdern war eigentlich schon im Februar klar: Die Sky Go Erste Liga hat keine Zukunft.
Erst im Vorjahr lud die Bundesliga zum Nobelheurigen einige Medienvertreter ein, um sie auf die zwei Zehnerligen einzuschwören. Zumindest aus sportlicher Sicht, so Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer heute im Kurier-Interview, sei er noch immer davon überzeugt, dass die aktuelle Form die beste der möglichen Varianten ist. Doch der harte Boden der wirtschaftlichen Realität hat die Bundesliga-Führung in den vergangenen Monaten auch nach außen hin umschwenken lassen. Mit dem Kurier-Interview - ob inszeniert oder nicht - war das Tabu von offizieller Seite gebrochen: Ab sofort wird auch mit Unterstützung der obersten Funktionäre über den (Un)Sinn der Sky Go Ersten Liga diskutiert.
Die zweithöchste Spielstufe hatte in den vergangenen Jahren viele Namen: Red Zac-Liga, Adeg-Liga, dann mangels Sponsor Heute-für-Morgen-Erste-Liga und aktuell Sky Go Erste Liga. Sie sollte junge Talente an die Liga heranführen, was sie in den vergangenen Jahren immer seltener geschafft hat. Und sie sollte vor allem eines sein: Eine Profiliga. Doch genau diesem Anspruch wurde die Sky Go Erste Liga immer seltener gerecht. Die Lizenzkriterien wurden in den vergangenen drei Jahren Schritt für Schritt in die Höhe gesetzt. Während die tipico-Bundesliga-Vereine damit noch zurecht gekommen sind, hat es die Vereine der zweithöchsten Spielstufe dabei regelrecht zerbröselt.
Wirtschaftliche Vernunft vs existenzbedrohende Kriterien
Wirtschaftliche Vernunft sollte im Vordergrund stehen, doch die hohen Anforderungen haben zumindest den einen oder anderen Verein zunächst an den Rand der Existenz und in weiterer Folge auch dahinter gebracht. Die peinlichen Wochen rund Austria Salzburg saßen der Bundesliga-Führung noch Monate in den Knochen. “Ich weiß nicht, was los gewesen wäre, wenn man Austria Salzburg vor der Saison die Lizenz nicht erteilt hätte”, zeigte sich vor einigen Monaten auch Bundesliga-Vorstand Ebenbauer zerknirscht. Doch intern war es zu diesem Zeitpunkt schon längst klar: Das aktuelle Ligenformat muss so rasch wie möglich reformiert werden, sonst wiederholen sich die unrühmlichen Zeiten der Insolvenzen.
ÖFB und Liga ziehen an einem Strang?
Nun gut, könnte man sagen, nur weil Ebenbauer etwas sagt, heißt das nicht, dass die Liga ihm folgt. Denn eine Reform bedarf einerseits der Zustimmung der 20 Profivereine, wobei nur 19 Stimmberechtigt sind - Liefering, der inoffizielloffizielle Amateurverein von Red Bull Salzburg, hat bekannterweise kein Stimmrecht. Andererseits muss man natürlich auch den ÖFB ins Boot holen, denn eine Ligenreform, die nur von oben bestimmt wird, ist zum Scheitern verurteilt.
Positive Signale aus dem ÖFB
Bei der Podiumsdiskussion der VdF zum Thema “Mysterium Amateurfussball” sprach der aktuelle ÖFB-Jurist und künftige ÖFB-Direktor Thomas Hollerer von positiven Signalen aus den Ländern, dass diese die Dringlichkeit einer Reform erkannt hätten. Man hat den Eindruck, dass Hollerer und Ebenbauer eine solide und vernünftige Gesprächsbasis haben. Das war in früheren Zeiten eher selten der Fall, dass sich ÖFB- und Bundesliga-Spitze inhaltlich so gut verstanden haben. Derartige Sätze wie von Hollerer hätte man von Seiten des ÖFB vor drei, vier Monaten noch nicht erwarten können. Bestes Beispiel: Im Interview mit 90minuten.at windete (Nomen ist omen) sich ÖFB-Präsident Leo Windtner bei der Frage nach einer Reform im Unter- und Oberbau.
Und auch ein 90minuten.at-Rundruf in der tipico-Bundesliga brachte meist klare Antworten. Während sich Sturm Graz (Gerhard Goldbrich: „Dass die zwei Absteiger in der zweiten Liga nicht optimal sind, ist bekannt. Auch das Ligaformat ist generell zu diskutieren, aber das werden wir in den entsprechenden Gremien tun.“) und Rapid noch nobel zurückhalten („Wir haben uns bereits vor Monaten darauf verständigt, dieses Thema intern in den entsprechenden Gremien zu besprechen und nicht in der Öffentlichkeit“), gehen andere Key-Player heute in die Offensive.
So meinte etwa Rieds Stefan Reiter im Gespräch mit 90minuten.at: „Inhaltlich bin ich da ganz bei Christian Ebenbauer. Ein Beschluss bis zum 30. 6. ist jedenfalls machbar, ob es auch realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt. Jetzt gilt es die Inhalte intensiv zu diskutieren und man muss natürlich auch die bestehenden Partner wie Sky, die derzeit der Namenssponsor der Liga sind, mit einbeziehen. Die werden vermutlich mit derartigen Aussagen nicht glücklich sein, aber das ändert nichts an der generellen Zustimmung von meiner Seite, dass die Reform in diese Richtung gehen soll.“
“Es wird Woche für Woche schwieriger für Sky Go Vereine”
Reiter nennt damit auch schon ein konkretes Datum bzw. eigentlich eine erste Deadline. Soll die neue Ligenstruktur bereits zur Saison 2017/18 umgesetzt werden, muss diese bis 30.6. beschlossen sein. Eine gewisse Dringlichkeit sieht auch Austria-Vorstand und Bundesliga-Vizepräsident Markus Kraetschmer: „Es ist unabdingbar, dass wir uns mit dieser Thematik auseinandersetzen müssen. Da passt die Lizenzvergabe thematisch gut dazu, weil sie zeigt, dass wir aus wirtschaftlicher Sicht handeln müssen. Es haben natürlich alle Modelle Vor- und Nachteile und es ist bei einer etwaigen Änderung vor allem auch der juristische Fristenlauf zu beachten.“ Kraetschmer zeigt sich gesprächsbereit, die Reform auch bereits im Juni einzutüten, warnt jedoch: „Wenn man es in den kommenden Diskussionen vernünftig darstellen kann, bin ich für eine rasche Lösung zu haben. Es darf aber jetzt keine Husch-Pfusch-Lösung erarbeitet werden. Faktum ist aber, dass es für die Sky Go Ersten Liga Vereine Woche für Woche schwieriger wird.“
Auch bei Red Bull Salzburg nimmt man die Aussagen von Ebenbauer zur Kenntnis. Zwar will man sich nicht konkret dazu äußern, man bestätigt aber, dass die eingeschlagene Richtung von Ebenbauer unterstützt wird.
Positiv werden die Aussagen auch von Altach-GF Christoph Längle beurteilt: “Zu den aktuellen Aussagen möchte ich noch nichts Konkretes sagen. Generell habe ich schon vor ein paar Jahren gesagt, dass man eine wirtschaftliche Machbarkeitsstudie durchführen muss. Damals haben wir sogar über eine nationale dritte Liga diskutiert. Jetzt geht es aber in die Richtung, dass man nicht einmal 16 Profiklubs in Österreich zusammenbekommt.” Längle gibt aber auch zu bedenken, dass selbst eine Profiliga mit 12 oder 14 Vereinen derzeit nicht einfach so ins Leben gerufen werden könne. “In der tipico-Bundesliga muss man ein Budget von 6-7 Mio. Euro vorweisen, um sich halbwegs bewegen zu können. In der 2. Liga haben die obersten Vereine ein Budget von rund 4 Mio. Euro”, sagt Längle und meint abschließend: “Ich glaube aber, dass mittlerweile der letzte erkannt hat, dass 20 Profiklubs nicht oder nur mit deutlichen Abstrichen zu erhalten sind. Es ist an der Zeit, sich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen.”
Genau diese Auseinandersetzung fand heute Nachmittag auch bereits im ÖFB-Präsidium statt, zu dem auch bekanntlich vier Vertreter der Liga gehören. Die Protagonisten waren sich vor Beginn der Sitzung einig, dass das Kurier-Interview von Ebenbauer und die entsprechende Thematik auch in diesem Gremium ein gewichtiges Thema einnehmen werden.
Eine Reform des Ligensystems wird bei weitem nicht alle Probleme lösen. Im Gegenteil: Die Liga wird weiterhin hart an ihren eigenen Kriterien arbeiten müssen, denn wenn nicht, ist es vollkommen egal, ob zwei, drei oder nur eine Liga in Zukunft auf dem Papier stehen werden. Ob die Reform bereits 2017/18 oder doch erst ab 2018/19 umgesetzt wird, ist noch offen. Zu präferieren wäre eine rasche Umsetzung, um weitere Pleiten zu verhindern oder auch ein Szenario einer Liga, der die Mannschaften ausgehen.
Eines kann man aber heute sagen: Wenn alle Vorzeichen und die Entwicklungen des heutigen Tages richtig gedeutet wurden, so wurde an diesem 29. April das Ende der Sky Go Ersten Liga eingeläutet.
>>> Hintergrund - Bundesliga-Vorstand Ebenbauer: ‚Österreich verträgt nur 12 Profiklubs‘