Zu intelligent. Kein Respekt.

Innsbruck-Trainer Roland Kirchler ist „zu intelligent" und Ried-Manager Stefan Reiter respektlos. Zwei Beispiele die zeigen, dass Respekt nicht eingefordert sondern vorgelebt werden muss. von Michael Fiala

 

Zu intelligent. Nein, die Rede ist nicht von Karl Heinz Grasser. Wir sprechen in diesem Fall von Innsbruck-Trainer Roland Kirchler, der gestern nach der 2:3-Niederlage seiner Innsbrucker gegen Salzburg wieder einmal in „Höchstform" war.

 

Irgendwas dürfte bei Kirchler den „Notknopf" auslösen, wenn er mit der Leistung von Schiedsrichtern nicht zufrieden ist. Wir erinnern uns zurück. Es ist gar nicht lange her, da sagte genau dieser Kirchler: „Fußball ist ein Männersport und da sollten auch Schiedsrichter Männer sein."

 

Zwei echte Schenkelklopfer, die wohl im Bierzelt um vier Uhr Früh mit lautem Gejohle Zustimmung erfahren würden. Doch hier handelt es sich um eine Profiliga. Zumindest eine Liga die vorgibt, eine Profiliga zu sein. Und es handelt sich um einen Profitrainer. Zumindest ein Trainer, der Geld mit seiner Arbeit verdient.

 

Immer wieder sprechen wir von Respekt. Trainer fordern Respekt von den Schiedsrichtern, Schiedsrichter von den Trainer. Spieler vor den Fans, Fans vor den Spielern - die Liste könnte man fortsetzen.

 

Zumindest hat Kirchler den Respekt am Tag danach wiedergefunden, wie er gegenüber 90minuten.at bestätigt und mit dem Schiedsrichter telefoniert. Er hat sich für seinen Sarkasmus entschuldigt, der Interpretationen zugelassen hat, die er eigentlich nicht zulassen wollte. Immerhin. Es war nicht seine Absicht, den Schiedsrichter als „dumm" abzustempeln.

 

Apropos Respekt: Auch Ried-Manager Stefan Reiter hat 48 Stunden gebraucht, um den Respekt wiederzufinden. Einen Tag nach dem Match Ried gegen Sturm, bei dem der Sturm-Spieler Sukuta-Pasu mit Schmährufen und Affenlauten aus dem Ried-Sektor „begleitet" wurde, sagte Reiter: „Niemand hat etwas gehört, nur er", meinte der Oberösterreicher.

 

Erst heute Montag, gab es ein klares und unmissverständliches Statement des Ried-Managers, dass es bei rassistischem Verhalten absolut keine Toleranz gebe und die Übeltäter, sofern sie ausgeforscht werden können, mit Stadion- und Hausverbot belegt werden. Der schale Beigeschmack bleibt aber, dass zunächst alles bestritten und Sukuta-Pasu als „Geisterstimmenhörer" abgestempelt wird.

 

Immer wieder werden Transparente von Spielern in die Höhe gehalten, von den Fans beklatscht. Respekt wird immer wieder eingefordert. Respekt sei wichtig, heißt es dann von allen Seiten. Vielleicht brauchen wir irgendwann einmal auch weniger Plakate, auf denen wir Respekt einfordern, wenn wir damit beginnen, Respekt vorzuleben.