Foto: © GEPA 91. Minute / 2018

Zu spät bleibt zu spät

Der TSV Hartberg ist auch in zweiter Instanz abgeblitzt und dabei hauptsächlich an sich selbst gescheitert. Der sportliche Erfolg hat die Administration des Klubs überholt.

Ein Kommentar von Michael Fiala

 

Mit einer knappen Aussendung hat der TSV Hartberg am Mittwoch-Vormittag auf die Verweigerung der Lizenz nach der 2. Instanz reagiert. Demnach will der Klub nun die rechtlichen Möglichkeiten prüfen und dann entscheiden, ob das „Ständig Neutrale Schiedsgericht“ angerufen wird oder nicht. Bis dahin wollen die Klubfunktionäre rund um Brigitte Annerl oder auch Kurt Riedl auf Anfrage von 90minuten.at nicht in der Öffentlichkeit sprechen.

Es gäbe aber einiges zu besprechen. Denn bei der Entscheidung des Senat 5 geht es vor allem darum, dass es der TSV Hartberg verabsäumt hat, seinen Profibetrieb rechtzeitig in eine Kapitalgesellschaft auszulagern. Den Lizenzbestimmungen zufolge muss jeder Verein, der in der obersten Liga mitspielen will, dies mit der Abgabe der Lizenzunterlagen erledigt haben.

 

Wettbewerbsgleichheit

Bei Hartberg war dies nicht der Fall, worauf der Klub auch nach Abgabe der Lizenzunterlagen hingewiesen wurde. Zwar hat der Verein eine GmbH gegründet und diese auch vor den 15. März ins Leben gerufen, doch die Lizenz rettet dies nicht, denn nur die Gründung einer GmbH ist zu wenig.

Rund um die Ausgliederung des Profibetriebs eines Vereins hängt ein Rattenschwanz an notwendigen Umstellungen: Sämtliche (Spieler)-Verträge müssen auf die GmbH umgeschrieben, Umsatzsteuer muss verrechnet, die pauschale Aufwandsentschädigung darf nicht mehr ausgezahlt werden, um „nur“ drei Beispiele zu nennen.

Da geht es auch um Wettbewerbsgleichheit: Ein Verein, der nicht in eine GmbH ausgliedert, hat durchaus finanzielle Vorteile und man erspart sich gewisse Kosten. Wenn also der TSV Hartberg auf die Ausgliederung in eine GmbH verzichtet hat, hat er sich auch gewisse Vorteile gegenüber anderen Klubs verschafft, die ihre Hausaufgaben in Sachen Lizenz rechtzeitig erledigt haben. Kurz gesagt: Wenn man aufsteigen will, muss man sich rechtzeitig fit machen. Einige Punkte, die die Zukunft betreffen, kann man auch im 2. Instanzen-Zug noch retten wie zum Beispiel die Infrastruktur, andere, die die Vergangenheit betreffen, jedoch nicht.

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Dass die Steirer dann quasi 30 Minuten nach 12 reagiert haben und viele Baustellen in Ordnung gebracht haben, mag zwar lobend erwähnt sein. Für die Frist der Ausgliederung war es aber zu spät. Denn sollte der Senat 5 hier eine Ausnahme machen, kann man sein eigenes Lizenzregelwerk gleich im Mistkübel versenken. Zudem würde es jenem Verein, der aufgrund von Hartberg dann eventuell nicht aufsteigt, wiederrum gute Chancen einräumen, sein Recht einzuklagen. Der Aufschrei wäre dann wohl um ein Vielfaches lauter als jetzt.

 

Schade, aber eigenes Verschulden

Es mag für den allgemeinen Fußballfans schade sein, dass Hartberg so kurz vor dem Ziel gestolpert ist. Im Endeffekt ist es aber eigenes Verschulden, man braucht keine Verschwörungstheorien spinnen. Der sportliche Höhenflug unter Trainer Ilzer hat die Klub-Administration in dieser Spielzeit überholt und möglicherweise auch überfordert. Sympathie hin oder her: Es ist richtig und fair, dass die Liga und der Senat 5 die verschärften Lizenzbedingungen, die im Übrigen von den 20 Klubs selbst beschlossen worden sind, auch selbst auf Punkt und Beistrich einhalten.

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