Findet Günter Kreissl die perfekte Welle?

Für den neuen Trainer des SK Sturm werden Franco Fodas Fußstapfen zwar spürbar sein, aber der Neubeginn ist auch eine Chance. Es bedarf allerdings einiger Grundvoraussetzungen, um in Graz zu reüssieren.

Ein 12 Meter von Jürgen Pucher

 

Franco Foda ist zwar noch nicht offiziell als Teamchef in Amt und Würden, macht aber bereits seinen ersten Ausflug mit der Nationalmannschaft. In Marbella bereitet er – dienstfreigestellt vom SK Sturm – den Teamkader auf den Testlauf gegen Uruguay am Dienstag vor. Sein Langzeitassistent Thomas Kristl schupft in der Länderspielpause den Laden in Graz. Spätestens ab Weihnachten sitzt aber dort nicht nur ein neuer Trainer auf der Bank, auch die Leute neben ihm werden andere sein. Kristl und der frühere Stürmer Imre Szabics, als Videobeobachter im Betreuerteam, begleiten Foda nach Wien. Sturm-Sportchef Günter Kreissl ist also gefordert, es gilt die komplette Einserpanier des Coaching Teams neu zu besetzen. Dass Foda bis Jahresende Sturmbetreuer bleibt, war die einzige KO-Bedingung bei den Ablöseverhandlungen mit dem ÖFB. Kreissl wollte parallel zu noch intakten Strukturen auf Trainersuche gehen.

 

Fodas Fußstapfen

Die Situation ist für den Geschäftsführer Sport zunächst einmal alles andere als einfach. Er muss einen Posten neu besetzen, der für den, der ihn einnimmt, nicht gar so leicht auszufüllen sein wird. Die Fußstapfen, die Franco Foda, auf unterschiedlichste Art und Weise, hinterlässt, sind in jedem Fall groß. Und der Neustart muss in einer sportlich äußerst erfolgreichen Phase stattfinden. Sturm führt die Tabelle an und macht in Bezug auf Eingespieltheit und Stabilität einen bärenstarken Eindruck. Wenn der neue Teamchef bis zum endgültigen Abschied weiterhin Erfolge einfährt, wird der Bringdruck für den Nachfolger nicht unbedingt kleiner werden. Ganz erschließt sich mir außerdem das generelle Procedere noch nicht. Was passiert, sollte der nächste Trainer im Laufe des Novembers bestellt werden? Geht der Mainzer dann früher? Oder hospitiert der neue Übungsleiter dann in Messendorf bis Ende Dezember? Aber das nur nebenbei bemerkt.

 

Kreissls Chance

Ein Neubeginn ist aber immer auch eine Chance. Als Günter Kreissl bei Sturm der Sportchef wurde, hat er das Trainerteam ‚geerbt‘. Franco Foda wurde davor von Christian Jauk zurückgeholt und es galt für den Geschäftsführer Sport sich mit dem schwierigen Charakter zusammenzuraufen. Das hat alles andere als auf Anhieb funktioniert. Unterschiedliche Auffassungen, Probleme im hierarchischen Bereich und vor allem zwei komplett konträre Persönlichkeiten gingen sich gegenseitig ziemlich auf den Keks. Erst seit der letzten Sommerpause, und natürlich massiv gestützt durch den erfolgreichen Verlauf der bisherigen Bundesliga-Saison, haben Kreissl und Foda einen Modus Vivendi gefunden, der sie gut zusammenarbeiten lässt. Aber eben genau jetzt endet der gemeinsame Weg. Günter Kreissl kann nur eines tun: Er muss die Situation als Chance sehen. Eine Chance, die er monatelang wahrscheinlich nur zu gern bekommen hätte, jetzt aktuell hätte er sich das aber wohl lieber erspart. Trotzdem, der Sportchef hat jetzt die Gelegenheit, sich einen Trainer genau nach seinen Vorstellungen zu holen. Einen, mit dem er auch wirklich auf einer Wellenlänge ist. Und das könnte eine derzeit solide und gut aufgestellte Mannschaft auf das nächste Level heben.

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Des Neuen Anforderungsprofil

Damit das klappt, muss der neue Sturmtrainer aber einiges an Rüstzeug mitbringen. Zunächst muss der Coach, abseits von den fachlichen Basics, zum Sportchef und seinen Ideen passen und sie sollten auch menschlich kompatibel sein. Der immer wieder aus gewissen Ecken geforderte ‚Stallgeruch‘ hingegen, ist sicher kein Kriterium. Günter Kreissl hat dankenswerterweise diesem olfaktorischen Umstand als Voraussetzung bereits eine Absage erteilt. Was neben den oben erwähnten Ausgangspunkten relevant sein wird, ist die Kommunikationsfähigkeit. Die vielschichtig gelagerten Stakeholder in Graz müssen besonnen moderiert werden. Weder hilft es da den Dauerexzentriker und Wuchtelschieber zu machen, der nach ein paar Monaten alle Beteiligten zumindest einmal beleidigt hat. Ein Schelm, wer dabei an Peter Hyballa denkt. Noch wäre ein Typus ‚Eiserner Schweiger‘ wie Darko Milanic besonders hilfreich. Auch die ‚Variante Foda‘, offiziell Plattitüden absondern, informell auf harter Hund machen und Druck ausüben, funktioniert für den nächsten nicht mehr.

 

Es braucht die Fähigkeit sich mit allen Playern im, zugegeben ein bisschen ungewöhnlichen, Grazer Umfeld auseinanderzusetzen. Es braucht eine gewisse Resistenz dagegen, alles was an entbehrlichen Wortmeldungen aus den unterschiedlichsten Ecken kommen wird, gar zu ernst zu nehmen. Das beginnt bei den eigenen Funktionären, geht über die Gruppe der ‚Ehemaligen‘ und endet bei der großen Zahl an ‚Sturm-Adabeis‘, die auch immer einen mehr oder weniger klugen Ratschlag bei der Hand haben. Wer einmal in diese Mühle geraten ist, kommt nur schwer wieder heraus. Günter Kreissl kann ein Lied davon singen, hat er als Neuling die Kurve nach anfänglichen Schwierigkeiten gerade noch gekratzt. Es und man funktioniert beim SK Sturm nur, wenn man über diesen Dingen steht. Wenn das Ganze noch mit einer proaktiven Kommunikation in Richtung Fangruppen einhergeht, dann ist schon relativ viel geschafft.

 

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