Vorteil LASK
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Vorteil LASK

Sturm ist zehn Spiele ungeschlagen und trotzdem nicht mehr vorne. Die Grazer haben offensiv zu wenig zu bieten. Der LASK und Dietmar Kühbauer stehen jetzt in der Pole Position, zumindest sportlich. Beim Grazer Stadion hakt es auch schon wieder.

"Wir sind noch immer die beste Mannschaft im Frühjahr", gab Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch nach dem ermurksten 1:1 am Sonntag gegen die Austria zu Protokoll. Schaut halt nicht so aus, kann man ohne despektierlich zu sein, darauf entgegnen.

Und: Der LASK gewann derweil in Hartberg mit 5:1 und ist damit jetzt punktgleich mit den Grazern an der Tabellenspitze. Die Linzer haben außerdem das Sternchen, das bedeutet, bei gleich vielen Punkten sind sie vorne.

Sturm hat es in den letzten drei Spielen im Titelkampf nicht mehr in eigener Hand und ist auf Umfaller der Kühbauer-Elf angewiesen. Die Favoritenrolle ist also spätestens nach Runde 29 auf die Gugl gewandert.

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Zu wenig Substanz für Titelanspruch

Was Sturm aktuell zeigt, ist offensiv einfach zu wenig, um ernsthaft den Anspruch auf die Meisterschaft anzumelden. Keine Durchschlagskraft, keine Torgefahr in der Box und Spiele, die wirklich nur mit viel Liebe zum Klub durchzustehen sind. Was die Nordkurve auch Woche für Woche mit aller Kraft versucht, um der zahnlosen Mannschaft Leben einzuhauchen.

Sturm wird sich auch gegen Salzburg, Hartberg und Rapid auf die Devise "hinten sicher und vorne schauen wir mal" verlassen müssen.

Da hilft es wenig, dass das Ingolitsch-Team kaum Tore bekommt. Den Fokus auf die Stabilisierung der Defensive zu richten, war der richtige Schritt zu Beginn der neuen Trainer-Ära. Offensiv nachziehen kann man bis dato nicht. Und es wird eher schwierig sein, das in den letzten drei Runden mit dem aktuell fitten Personal grundlegend anders zu gestalten.

Sturm wird sich auch gegen Salzburg, Hartberg und Rapid auf die Devise "hinten sicher und vorne schauen wir mal" verlassen müssen. Das ist am Ende relativ wenig Substanz, um von einer erneuten Titelverteidigung träumen zu können. Aber was lässt sich in dieser Saison in dieser Liga schon wirklich vorhersagen? In drei Wochen wissen wir mehr.

Dietmar Kühbauer: Stil kann man nicht kaufen

Neben der sportlichen Situation in der Bundesliga sei hier noch ein Absatz zu LASK-Trainer Dietmar Kühbauer gestattet. Der zeigt nach der letzten Saison beim WAC auch heuer in Linz, dass er durchaus viel aus einem Kader herausholen und einiges ins Laufen bringen kann. Unabhängig von sportlichem Erfolg oder Misserfolg, zeigt sich wahre Größe aber auch abseits des Sportlichen.

Auch wenn Kühbauer noch ein paar Titel in Österreich gewinnen sollte, wird ihn seine Attitüde wohl eine internationale Trainerkarriere kosten.

Sei es die Provokation unlängst in Ried und die peinliche Pressekonferenz im Anschluss, das ständige Lamentieren über Benachteiligung und die Unfähigkeit anderer oder die zynische Stricherl-Liste zuletzt in Liebenau, als Kühbauer während der Partie hämisch Fouls der Sturmspieler mitzählte.

Mit all diesen unnötigen und lächerlichen Aktionen drängt er seine Leistungen als Trainer, die durchaus Anerkennung verdienen, und die inhaltliche Substanz seiner Aussagen, die immer wieder durchaus gegeben ist, selbst in den Hintergrund. Auch wenn Kühbauer noch ein paar Titel in Österreich gewinnen sollte, wird ihn seine Attitüde wohl eine internationale Trainerkarriere kosten. So jemanden will kein großer Verein, der Wert auf seine Außendarstellung legt.

Kunasek-Zusage von heißer Wahlkampfluft weggeblasen

Am Ende des heutigen Eintrags steht wieder einmal ein Blick zur leidigen Grazer Stadiondebatte. Während die Vertreter der Grazer Koalition und der Vereine gemeinsam mit der Stadtbaudirektion an den Möglichkeiten arbeiten, die für den Umbau von Liebenau mit 60 bis 70 Millionen Euro zu finanzieren wären, soll laut mehreren Quellen das Land Steiermark nicht einmal an Besprechungen teilnehmen. Offiziell unter dem Vorwand, man könne aktuell dazu noch nichts sagen, es müsse zuerst alles am Tisch liegen.

Dabei werden Rathausquellen zufolge Dinge genannt, die zum aktuellen Zeitpunkt noch gar nicht fertig sein können, weil sie sich in Erarbeitung befinden. Der wahre Grund für die Passivität der Landesregierung ist aber wohl wahltaktisches Kalkül. Ja kein Erfolg für die Rathauskoalition vor den Gemeinderatswahlen im Juni. Ein Planungsbeschluss noch vor dem Wahltermin Ende Juni scheint inzwischen äußerst unwahrscheinlich.

Dieser Umstand zeigt, wie viel die Zusage des angeblichen Fußballfans Mario Kunasek, sich zur Hälfte an den Umbaukosten zu beteiligen, im Realitätscheck wert ist. Parteipolitisches Kalkül schlägt wieder einmal die Lösungsorientierung. Und alle, denen der Fußball in der Steiermark wirklich am Herzen liegt, schauen wieder durch die Finger.

Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".

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