Sturm mühte sich am Samstag gegen Altach lange, nur mit Glück und wegen eines überragenden Daniil Khudyakov gingen die Grazer ohne Gegentreffer in die Pause.
Das Spiel gegen Fenerbahce schien der Ingolitsch-Elf noch in den Knochen zu stecken, die Vorarlberger waren in allen Belangen besser.
Wechselspieler entscheiden Spiele
Nach einer Stunde aber wechselte Fabio Ingolitsch und brachte Szymon Włodarczyk und Seedy Jatta für die an diesem Abend ohne Wirkung gebliebenen Nelson Weiper und Axel Kayombo. Und prompt fand ein anderes Fußballspiel statt.
Vor allem Jatta brachte viel Schwung in den Angriff, Sturm kam zu immer mehr Standard-Situationen und schließlich zum 1:0 zehn Minuten vor Schluss. Torschütze: Seedy Jatta.
Sturm hat 16, 17 Spieler, die jederzeit in der Startelf stehen können. Das erlaubt Ingolitsch viel Rotation ohne große Qualitätsverluste.
Wie schon vor einer Woche gegen Hartberg waren es die Wechsel, die den Umschwung im Spiel der Schwoazn brachten.
In der Oststeiermark waren es Simon Seidl, Emran Soglo und Nelson Weiper, die von der Bank kamen und das bis dahin plätschernde Spiel entschieden. Und in Liebenau gegen Altach waren es wieder die Leute, die der Trainer später nachlegen konnte, die den Unterschied machten.
Dieses Guthaben, das die Schwoazn Runde für Runde draußen lassen können, um es später einzuwechseln, wird ein großer Pluspunkt für die spielintensive Zeit im Herbst sein. Sturm hat 16, 17 Spieler, die jederzeit in der Startelf stehen können. Das erlaubt Ingolitsch viel Rotation ohne große Qualitätsverluste. Hinsichtlich Kaderbreite ist der Vizemeister in dieser Spielzeit wohl ganz oben anzusiedeln.
Parensen ist noch nicht fertig
Dazu kommt: Otar Kiteishvili spielt noch gar nicht mit. Wenn der seine Wadenverletzung überstanden hat, kommt ein weiteres Asset im Spiel dazu. Und auch Leon Grgic wird den Grazern im Oktober voraussichtlich wieder zur Verfügung stehen, was im Sturm noch eine Variante mehr bedeutet.
Wenn Parensen bei diesen letzten Transfers den Kader weiter verstärken kann, wird ihm für diese Übertrittszeit keiner einen Vorwurf machen können.
Und Sportchef Michael Parensen ist in dieser Transferzeit noch nicht fertig. Nachdem Ryan Fosso ungewollt und Jeyland Mitchell durchaus gewollt in den letzten Tagen verkauft wurden, wird Sturm am Transfermarkt im Mittelfeld und in der Innenverteidigung noch einmal tätig werden.
Insbesondere der Erlös für Mitchell erlaubt ordentlich Spielraum für Verpflichtungen. Der Plan, ihn um gutes Geld von Feyenoord fix zu verpflichten und einen Weiterverkauf dabei schon im Hinterkopf zu haben, ist perfekt aufgegangen. Wenn Parensen bei diesen letzten Transfers den Kader weiter verstärken kann, wird ihm für diese Übertrittszeit keiner einen Vorwurf machen können.
Altacher Kirche sollte im Dorf bleiben
Ein potenzieller dieser Transfers ist der Altacher Mittelfeldmann Yann Massombo. Und der sorgte im Vorfeld der Samstags-Partie für ordentlich Aufregung. Er ist nämlich nicht in den Bus eingestiegen, als seine Kollegen die Reise nach Graz antraten. Man mutmaßt, ein Transfer zu Sturm stünde unmittelbar bevor und der Spieler soll sich deshalb geweigert haben, das anstehende Spiel noch zu bestreiten.
Die Altacher schäumen seither, werfen Sturm vor, unmoralisch an den Spieler herangetreten zu sein und ihn vor dem Abschlusstraining verrückt gemacht zu haben. Man kann freilich verstehen, dass die Rheindorfer keine Freude damit haben, aber es gilt auch, die Kirche im Dorf zu lassen.
Sportlich wäre Massombo für Sturm sicher interessant. Ein Spieler, der solche Aktionen liefert, sollte aber charakterlich dringend hinterfragt werden.
Natürlich kontaktiert ein Trainer, der einen Spieler verpflichten will, diesen vorab und lotet die Lage aus. Etwas anderes zu glauben wäre naiv und blauäugig.
Ingolitsch wehrt sich gegen Vorwürfe aus Altach >>>
Dass der Spieler dann als Reaktion auf das Sturm-Interesse zu solch drastischen Aktionen greift, ist allein seine Verantwortung und schlichtweg ein wenig dämlich. Die Rolle seines Beraters ist wohl auch zu hinterfragen.
Landet Massombo zwischen den Stühlen?
Sportlich wäre Massombo für Sturm sicher interessant. Ein Spieler, der solche Aktionen liefert, sollte aber charakterlich dringend hinterfragt werden. Die Causa Emanuel Aiwu wäre dabei Warnung genug. Auch der war für derlei Verhaltensweisen bekannt und prompt gab es mit ihm auch in Graz immer wieder Probleme.
Sollte es andere Kandidaten geben, vielleicht Valmir Matoshi vom FC Thun, die das Profil auch erfüllen, wäre es sicher überlegenswert, von einer Massombo-Verpflichtung abzusehen. Die "Hygiene" in der Kabine ist mindestens genauso wichtig wie das Können auf dem Rasen.
Wenn Sturm ihn doch nicht nimmt, könnte Yann Massombo jetzt mit einem schmerzhaften Aufprall zwischen den Stühlen landen. In Altach wird er wohl kaum mehr einen Fürsprecher finden, der ihn in der Mannschaft behalten will.
Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".
Jürgen Pucher