Punxsutawney Phil aus ewig grüßt das Murmeltier stand schon beim letzten Mal am Beginn des 12-Meter-Eintrags. Damals ging es um das Stadionthema in Liebenau. Das kommt diesmal auch noch vor, aber tatsächlich mit einer Art Silberstreif am Horizont.
Phil steht heute für das, was in Rotterdam am Rasen passiert ist, als der SK Sturm dort am Donnerstag gegen Feyenoord Rotterdam gespielt hat.
Trotz Neo-Coach und viel positiver Energie in den Trainingslagern haben genau jene Dinge zu einer 0:3-Niederlage geführt, die schon die ganze Saison über die wesentlichen Probleme der Grazer waren.
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Lichtblick Weinhandl
Eine eklatante Schwäche beim Verteidigen von Standardsituationen, Stürmer, die sich im eins gegen eins nicht durchsetzen können, und eine offensive sowie defensive Überforderung auf den Außenbahnen. Da hilft es auch nichts, dass das Ganze generell wieder energetischer und kraftvoller ausgesehen hat als noch im Dezember.
Eine Lösung, die in der Gemengelage nahender Wahltermin, Schulterschluss der Vereine und der Angst der KPÖ, den schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen, schließlich möglich war.
Wenn diese "Basics", wie sie von Fußballmenschen gern genannt werden, nicht funktionieren, dann kann man international wohl auch nächste Woche gegen Brann Bergen nicht bestehen. Ein Lichtblick war das Europacup-Debüt vom gerade erst 17 Jahre alt gewordenen Luca Weinhandl im defensiven Mittelfeld.
Wie er auch selbst nach der Partie festgehalten hat: Es bleibt noch viel zu tun für Neo-Coach Fabio Ingolitsch. Wenn dann die nationalen Bewerbe kommen, kann er aber zumindest auf die Neuzugänge Jusuf Gazibegovic, Ryan Fosso und Gizo Mamageishvili zurückgreifen, die im Europacup noch nicht spielberechtigt waren.
Dann ist jenes Personal verfügbar, mit dem wohl das Frühjahr bestritten werden muss. Es sei denn, mit Altach-Abwehrmann Paul Koller kommt last Minute doch noch ein Neuer im Winter.
So oder so, die grundsätzlich geringere Kaderqualität im Vergleich zu den Vorsaisons wird hoffentlich auch im Verein jetzt keiner mehr leugnen.
Die dunkelrote Angst vor dem schwarzen Peter
In der Causa Liebenau gibt es dafür das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wirklich einen Fortschritt.
In einem Treffen am Donnerstag mit den Vertretern der Grazer Regierungskoalition und den Vereinen gab es ein grundsätzliches Übereinkommen, einen Vorschlag der Stadt gemeinsam anzugehen.
Eine Lösung, die in der Gemengelage nahender Wahltermin, Schulterschluss der Vereine und der Angst der KPÖ, den schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen, schließlich möglich war.
Vom Landeshauptmann gibt es aber seit jeher das Bekenntnis, Teil der Lösung sein zu wollen, sobald es einen konkreten Vorschlag der Stadt Graz gibt. Er hätte also wenig Argumente dafür, den Deal jetzt noch platzen zu lassen.
Der Vorschlag besagt: Die Stadt Graz und das Land Steiermark bauen das Liebenauer Stadion um und aus, nehmen dafür 60 bis 70 Millionen Euro in die Hand und das Stadion bleibt im Besitz der öffentlichen Hand.
Sturm und GAK werden Pächter und bekommen dafür die Vermarktungsrechte, die Namensbranding, Gastronomie, Hospitality und Events beinhalten.
Land hat keine "Nein"-Argumente
Ein Kompromiss also, sowohl was den Umfang des Ausbaus als auch das folgende Betreiben der Spielstätte betrifft. Aber auch ein für alle gangbarer Weg.
Mit dem vorgesehenen Finanzvolumen sollte sich die generelle Champions-League-Tauglichkeit, der Ausbau des VIP-Bereichs, eine Kapazitätserhöhung auf 20.000 Plätze und die grundsätzlich altersbedingt notwendigen Renovierungen ausgehen.
Im Detail wird das in den nächsten Wochen gemeinsam erarbeitet. Im Mai soll dann der Planungsbeschluss gefällt werden, der das Vorhaben politisch verbindlich macht und auch für folgende Koalitionen gilt. In Graz finden ja wie erwähnt im Laufe des Jahres Gemeinderatswahlen statt.
Kann das Ding noch scheitern? Nur noch schwer. Es braucht zwar noch die finale Zustimmung des Landes Steiermark. Vom Landeshauptmann gibt es aber seit jeher das Bekenntnis, Teil der Lösung sein zu wollen, sobald es einen konkreten Vorschlag der Stadt Graz gibt. Er hätte also wenig Argumente dafür, den Deal jetzt noch platzen zu lassen.
Grundstimmung ist gut, aber…
Ein wichtiger Punkt wird außerdem sein, wie hoch die Pacht ausfallen soll, die von Sturm und GAK bezahlt werden muss.
Bürgermeisterin Elke Kahr spricht am Samstag im Podcast "BlackFM" davon, dass man hier eine ausgewogene Lösung finden wird, die sowohl für die öffentliche Hand als auch die Vereine wirtschaftlich verträglich ist.
Die Grundstimmung zur Causa ist so gut wie lange nicht und das erste Mal seit Jahren zeichnet sich tatsächlich eine Lösung ab.
Und am Ende des Tages braucht es am Ende der Planungen ein Ergebnis, damit mit dem vorhandenen Geld alle notwendigen Dinge umgesetzt werden können, die für den Fußball in Graz einen echten Schritt in Richtung nationale Konkurrenzfähigkeit bringen. Wenn man sich in Baukreisen umhört, wird das durchaus für möglich gehalten.
Voraussetzung sei aber eine effiziente und zielgerichtete Umsetzung durch die Stadt Graz, die den Bau abwickeln wird. Dass diese dazu sicher in der Lage ist, wird mancherorts ein wenig angezweifelt. Nichtsdestotrotz ist die Grundstimmung zur Causa so gut wie lange nicht und das erste Mal seit Jahren zeichnet sich tatsächlich eine Lösung ab.
Es gilt jetzt, und das sei allen Beteiligten ins Stammbuch geschrieben, das alle dranbleiben und niemand aufgrund irgendeiner emotionalen oder ideologischen Wallung am Ende doch noch ausschert.
Wenn das in den nächsten Monaten so bleibt, dann wird "Liebenau neu" tatsächlich doch noch Wirklichkeit.
Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".
Jürgen Pucher