Sturm gegen LASK: Nachschlag(er)
Foto © GEPA

Sturm gegen LASK: Nachschlag(er)

Meister gegen Vizemeister hatte einen überraschenden Sieger und brachte außerdem Stimmungsschwankungen, PK-Dummheiten, eine partielle Mattscheibe und schlechte Verlierer mit sich. Und Liebenau bröckelt derweil weiter vor sich hin.

Das Spitzenspiel der österreichischen Bundesliga am Sonntagabend endete mit einem doch überraschenden Heimsieg des SK Sturm über den LASK.

Abgesehen davon, dass es ein lässiges Fußballspiel war, bleibt nach dieser Partie auch noch die eine oder andere bemerkenswerte Beobachtung.

Stimmungsschwankungen

Sturm spielte eine solide Partie und ging am Ende als verdienter Sieger vom Platz. Die neuen Leute im Team, speziell zu nennen Siegtorschütze Oumar Diakité und der bärenstarke Innenverteidiger Joshua Quarshie, zeigten gleich in ihrer ersten Ligapartie, warum sie verpflichtet wurden.

Die Stimmung im Stadion war ausgezeichnet, Liebenau laut wie in den besten Zeiten und nach dem Schlusspfiff war alles eitel Wonne. Vergessen das zum Teil schon wüste Geschimpfe nach der Niederlage bei Rapid. Keine Rede mehr von den mäßigen Offensivbemühungen oder Defensivpatzern der Schwoazn in den vergangenen Wochen.

Die billige Wuchtl macht er lieber als das Wertschätzen seiner Gegner. Flapsiges Daherreden ist ihm näher als die Grundregeln des guten Benehmens und des Anstands.

Jürgen Pucher über Dietmar Kühbauer

Erste Reihe fußfrei konnte man im Nachgang beobachten, wie wenig im Fußballumfeld noch differenziert wird. Alle Probleme der letzten Zeit waren auch gegen den LASK noch zu sehen. An diesem Sonntag wurden sie aber durch eine leidenschaftliche Leistung kaschiert und der Gegner blieb zudem unter seinen Möglichkeiten.

So oder so – den Motivationsschub nimmt man in Graz vor dem schweren Europa-League-Auftakt am Mittwoch gegen Stade Rennes (21 Uhr im LIVE-Ticker) sicher gerne mit.

Verlieren ohne Würde

Ja, der amtierende Meister kann sicher besser spielen als am Sonntag in Graz. Und vielleicht hätte die Elf von Dietmar Kühbauer an einem "normalen" Tag so ein Spiel auch nicht verloren. Aber so ist das eben im Fußball. Es gewinnt nicht immer die Mannschaft, die theoretisch das größere Potenzial hat. Tritt ein solcher Fall ein und ist man noch dazu der heimische Champions-League-Teilnehmer und regierende Doublesieger, stünde es einem gut zu Gesicht, eine solche Niederlage während und nach dem Spiel mit Anstand und Würde zu begleiten. Aber so etwas ist halt des Kühbauers Sache nicht.

Nach dem üblichen Gezeter in der Coaching Zone folgte ein zynisch bis überheblich ausgefallenes Interview nach Schlusspfiff, mit Seitenhieben wie "hoch und weit bringt Sicherheit" über das wenig spielerisch geprägte Auftreten von Sturm. Kühbauer zeigte wieder einmal sein weithin bekanntes Gesicht. Die billige Wuchtl macht er lieber als das Wertschätzen seiner Gegner. Flapsiges Daherreden ist ihm näher als die Grundregeln des guten Benehmens und des Anstands.

Bei seinem Spieler Saša Kalajdžić könnte er sich anschauen, wie man trotz Enttäuschung ohne Häme zum Ausdruck bringt, was Sache ist. Aber er wird sich auf seine alten Tage wohl nicht mehr ändern, der Didi. Und deswegen wird er – Erfolge hin oder her – weltberühmt in Österreich bleiben und kein Mann von Welt mehr werden.

No go, Fabio!

Auch nicht weltmännisch war der Sturmtrainer schon vor dem Spiel. Er gab bei der Pressekonferenz am Freitag über Stürmer-Neuzugang Oumar Diakité Folgendes zum Besten. Er hätte "...aber speziell auch eine menschliche Fähigkeit und Fertigkeit, die ich bei Afrikanern kaum so gesehen habe...". Na bumm.

Das ist nichts anderes als eine glasklar rassistische Aussage. Es ist eine rassifizierende Verallgemeinerung zu "Afrikanern", zu einem Kontinent mit 50 Staaten und unzähligen dazugehörigen Gesellschaften. Und das individuelle Lob zu den sozialen Fähigkeiten des Spielers schreibt der gemeinten Gruppe implizit ansonsten dabei Defizite zu. Um nur die offensichtlichsten Blödheiten dieses Statements hervorzustreichen.

Ein in einem international geprägten Umfeld tätiger Mann, der es gewohnt ist, öffentlich aufzutreten, müsste in der Lage sein, seine Worte anders zu wählen.

Jürgen Pucher über Fabio Ingolitschs Aussagen zu Oumar Diakité

Auf 90minuten.at-Nachfrage sagt Ingolitsch dazu: "Die von mir in der Pressekonferenz getätigten Aussagen zu Oumar Diakité haben nicht das widergespiegelt, was ich eigentlich ausdrücken wollte – dafür möchte ich mich entschuldigen." Diakités Persönlickeitsentwicklung sei gemeint gewesen und wie offen er sich schon damals in Liefering in seinen jungen Jahren in einem fremden Land und einer fremden Kultur präsentiert hätte.

Der Sturmtrainer weiter: "In meiner Erfahrung waren viele dieser internationalen jungen Talente oft sehr verschlossen und in sich gekehrt – ich wollte betonen, dass Oumar da genau das Gegenteil ist. Ich hatte und habe eine unglaublich innige Beziehung zu ihm und bin froh, dass er wieder mein Spieler ist.“

Dass Fabio Ingolitsch nicht absichtlich in den Rassismus-Fettnapf tappen wollte, sei ihm geglaubt. Trotzdem: Ein in einem international geprägten Umfeld tätiger Mann, der es gewohnt ist, öffentlich aufzutreten, müsste in der Lage sein, seine Worte anders zu wählen.

Bildstörungen

Worüber nach dem Spiel Einigkeit herrschte, war die Peinlichkeit der erneuten Ausfälle und Störungen beim Rechteinhaber Sky. Nachdem schon beim Spiel Rapid gegen Sturm der Stream mehr schlecht als recht funktionierte, gab es diesmal für die letzten Minuten überhaupt eine komplette Mattscheibe.

Weder sahen Menschen, die nicht im Stadion waren, Bilder vom Elfmeter für Sturm kurz vor dem Ende, noch war es dem VAR in der Schlussphase möglich, eine kritische Strafraumszene auf der anderen Seite unter die Lupe zu nehmen. Nach dem ohnehin - bei gleichbleibenden Abopreisen –  schon reduzierten Angebot durch die Aufgabe des Sky-Studios kommen jetzt auch noch erhebliche Qualitätsverluste bei den Übertragungen dazu.

Hier ist auch die Liga in die Pflicht zu nehmen. Nach der letzten Rechtevergabe liegt die Bildproduktion nicht mehr bei Sky selbst, sondern bei einer Firma namens Uppercut. Damit einher gingen, wie der "Kurier" berichtete, Übertragungen mit weniger Kameras und in Folge auch in diesem Bereich ein Qualitätsverlust für die Abonnenten.

Sky und Liga zeigen gemeinsam vor, wie man ein Produkt wie die heimische Meisterschaft, das ohnehin schon nicht mit der allergrößten Attraktivität ausgestattet ist, durch Sparen am falschen Ort noch weiter beschädigt.

Liebenau in der Warteschleife

Und am Ende noch ein Blick zu einem Dauerthema, für das weder Sky noch die Liga, noch Dietmar Kühbauer oder Fabio Ingolitsch etwas können. In Graz steht noch immer ein Stadion, das auf seine Modernisierung wartet.

Sportlich war Graz schon das eine oder andere Mal die Fußballhauptstadt. Die Politik der Stadt und des Landes Steiermark sind eher Abstiegskandidaten.

Seit Jahren verfolgen interessierte Beobachter einen Spießrutenlauf durch eine mögliche Zwei-Stadien-Lösung für Sturm und GAK, deren spätere Verwerfung, eine überdimensionierte Machbarkeitsstudie für den Umbau der Spielstätte bis hin zur aktuellen Haushaltssperre der Pleite-Stadt Graz, die das Projekt mit dem nächsten großen Fragezeichen versieht.

Begleitet wurde und wird das Ganze von einer Reihe widersprüchlicher Aussagen verschiedenster Protagonisten, einer Serie ergebnisloser "Stadiengipfel", einer Wahl, die dazwischenkam, weil man zu langsam war, und einem spöttisch kommentierenden und ansonsten zusehenden Landeshauptmann, der sich an den Problemen in der Stadt erfreut, anstatt konstruktiv mitzuarbeiten.

Wie patschert und unprofessionell kann ein solcher Prozess eigentlich verlaufen? Und das alles auf Kosten der Fußballfans, der betroffenen Vereine und nicht zuletzt der Steuerzahler, die tatenlos zusehen müssen, wie im Süden der Stadt ein altes Stadion steht, das jährlich Millionen kostet und keiner etwas dagegen tut. Sportlich war Graz schon das eine oder andere Mal die Fußballhauptstadt. Die Politik der Stadt und des Landes Steiermark sind eher Abstiegskandidaten.

Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".

Kommentare