Stadionausbau Liebenau: Keine Lösung mit der KPÖ?
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Stadionausbau Liebenau: Keine Lösung mit der KPÖ?

Wieder viel Lärm um nichts in der Causa Ausbau des Liebenauer Stadions. Sturm und GAK machen endlich gemeinsame Sache, einer Lösung ist man trotzdem wieder nicht nähergekommen. Ist die stärkste Rathausfraktion an einer Lösung nicht interessiert?

Punxsutawney Phil, aka der Stadiongipfel in Graz, ließ am Donnerstag wieder einmal grüßen. Die führenden Politiker:innen der Stadt, Finanz- und Baudirektoren sowie die Vertreter der Fußballvereine steckten zum gefühlt 100. Mal im Rathaus ihre Köpfe zusammen. Vermeintliches Ziel: Beim Ausbau des Stadions im Süden der Stadt endlich Nägel mit Köpfen machen.

Schon vor dem Treffen zeigten die Vereine ein neues Gesicht und ließen mit einer Überraschung aufhorchen. Gemeinsam ziehe man nun an einem Strang. Und zwar so fest, dass die Klubs zusammen 20 Millionen auf den Tisch legen würden und das ganze Bau-Projekt abwickeln und nachher ohne öffentliche Hand betreiben wollen. Mit einer Sturm-GAK-Betreibergesellschaft nämlich.

Sturm und GAK: gemeinsam naiv

Man nehme das Risiko, sagten die Klubchefs Christian Jauk und Rene Ziesler, dafür wolle man das Baurecht am Stadion nach Linzer und Wiener Vorbild. Eine Redimensionierung auf 20.000 Plätze und damit verbundene Kostenreduzierung auf 95 Millionen Euro im Vergleich zu den 150 Millionen aus der Machbarkeitsstudie vom Sommer 2025, war auch Teil der Ankündigung. Die Politik könne jetzt eigentlich gar nicht mehr nein sagen, war der Tenor der Ankündigung.

Jauk und Ziesler haben die Rechnung ohne Wirtin Elke Kahr gemacht. Eigentum privatisieren und auch noch dafür zahlen? Das mag es bei den Kapitalisten in Wien und Linz geben, aber njet in Graz.

Jürgen Pucher

So positiv es ist, dass die beiden Fußballklubs endlich zu einem gemeinsamen Vorgehen gefunden haben, so naiv war es trotzdem, auf ein Durchwinken dieses Vorschlags zu hoffen. Es war relativ vorhersehbar, dass vor allem die Bürgermeisterinnen-Partei KPÖ mit dem Abtreten einer öffentlich besessenen Infrastruktur Probleme haben wird. Zugleich müssten Stadt und Land für diesen Plan noch jeweils 37,5 Millionen dazuzahlen, sodass er gelingen könnte.

Da haben Jauk und Ziesler die Rechnung ohne Wirtin Elke Kahr gemacht. Eigentum privatisieren und auch noch dafür zahlen? Das mag es bei den Kapitalisten in Wien und Linz geben, aber njet in Graz. Auch der mächtige Finanzdirektor der notorisch klammen steirischen Landeshauptstadt hatte keine Freude, merkte rechtliche Bedenken an und wachelte mit der "Budget-Alarm-Fahne". Also ging man wieder einmal ohne Lösung auseinander.

Liegt es an der KPÖ?

Die offiziellen Wortmeldungen im Nachgang hießen: Konstruktive Gespräche wären das gewesen und weil sie so konstruktiv waren, treffe man sich in einer Woche wieder, um wieder konstruktiv zu sein. Wahrscheinlich steigen nicht mehr nur den leidgeplagten Beobachtern dieser ewigen Farce inzwischen die Grausbirnen auf.

Ich vermute, die Beteiligten selbst haben in ihren – mit der Lösungskompetenz einer Kleinkindgruppe geführten – Verhandlungen inzwischen oftmals akuten Brechreiz. Seit Jahren dreht man sich im Kreis, seit Jahren werden Zeitpläne gemacht und verworfen, seit Jahren werden Zusagen gemacht und später nicht eingehalten und seit Jahren ist es wohl am Ende die KPÖ, die der Lösung im Weg steht.

Derweil ergötzt sich der blaue Landeshauptmann am Chaos seiner politischen Gegner und wiederholt gönnerhaft, sobald man sich in Graz geeinigt hätte, wäre er mit seinem Beitrag zur Stelle.

Jürgen Pucher

Die anderen Player sind nicht ganz aus der Kritik zu entlassen. Christian Jauk hat mitunter wenig Gespür für diplomatisches Vorgehen, die richtige Tonalität oder die richtige Strategie, und der GAK hat mehrere Jahre gebraucht, um seine Paranoia, von Sturm übervorteilt zu werden, endlich abzulegen.

Lösung: Gesellschaft mit allen

Die Koalitionspartner von Elke Kahr, die Grünen und die SPÖ, wären im Grunde im Sinne einer Lösung unterwegs, haben aber innerhalb der Stadtregierung offenbar keinen Hebel, die KPÖ in eine Lösung hineinzuzwingen. Und derweil ergötzt sich der blaue Landeshauptmann am Chaos seiner politischen Gegner und wiederholt gönnerhaft, sobald man sich in Graz geeinigt hätte, wäre er mit seinem Beitrag zur Stelle. Schriftliche Zusage gibt er allerdings keine her.

Wie soll dieses jämmerliche Theater nun doch noch einer Lösung zugeführt werden? Im Grunde wäre es nicht so schwer: Eine Betreibergesellschaft, in der alle drinnen sitzen, die eingezahlt haben. Stadt, Land und Vereine. Wer zahlt, schafft gemeinsam an. Die Stadt bleibt Eigentümerin, die KPÖ muss deshalb keine ideologische Schnappatmung bekommen und alle gemeinsam profitieren oder haften, je nach Geschäftsgang.

Es darf von gewählten Volksvertreter:innen, die eine Reihe von Experten um sich haben, verlangt werden, auf den Vorschlag der Vereine bei der nächsten Zusammenkunft mit einem solchen, vernünftigen und für alle verträglichen Gegenvorschlag zu reagieren. Außer, eine der beteiligten Gruppen ist an einer Lösung nicht interessiert. Dann wird man auch die nächsten 100 Gipfel ohne Ergebnis bleiben.

Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".

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