Grazer Derby: Der Riese schläft wieder
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Grazer Derby: Der Riese schläft wieder

Sturm schießt im 204. Duell den GAK mit 6:1 aus Liebenau und schafft erneut klare sportliche Verhältnisse in Graz. Eine schwere Verletzung trübt allerdings die Freude und beim Thema Sponsoring gibt es auch den einen oder anderen Wermutstropfen.

Cican Stankovic ernannte vor dem Grazer Derby am Sonntag den GAK zum schlafenden Riesen, der langsam erwacht. Eine Ankündigung, die schon nach sehr kurzer Zeit sehr schlecht gealtert ist. Sechs Mal musste der rote Schlussmann im Duell gegen Sturm hinter sich greifen.

Mit dem 6:1 egalisierten die Schwoazn den höchsten Sieg im Stadtderby in der modernen Bundesliga-Historie. Und das in einem Spiel, das die komplette Palette der emotionalen Hochs und Tiefs parat hatte.

Aufgeheizte Rote, charakterstarke Schwoaze

Sturm startete schlecht, geriet in Rückstand und eine mehr als unglückliche Aktion brachte Goalie Daniil Khudyakov ins Krankenhaus. Jacob Italiano war den Tick zu spät, traf kurz den Ball und dann leider Khudyakovs Bein – offener Bruch des Unterschenkels, die Saison ist für ihn wahrscheinlich vorbei.

Die Ingolitsch-Elf wandelte den Schock in Energie um und zerlegte den GAK binnen weniger Minuten in seine Einzelteile.

Jürgen Pucher über Sturm nach der Khudyakov-Verletzung

Die Aktion passte zur aufgeheizten Stimmung, die vor allem aus dem roten Lager zu spüren war. Fliegende Bengalos vor dem Spiel auf der Straße und extrem aufgezuckerte GAK-Kicker waren Indizien dafür. Coach Gerald Scheiblehner gab ganz offensichtlich die Devise "Schneid abkaufen" für seine Kicker aus.

Nach der Verletzung des Sturm-Keepers drehte sich am Feld aber dieses Bild.

Die Ingolitsch-Elf wandelte den Schock in Energie um und zerlegte den GAK binnen weniger Minuten in seine Einzelteile. Vom charakterlich besten Haufen, den er bislang trainieren durfte, sprach der Sturm-Trainer nach der Partie.

Das dreckige Dutzend

Hinter dem GAK-Tor war es hingegen nicht weit her mit dem Charakter. Die dort verbliebene Szene des GAK – ein Teil hat sich ja in den letzten Monaten abgespalten und steht bei Heimspielen sogar in einem eigenen Sektor – hatte den grandiosen Einfall, Böller in Richtung Ordnungspersonal und Ballkinder zu werfen.

Die zahlreichen Verletzungen scheinen das Team enger zusammenrücken zu lassen. Ein bisschen im Stil von "das dreckige Dutzend" haut der verbliebene Rest alles in die Schlacht.

Jürgen Pucher über das Sturm-Lazarett

Hier schreibt ein Befürworter von Protechnik auch in üppiger Ausführung. Böller in Richtung Menschen zu werfen, zählt nicht dazu. Das sei klar festgehalten, bevor hier wieder die daherkommen, die alles, was in einem Stadion brennt, in einen Topf werfen.

Im Sturm-Lager hält die positive Energie, die auch in Bournemouth zu spüren war und durch die dortige Niederlage nicht getrübt wurde, somit freilich an. Die zahlreichen Verletzungen scheinen das Team enger zusammenrücken zu lassen. Ein bisschen im Stil von "das dreckige Dutzend" haut der verbliebene Rest alles in die Schlacht.

Stadt Graz und Fußball: Es bleibt kompliziert

Nicht alles, sondern fast nichts mehr bekommen die Grazer Vereine von der Stadt an Sponsoring. Die Holding stellt aufgrund der äußerst prekären Budgetsituation der Stadt die wesentlichen Zuwendungen an Sturm, den GAK und die 99ers im Eishockey ein. Sechsstellige Eurobeträge gehen dabei verloren und die Aufregung ist natürlich groß.

Fußball und die Stadt Graz ist – siehe die elende Stadionumbau-Geschichte – ohnehin ein Verhältnis der Marke "es ist kompliziert". Dass die Einstellung dieser öffentlichen Sponsorings und die Art und Weise wie der Umstand nicht persönlich, sondern eher lapidar über die Medien mitgeteilt wurden, die nächste Eskalationsstufe bedeutet, war absehbar.

Die Kritik an dem Vorgehen der Stadt Graz sollte sachlich, klar und nachvollziehbar sein. Realiter ist sie emotional, jammernd, wehleidig und diffus.

Jürgen Pucher über die Kommunikation von Sturm

Aus allen Richtungen quillt jetzt der Blödsinn. Das Wort "Graz" in Logos wird abgepickt, die Wertigkeit von Kindern in Wien und Graz wird bemüht sowie alle die öffentliche Hand betreffenden Themen werden vermengt und undifferenziert hinaus geblökt. Der "Kurier" verstieg sich sogar zur Headline Rapid und Austria seien in Wien schlechter dran, was freilich genauso unsinnig ist, wie den geplanten Stadionumbau mit den Sponsorings der Holding in Graz zu vermischen.

Kurzsichtiges Sparen, diffuse Emotionen

Fakt ist: Dass die Stadt in ihrer Not beim Sport spart, das meint nicht nur die Profivereine, sondern auch den Breitensport, ist ein Statement. Und zwar ein schlechtes und kurzsichtiges. Fakt ist auch: Die Art der Reaktion, in erster Linie jene des Sturm-Präsidenten, ist gleichzeitig kontraproduktiv und wenig hilfreich.

Die Kritik am Vorgehen der Stadt Graz sollte sachlich, klar und nachvollziehbar sein. Realiter ist sie emotional, jammernd, wehleidig und diffus. Das bringt keinen einzigen Sponsoring-Euro zurück, bietet der "Anti-Fußball-Fraktion" eine große Angriffsfläche und macht alle zukünftigen Gespräche mit dem Rathaus nur noch schwieriger.

Konkret auf Sturm bezogen legt das Thema indirekt auch den Finger in die Wunde der wohl eher mäßigen Performance der Verantwortlichen im Bereich Sponsoring. Um es in Relation zu setzen: Der Betrag, der den Schwoazn von der Holding verloren geht, entspricht in etwa der Prämie für einen Sieg in der Europa League. Würde der Sponsoring-Motor in Messendorf brummen, wäre die Aufregung vielleicht geringer und die Emotionen schaumgebremster.  

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