"Ist es das, was ihr wollt?", fragten die Sturm-Fans am Ostersonntag in Wien in Richtung Bundesliga. Ausschlaggebend für diese und einige weitere Botschaften während des Schlagerspiels der 25. Runde in Hütteldorf war der leere Block West auf der anderen Seite des Stadions.
Wegen diverser Dodl-Aktionen weniger Grüner verhängte die Liga wie bekannt eine Sektorsperre gegen die komplette Fanszene von Rapid. "Aus unserer Sicht können Aktionen Einzelner, egal wie man zu ihnen steht, niemals solche Kollektivstrafen rechtfertigen", schrieb die Grazer Fanszene auf ihrem gemeinsamen Portal "kollektiv1909".
Schaden für die Liga
Die Vereinigung der organisierten Sturm-Fans führte außerdem ins Treffen, dass dies nur ein weiterer Schritt in Richtung einer generell härteren Gangart gegenüber Ultras im Fußball sei. Dazu kämen Vorverurteilungen, plumpe moralische Empörung und eine auf Clickbaits abzielende reißerische Medienberichterstattung.
Zum Beispiel könnte die Bundesliga auf die Führungsriege des selbsternannten Rekordmeisters einwirken, die im Dialog mit den eigenen Fans zahnloser ist, als ein geriatrischer Löwe.
Mit all dem haben die Grazer Fans definitiv einen Punkt, selbst wenn das Verhalten von einigen wenigen in diesem gesamten Kontext sicher nicht gutzuheißen ist. Dazu kommt der Umstand, dass Strafen wie das Aussperren der größten heimischen Fanszene beim größten Spiel, das die heimische Liga seit Jahren zu bieten hat, ein Schaden für das Produkt österreichische Bundesliga darstellt.
Ein Produkt, das solche Spiele mit den zwei spektakulärsten Kurven des Landes mehr als dringend brauchen kann. Niemand hat etwas davon, wenn in ligaentscheidenden Partien eine Tribüne leer bleiben muss. Andere Hebel wären sinnvoller, um auf diverse Probleme zu reagieren. Zum Beispiel könnte die Bundesliga auf die Führungsriege des selbsternannten Rekordmeisters einwirken, die im Dialog mit den eigenen Fans zahnloser ist, als ein geriatrischer Löwe.
Sturm hebt sich ab
Was gibt es sportlich anzumerken nach 25 gespielten Runden? Sturm führt nach dem Sieg in Wien mit vier Punkten Vorsprung auf drei andere Teams die Tabelle an. Die kollektive Verzwergung der Liga wurde ausreichend analysiert, alle sogenannten Spitzenteams werden im Sommer und darüber hinaus ihre Hausaufgaben zu machen haben, um vor allem international wieder konkurrenzfähiger zu werden.
Fabio Ingolitsch hat die Defensive stabilisiert, seinem Stamm gefunden und bringt auch die Offensivkräfte wieder besser zur Geltung.
Aber was heißt der aktuelle Zwischenstand für den laufenden Bewerb? Der Vorsprung des Titelverteidigers mag faktisch klein sein, in dieser skurril verlaufenden Saison ist das allerdings ein wenig anders einzuordnen.
Wenn man den Trend und die Verläufe der Leistungskurven ansieht, hebt sich zum ersten Mal in dieser Meisterschaft mit Sturm ein Team ein wenig ab. Die Schwoazn haben seit sechs Runden nicht mehr verloren und seit Fabio Ingolitsch übernommen hat, eindeutig Verbesserungen in vielen Bereichen aufzuweisen.
Dritter Titel wäre keine Überraschung
Wie schon während der Länderspielpause festgehalten: Der neue Coach hat die Defensive stabilisiert, hat seinen Stamm gefunden und bringt auch die Offensivkräfte – Maurice Malone einmal ausgenommen – wieder besser zur Geltung.
Es wäre angesichts des bisherigen Frühjahrs und der derzeitigen Leistungskurve keine sehr große Überraschung, würde der heimische Titelträger das dritte Mal in Serie SK Sturm heißen.
Dazu kommen solide Transfers von Michael Parensen im Winter - das Missverständnis Rory Wilson einmal ausgenommen -, die sich mehr und mehr positiv auswirken. Und die Nordkurve riecht wieder Lunte, dass das Triple tatsächlich möglich scheint. Es kommt wieder diese Energie von der Tribüne, die, wie schon im Finish der letzten beiden Spielzeiten, den ganzen Verein mitreißt.
Das Team, das in dieser engen Angelegenheit die längste stabile Serie hinlegt, wird Meister werden. Sturm hat seit sechs Spielen nicht verloren. Es wäre angesichts des bisherigen Frühjahrs und der derzeitigen Leistungskurve keine sehr große Überraschung, würde der heimische Titelträger das dritte Mal in Serie SK Sturm heißen.
Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".
Jürgen Pucher