Rapid-GF Peschek: ‚Wenn, dann kommen die Zuschauer wegen Rapid ins Stadion‘
Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek kritisierte im Rahmen des Fußball-Kongress 2017 das mangelnde Profil der Bundesliga-Klubs und forderte eine gemeinsames Storytelling. Von Michael Fiala
Sportlich läuft es bei Rapid bekanntlich in dieser Saison gar nicht gut: Der Trainer und Sportdirektor wurden bereits gewechselt, das Team liegt aktuell auf Platz fünf mit zehn Punkten Rückstand auf den Erzrivalen. Wirtschaftlich hingegen konnte Rapid einen Rekordgewinn von über 10 Mio. Euro für die Saison 2015/16 ausweisen.
Das Selbstbewusstsein der Hütteldorfer ist aber ungebrochen, wie auch Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek im Rahmen des Fußballkongress 2017 in seiner Keynote (siehe Video auf Seite 2) unter Beweis stellte. Peschek bilanzierte über das neue Stadion: „Für den SK Rapid ist das Allianz-Stadion das Zukunftsprojekt schlecht hin. Wir haben uns im Rahmen des Projekts viel Kompetenz aneignen können, aber auch sehr viel Arbeit damit gehabt.“ Das Stadion habe laut Peschek sämtliche Kennzahlen von Rapid „um Welten nach vorne gebracht.“ Alle 41 Logen sind verkauft, der Zuschauerschnitt von 21.000 sei „außergewöhnlich und atemberaubend“, so Peschek.
Peschek lobte in diesem Zusammenhang die Ligareform, fand jedoch auch sehr kritische Worte in Richtung Bundesliga: „Der Prozess und das Ergebnis der Ligareform sind sehr gut, es wurden unterschiedliche Bedürfnisse gebündelt. Ich sehe aber nach wie vor große Potenziale. Ich bin der Überzeugung, dass wir in der Vermarktung und der Darstellung des österreichischen Fußballs die Potenziale noch nicht ausreichend abgerufen haben.“
„Zuschauer kommen wenn wegen Rapid“
Konkret kritisierte der Rapid-Geschäftsführer das mangelnde Profil der österreichischen Bundesliga-Klubs: „Wir haben sehr viele Klubs, die aus sportlicher Sicht alle ihre Berechtigung haben. Wir müssen uns aber überlegen, wie wir die Profile der Klubs stärken können.“ In diesem Zusammenhang meinte Peschek: „Wir haben die Herausforderung, dass wir ein Stadion mit einer unglaublichen Kraft haben, aber kaum bis keine Auswärtsfans, die zu uns ins Stadion kommen. Und wenn, kommen die Zuschauer wegen Rapid. Wenn die sportliche Performance nicht so wie erhofft ist, ist es eine Herausforderung, unsere Ziele zu schaffen.“
Ein stärkeres Profil der anderen Klubs würde laut Peschek helfen, ein gemeinsames Storytelling für die jeweilige Spielpaarung zu entwickeln, um die Emotionen zu wecken. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit gezielten Aktivitäten Zuschauersteigerungen zustande bringen können.“ Die Aktivierung der potenziellen Fans so früh wie möglich sei daher ebenso notwendig. Peschek verwies in diesem Zusammenhang auch auf Aktionen von Rapid wie den Familiensektor oder die Käfig-Tour.
900.000 Sympathisanten, zuletzt „nur“ 16.800 Fans
Laut Umfragen hat Rapid zwar 900.000 Sympathisanten in Österreich, zuletzt fanden sich jedoch nach der sportlichen Misere gegen St. Pölten „nur“ noch knapp über 16.800 Fans im Stadion ein. Neben Rapid tut sich auch die Austria in der drittgrößten deutschsprachigen Stadt schwer, das Stadion zu füllen, und das obwohl Rapid laut Peschek „den Spieltag, der immer im Mittelpunkt steht, zum echten Erlebnis“ gemacht hat, „wie es ihn in Österreich nur bei uns gibt.“
Am Ende seiner Keynote ging Peschek auch auf den künftigen TV-Vertrag ein. Abgesehen davon, dass man sich bei Rapid eine höhere Gesamtsumme als bisher (Anm. der Redaktion: 21 Mio. Euro pro Jahr sind es aktuell) erwarte, muss man auch über den Verteilungsschlüssel reden. Peschek: „Reichweiten, Marktanteile und Zuseherrelevanz müssen künftig in einem höheren Ausmaß berücksichtigt werden als es bisher der Fall war.“
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