Mit hoher Effizienz und mangelnder Attraktivität zum Titel?

Mit beeindruckender Effizienz, aber noch mangelnder Attraktivität ist die Austria in dieser Saison ganz vorne mit dabei. Gerade in dieser Saison könnte am Ende das ganz große Ziel erreicht werden. Eine Analyse von Georg Sander, David Goigitzer und Michael

 

"Die Austria an die nationale Spitze wieder heranführen". So lautete eines der Ziele als Thorsten Fink als neuer Trainer für die Saison 2015/16 vorgestellt wurde. Bereits in seinem ersten Jahr reichte es zu Platz 3 und der Qualifikation für die Europa League und auch nach der Winterpause ist die Austria oben im Rennen bis hin zum Meisterteller voll dabei. Fink hat es geschafft, sein Team extrem effektiv spielen und Automatismen erfolgreich greifen zu lassen. Noch nicht restlos überzeugen konnte der Deutsche die Veilchen-Fans mit einem attraktiven Spiel. „Sehr dominanter, jedoch größtenteils unattraktiver Auftritt bei einem defensiv sehr stark eingestellten Gegner“, konnte man als Beispiel im Fanforum austriansoccerboard.com nach dem hochverdienten 2:0 bei der Admira lesen.

 

Gemeinsam mit Sportdirektor Franz Wohlfahrt, der Fink nach Wien geholt hat, konnte ein für die angestrebten Ziele solider Kader zusammengestellt werden. Ob dieser Kader auf die lange Saison hin gesehen dann auch die Qualität hat, um am Ende um den Titel mitspielen zu können, kann freilich aus heutiger Sicht nicht beantwortet werden. Fink ist jedenfalls bemüht, regelmäßig festzustellen, dass leistbare Österreicher aus finanzieller Sicht nur schwer zur Austria zu holen sind. Mit diesem Problem ist man allerdings nicht alleine, Salzburg ausgenommen. Hier ist vor allem Franz Wohlfahrt gefragt und man darf gespannt sein, ob der Sportdirektor hier andere Klubs überflügeln kann.

 


Größeres Stadion, weniger Fans

Dass das Ernst Happel-Oval nicht unbedingt der beste Ort für Klubmannschaften ist, ist bekannt. Die Veilchen tun sich auch deshalb schwer, weil andere ihnen die Show stehlen, und die Marketing-Abteilung im Klub nicht gerade an kreativen Ideen untergeht. Die Überraschungsmomente gehören in dieser Saison Altach und Sturm. Trotz guten Stands in der Tabelle springt der Funke nicht von der Mannschaft auf die Fans über. Das nur auf das ungeliebte Prateroval zu schieben, greift vermutlich zu kurz. Die letzten Spielzeiten dürften viel Porzellan zwischen Zuschauern und Team zerschlagen haben. Auch wenn Ergebnisse, Tabellenstand und Co. passen, wird man das Gefühl nicht los, dass die Veilchenfans der Mannschaft nicht ganz trauen, ob die Reise weiter nach oben geht oder man sich hinter Altach, Salzburg und Sturm hinten anstellen muss. Die Europacupperformance wurde durch die letzten beiden Spiele arg in Mitleidenschaft gezogen.

 



 

Fink baut die meisten jungen Spieler ein

Dabei ist Thorsten Fink durchaus bemüht, jungen Spielern und somit möglichen neuen Gesichtern zwecks Identifikation eine Chance zu geben. Die Austria führt den U23-Faktor gemeinsam mit Red Bull Salzburg an. Youngsters wie Dominik Prokop oder Marko Kvasina bekommen ihre Einsätze, mit Tarkan Serbest ist ein Eigengewächs Stammspieler. Der schon etwas ältere Reaphael Holzhauser ist ein polarisierender Spieler, der gemeinsam mit den offensiven Kickern wie Venuto, Kayode oder Tajouri für Aha-Momente sorgen kann.

 

 

Die Austria-Fans sind launisch, aber sie werden es sicherlich honorieren, sollte Fink es in der Wintervorbereitung schaffen, noch mehr offensiven Drive rein zu bringen. Passiert das mit den vielen jungen Spielern, wird der Zuschauerzuspruch sicherlich steigen.

 


Alles dreht sich um Holzhauser

Die Austria agierte diesen Herbst fast ausschließlich im 4-2-3-1, nur einige wenige Male agierte man nach Umstellungen im 4-4-2 und gegen Salzburg spielte man vor wenigen Wochen mit Raute. Im Spielaufbau drehte sich alles um Holzhauser: Der zentrale Mittelfeldspieler kippte fast immer entweder zwischen oder links von den Innenverteidigern ab und führte den Angriffsbeginn an. Die Probleme bei der Austria beginnen nun hier: Da Holzhauser abkippt hielt meist nur Serbest die Mitte, Grünwald unterstützte hier nur selten. Die Außenverteidiger schoben zwar teilweise situativ in die Halbräume, schafften es oft dennoch nicht passende Verbindungen zu kreieren. Dies führt dazu, dass die Austria oft zu hohen Bällen greifen musste und nur selten im zweiten und letzten Drittel über kreative und stabile Ballzirkulation Chancen kreieren. Dafür nutzte man vor allem Konter über die schnellen Stürmer oder individuelle Überlegenheit, sowie Standardsituationen.

 

 

In der Defensive setzte man vor allem auf ein 4-4-1-1 mit Mannorientierungen im Mittelfeld. Angriffspressing gab es nur situativ zu sehen, eher gegen schwächere Gegner wie zum Beispiel vor einigen Wochen gegen Ried kam es öfter vor, dass die Austria den gegnerischen Spielaufbau hoch attackierte. Generell war man zwar kompakt, schaffte es jedoch nicht die Mannorientierungen passend einzubinden und hatte so immer wieder strukturelle Probleme. Diese rufen jedoch meist erst stärkere Gegner hervor, vor allem in der Europa League gab es diese Probleme zu sehen. Ebenfalls ein Manko war das Verhalten beim defensiven Umschalten. Auch bei der Austria sah man kaum organisiertes Gegenpressing, was ironischerweise bei der eigenen Konterstärke aber auch zu einer Anfälligkeit bei Kontern führte.

 


Warum nicht diese Saison?

Bleibt am Ende noch der Blick in die nahe Zukunft: Mit Altach gibt es einen Sensationstabellenführer, der möglicherweise im Frühjahr einerseits ohne Damir Canadi, andererseits weil der Altacher Kader Ausfälle möglicherweise nicht so gut kompensieren kann, zurückfallen könnte. Ob die Salzburger in der Meisterschaft im Frühjahr einen Lauf bekommen werden, ist Finanzkraft hin oder her mehr als fraglich. Rapid liegt eine halbe Ewigkeit hinter der Austria, bleibt noch Sturm Graz, wo man auch noch nicht genau weiß, wohin die Reise im Frühjahr gehen wird.

 

Es ist also eine Saison, die möglicherweise wieder einen Meister bringen wird, der nicht Red Bull Salzburg heißen wird und man kann bei Peter Stöger nachfragen, dass die Duelle gegen Salzburg nicht gewonnen werden müssen, um die Schale nach oben stemmen zu müssen. Also warum sollte der Titel dann nicht doch wieder nach 2013 zu den Veilchen wandern? Die Voraussetzungen in dieser Saison wurden bisher jedenfalls geschaffen …

 

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