Die Schweiz auf rot-weiß-roten Spuren

Ein neuer Rekord-TV-Vertrag und verlängertes Naming-Right. Dennoch ist die Debatte um eine wenig attraktive Liga nun auch in der Schweiz angekommen. Die Parallelen zu Österreich sind offensichtlich. Von Michael Fiala

 

Liest man als Österreicher in diesen Tagen die Schweizer Gazetten, so hat man eindeutig ein Déjà-vu. „Ich bin etwas mehr als zwei Jahre hier und habe gefühlte 80-mal gegen alle Mannschaften gespielt“, sagte etwa Markus Babbel, der aktuelle Trainer des FC Luzern. Ähnliche Aussagen konnte man in Österreich vor einigen Monaten und Jahren nur allzu oft lesen und hören. Auch in der Schweiz wurde immer wieder die sportliche Qualität einer Zehnerliga betont. Doch jetzt scheinen andere Argumente die Oberhand zu gewinnen.

 

Fakt ist, dass die Unzufriedenheit in der Schweiz ein neues Level erreicht hat. Diskussionen zum Ligenformat gibt es mittlerweile fast täglich. Tenor: Vier Mal gegen den gleichen Verein, dazu die Dominanz des FC Basel ist wenig attraktiv. Zuletzt sank der Zuschauerschnitt der Schweizer Super League. Auf wirtschaftlicher Seite zeigte sich die Liga jedoch noch attraktiv: Erst vor wenigen Tagen wurde das Naming-Right von Raiffeisen verlängert, der neue TV-Vertrag erreichte einen Rekorderlös: 35 Mio. Euro zahlen die TV-Partner pro Saison von 2017 bis 2021 für die beiden höchsten Ligen. Im Vergleich dazu: Österreich lukriert aktuell 21 Mio. Euro.

 

Vier Jahre Diskussion?

Damit ist auch der Rahmen für die aktuellen Diskussionen gesteckt: Eine Änderung des Ligenformats komme frühestens ab 2021 in Frage, wenn der neu abgeschlossene TV-Vertrag ausläuft. Zumindest ist das der Plan der Liga. Die Frage ist jedoch, ob die laufenden Diskussionen, die am Image der Liga kratzen, vier Jahre lang ausgehalten werden können.

 

Die Klubs zeigen sich jedenfalls offen für Reformen, selbst der FC Basel. "Wir sind zufrieden mit dem Modus, doch Diskussionen und Änderungen nicht abgeneigt. Es soll aber ­weiterhin garantiert werden, dass der sportlich Beste Meister wird", sagt Basels Sportchef Georg Heitz in Anspielung auf ein mögliches PlayOff und Punkteteilung. Die Punkteteilung ist übrigens in Österreich ab 2018/19 Realität – und wurde auch bereits heftig kritisiert.

 

Wenig überraschend ist daher eine Aufstockung der Liga ein Thema. Und auch hier hört man ähnliche Argumente wie vor einigen Monaten in Österreich. So könnte sich Babbel etwa eine 16er-Liga vorstellen, was jedoch von anderen Klubvertretern als unfinanzierbar abqualifiziert wird. In Österreich erinnert man sich nur allzu gut an die Forderungen von Ralf Rangnick, der ebenfalls eine 16-er Liga gefordert hatte. Die wirtschaftliche Machbarkeit konnte der aktuelle RB-Sportdirektor jedoch auch nicht garantieren.

 


Wie viel Profivereine verträgt die Schweiz?

Und so ist die Diskussion in der Schweiz – schon wieder eine Parallele zu Österreich - mittlerweile bei grundsätzlichen Fragen angekommen: Wie viele Profivereine verträgt die Schweiz überhaupt?

 

Einen ganz anderen Vorschlag hat Christian Constantin, Präsident des FC Sion, auf Lager: Er fordert acht statt zehn Vereine. „Mehr gibt der Markt in unserem kleinen Land nicht her. Wir können Städte, die wir nicht haben, nicht einfach erfinden." Sein Modus: Von Juli bis Dezember sollen die ersten 14 Runden stattfinden, von Februar bis Mai die zweiten 14. Und dazwischen würde Constantin die acht Clubs in zwei Gruppen aufteilen, die in Hin- und Rückspielen, mit Halbfinali und einem Finale, um eine noch zu bestimmende Anzahl Punkte kämpfen würden. Ein Vorschlag, der der schweizer Ligaführung nicht gefällt: Sie zeigt sich zwar für alle Ideen offen, mahnt aber ein, sich nicht kleiner zu machen als man ist.

 

Aus dem Vorteil wird ein Nachteil:

Red Bull verzichtet auf eigene

Amateurmannschaft

Red Bull Salzburg wird auf die durch die Ligenreform neu geschaffene Möglichkeit, ein „echtes“ Amateurteam in der zweithöchsten Liga spielen zu lassen, verzic...

 

 

Was passiert?

Die aktuelle Diskussion in der Schweiz zeigt erstaunlich viele Parallelen mit Österreich. Offen ist freilich jedoch, ob diese Parallelen in den kommenden Monaten bestehen bleiben oder nicht. Zuletzt sind diese Diskussionen wieder Wasser auf die Mühlen jener, die eine gemeinsame Liga zwischen Österreich und der Schweiz führen, auch wenn das Konzept aus zu vielen Luftschlössern besteht. Zwar gibt es keine konkreten Gespräche mit Schweiz und Österreich über eine gemeinsame Liga. Die kleineren Nationalverbände machen sich allerdings sehr wohl gemeinsame Gedanken, wie man die wirtschaftliche Dominanz der Top 5 Ligen etwas abfedern kann, um nicht im Konzert der Großes komplett unterzugehen.