Die Admira verspricht Spannung auf vielen Ebenen

Wie Altach im letzten Jahr erlebte die Admira vor allem zur Beginn der Saison den „Europacup-Kater“, man fing sich. Das Jahr 2017 begann mit der Trennung von Oliver Lederer. Nun ist vieles in einem neuen Licht zu betrachten. Von Georg Sander, Michael Fial

 

Die ersten Wochen der Saison 2016/17 waren eine regelrechte Achterbahn für die Südstädter. Die Vierten der Vorsaison kickten Spartak Myjava und Kapaz Ganja aus der Europa Leaugue-Quali, schlugen sich auch gegen Slovan Liberec wacker. In der Bundesliga dauerte es bis Ende September, bis man sich stabilisieren konnte. Nur zwei Siege in den ersten acht Runden gelangen, die aber sicherheitshalber gegen die zu erwartenden Kollegen vom Tabellenende, Ried und Mattersburg. Es folgten stabile und weniger stabile Wochen. Es scheint aber nur allzu verständlich, dass nach den Spielen unter der Woche bei einem kleinen Kader in einem kleinen Klub die Luft ausgeht. Dass man nach dem verhauten Bundesligastart dennoch relativ sicher da steht, zeigt ja nur, dass der vierte Platz kein großer Zufall gewesen war.

 

Doch die Halbsaison offenbarte auch die Schattenseite kleiner Klubs in Österreich. Zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes, fiel im Heimduell gegen Liberec die Beleuchtung aus. Und ohne der Auflösung eines älteren Sponsorenvertrags und des neuen Sponsors Flyeralarm wären die Lichter in der Südstadt wohl für den ganzen Verein ausgegangen. Der Klub gab sich im Herbst eine neue Struktur, gleich mit Würzburg-Connection: Neuer Manager ist nun Amir Shapourzadeh, ein Ex-Spieler der Würzburger Kickers. Damir Buric löste Oliver Lederer ab; Lederer sind laut Sportdirektor Ernst Baumeister seine öffentlichen Flirts mit anderen Klubs (Rapid, Altach) auf den Kopf gefallen. Buric gilt als Fachmann, wie er in Österreich zurecht kommt, wird sich weisen. Hier kann man die gesamte Geschichte zur Connection Würzburg-Admira nachlesen.

  


Bestaunen Sie heute mit wenigen Freunden die Stars von morgen

Die vielen, vielen turbulenten Jahre, die die Admira in ihrer Geschichte schon hatte, reißen also nicht ab. Dass die Südstädter kein Zuschauermagnet waren, sind und sein werden, steht dabei fast außer Streit. 2.850 kamen in der erfolgreichen letzten Saison zu den Heimspielen, 2.644 halten diese Saison die Treue zu den Panthern.

 


 

Echter Eigenbau

Andernorts kämen wohl mehr Fans, denn das Konzept der Admira ist durchaus attraktiv. Ganze zehn Spieler unter 23 Jahren setzte das Trainerteam ein, im erweiterten Kader stehen nur 12 Spieler, die nicht schon immer bei der Admira waren, nur zwei Legionäre kicken in den Südstadt, so manche neu dazu gestoßene, wie etwa Christoph Knasmüllner oder Srdjan Spiridonovic stehen für eine feine ballesterische Klinge. Der etwas niedrige Wert bei den U23-Spielern ergibt sich auch daraus, dass zwölf weitere Spieler auch erst 23 oder 24 Jahre alt sind. Insgesamt ergibt sich damit ein Kaderaltersschnitt von nur 22,9 – der jüngste Kader der Liga

 



 

Ehemalige Südstädter wie Christoph Schösswendter, Philipp Malicsek, Richard Windbichler oder Stefan Schwab kann man weiter oben in der Tabelle der Bundesliga bewundern. Kicker wie Thorsten Schick, Marcel Sabitzer, Philipp Hosiner oder Jörg Siebenhandl zogen in eine größere Fußballwelt aus, als sie das südliche Umland Wiens oder eigentlich die gesamte Gegend zwischen Neusiedler- und Bodensee bieten kann. Kombiniert mit der gleich folgenden durchaus aufregenden Spielweise stellt sich da wirklich die Frage, warum sich das nicht mehr Menschen ansehen wollen. Aber vielleicht steht die Antwort auf diese Frage gar nicht im nächsten, sondern im vorangegangenen Thema, das dieser Artikel behandelt.

 



 


Aufregende Admira

Seitdem Oliver Lederer bei der Admira am Werk ist, hat sich taktisch viel getan. In diesem Abschnitt soll nun auch seine Arbeit beurteilt werden. Laut Verein soll der neue Trainer diese weiter führen. Die Admiraner sind unter Lederer zu einer der interessantesten Mannschaften der Liga geworden, wenngleich die Leistungen nicht immer stabil waren. Zu Beginn der Saison strauchelte man etwas durch die Abgänge von Siebenhandl und Schösswendter, bekam dies jedoch bald in den Griff. Das Pressing zeigte sich in der Höhe und der Formation sehr flexibel, man wechselte immer wieder passend zwischen 4-1-2-2-1, 4-2-3-1 und 4-1-4-1. Hierbei stechen vor allem die intensiv anlaufenden Achter Toth und Ebner heraus, die immer wieder aus der Formation sprinten und Druck ausüben. Vor allem gegen Salzburg vor wenigen Wochen sah man im 4-1-2-2-1 Pressing sehr gut aus, gegen den SKN im August zeigte man ebenfalls eine ansehnliche Leistung im Angriffspressing. Oliver Lederers Trainerteam passt sich vor allem im Pressing meist sehr gut an den Gegner an.

 

Im Fortlauf der Saison setzte man im eigenen Ballbesitz immer mehr auf Konter, dies schien jedoch nicht immer passend zu sein für die an sich spielerisch starke Mannschaft. Zwar hat man mit Monschein einen schnellen und zurzeit formstarken ausweichenden Mittelstürmer, jedoch mangelte es manchmal an Unterstützung und die weiten Bälle nach Ballgewinn waren nicht immer passend vorbereitet. So wechselte man wieder auf die spielerische Schiene und fokussierte sich auf das, was die Admira vor allem letzte Saison so stark gemacht hat. Durch flachen Spielaufbau von den Innenverteidigern, allen voran Wostry, baut man über das Zentrum oder die Halbräume auf. Mit Bajrami, Toth und Knasmüllner hat man hierfür starke Akteure, in Spiridonovic und Monschein ideale Exekutoren dieser Spielweise. Gegen strikte Mannorientierungen hatten die Admiraner jedoch immer wieder Probleme, hierbei agierte man nicht fluide genug im Freilaufen, initiierte keine Positionswechsel oder spielte nicht oft genug über den dritten Mann.

 


Der Wert wird sich erst weisen

Trotz wieder einmal einiger namhafter Abgänge im Sommer musste die sportliche Leitung weniger aktiv werden als zuvor. Dass zur erweiterten ersten Elf nur der neu von Grödig gekommene Fabio Strauss gehört – Goalie Leitner war an Austria Klagenfurt verliehen, Dominik Starkl wurde nach Leihen endgültig von Rapid verpflichtet – zeigt, dass man hier auf Kontinuität setzt und setzen kann. Dass das den Admirakader einen Tick älter macht, als vor einem Jahr, liegt auf der Hand. Mit nicht einmal 23 Jahren im Altersdurchschnitt sind die Südstädter aber dennoch das jüngste Team der Liga. Dass man irgendwann die immer teurer werdenden Kicker auch veräußern muss und einige der zahlreichen Talente einbauen wird, dürfte Sportdirektor Ernst Baumeister klar sein. Aber aus der ganz jungen Riege unter 23 legten mit Linksverteidiger Markus Pavic (21) oder Stürmer Patrick Schmidt (18) einige Spieler Talentproben ab. Und dass gerade die Wiener Klubs gerne in der Südstadt scouten, weiß man aus jüngster Vergangenheit auch. Um den bis vor einem Jahr noch im Unterhaus kickenden Stürmer Christoph Monschein, der schon 24 Jahre alt ist, ranken sich schon Transfergerüchte.

 

Im Herbst wurde die sportliche Führung nun umstrukturiert. Der Fokus soll nun eher darauf liegen, die Spieler bei der Admira zu halten und sie ins Ausland zu verkaufen, nicht wie so oft in der Vergangenheit nach Favoriten oder Hütteldorf. Mit dem neuen Sponsor und weniger wirtschaftlichem Druck kann das gelingen. Öffentlich wurde freilich durch die gesamte Causa Flyeralarm viel Porzellan zerschlagen, da wird auf Ernst Baumeister, der das nach außen vertritt, wohl noch einiges zukommen. Der Wert der sportlichen Aufbauarbeit der letzten Jahre wird sich also erst weisen.

  

Spannung garantiert

Es ist bei der Admira um einiges mehr los, als ein paar Spiele, die gewonnen oder verloren wurden. Von der Substanz her, wäre die Admira sicherlich ein Verein, der mit dem Abstieg nichts zu tun haben sollte und der Richtung obere Tabellenhälfte schielen darf. Allzu gemütlich darf man es sich bei neun Zählern Vorsprung auf den Letzten dennoch nicht machen. Es wird ein spannendes Frühjahr.

 

Bisher analysiert:

>>> Wolfsberger AC - Die Basis ist gelegt

>>> SV Ried - Bloß nicht absteigen

>>> SKN St. Pölten - Der schlechteste Aufsteiger seit langem

>>> SV Mattersburg - Ein Bundesliga-Dino verdammt zum Abstieg?

 

 

>>> Weiterlesen - Nur 13 Stadien in Österreich sind Bundesliga-tauglich --> Welche Stadien derzeit durchfallen und welche das Pickerl bekommen