Der Wolfsberger AC legt eine Basis
Noch vor ein paar Jahren war der Wolfsberger AC ein Klub, der gerne in den Profifußball wollte. Mittlerweile sind die Ostkärntner in der Liga gekommen, um zu bleiben. Dass das weiterhin so bleiben kann, zeigt die Saison 2016/17. Von Georg Sander, Michael
Bis vor einiger Zeit war der WAC noch ein Kleinverein, wie ihn die Bundesliga öfters gesehen hat. Relativ schnell von der Regionalliga mit Mäzengeld in die Bundesliga aufgestiegen, mal eine super Saison mit Europacup, mal eine schlechtere mit Abstiegskampf. Mit dem letzten Jahr haben die Wölfe aus Kärnten aber viele Schritte in Richtung eines echten Profiklubs gemacht. Das Duo Heimo Pfeifenberger und Christian Ilzer stehen auf der offensichtlichen Ebene dafür. Nachdem der langjährige Erfolgscoach Nenad Bjelica weg war, folgten bekanntlich schwierige Monate unter Slobodan Grubor und ebenso aufreibende, aber auch erfolgreiche unter Didi Kühbauer. Im Hintergrund aber bastelte das Team rund um Geldgeber Dietmar Riegler schon länger an einer guten Nachwuchsarbeit, mit Pfeifenberger/Ilzer hat man die sportliche Führung geholt, die das nun ausführen soll und anscheinend auch kann.
In den Jugendligen des ÖFB schlagen sich die Jungs aus dem WAC-Nachwuchs mittlerweile recht wacker, die U18 liegt im gesicherten Mittelfeld, die U16 ist sogar an der Spitze dran. Bis zur Kampfmannschaft reichte es für Eigengewächse noch nicht ganz. Junge Spieler wie Marcel Holzer (Stümer, 18) oder Christoph Rabitsch (Mittelfeld, 20) rütteln aber bereits an der Tür zur ersten Mannschaft. Noch ist man aber auf der Stufe „Wir kaufen weiter oben gescheiterte Spieler“. Das geht auf. Erst zum Jahreskehraus punkteten die Wolfsberger jedoch in drei aufeinander folgenden Spielen nicht.
Die alten Kärntner
Der WAC gehört zu den Teams, die bislang ein Zuschauerplus gegenüber der Vorsaison verbuchen können, eine Saison, die bekanntlich nicht nur vier Europacupspiele unter anderem gegen Borussia Dortmund bereit hielt, sondern einfach bisweilen gute Spiele bereit hielt.
Bald müssen eigene Junge her
Wenn es im Lavanttal an etwas fehlt, dann eben an der Nachwuchsarbeit. In der erweiterten ersten Elf stehen keine jungen Eigenbauspieler, der Kader ist mit 27 Jahren im Durchschnitt zudem der älteste der Liga. Die Bindung der Zuschauer klappt wohl vordergründig trotzdem relativ gut, weil es im Umkreis nicht so viele Profiklubs gibt wie etwa rund um Wien. Allerdings darf man nicht vergessen, dass verdiente Lokalgrößen wie Dario Baldauf oder Christian Dobnik, die beide seit 2010 im Verein sind; dass man die Leistungen von Spielern wie Joachim Standfest anerkennt; dass Kicker wie Abräumer Boris Hüttenbrenner oder Edelkicker Jacobo für Aha-Momente sorgen können.
Das führt wiederum zum Grundproblem: Langsam, aber sicher müssen junge Leute rein in den Kader. Die erwähnten Kicker haben ihren fußballerischen Zenit bereits überschritten. Und es wird nicht jedes Jahr gehen, dass man mit Spielern wie Christian Klem, Philipp Prosenik oder Daniel Offenbacher so im Verhältnis qualitativ hochwertige Kicker bekommt. Der weiter oben erwähnte Christoph Rabitsch hatte eine gute Debütsaison. Nun muss er aber beweisen, dass er dem WAC auf viele Jahre helfen kann, sei es als Stütze oder als gewinnbringender Transfer. Hier gibt es noch Entwicklungspotential, auch wenn die Akademie eine gute Zukunft verheißt. Gegenwärtig hat Wolfsberg den miesesten Wert bei den Einsatzzeiten junger Spieler.
Sicher stehen, schnell nach vorne spielen
Der Wolfsberger AC hat den Kick nicht erfunden. Wie es sich für ein kleines Team gehört, setzt man aus einem 4-4-2/4-2-3-1 heraus auf Umschaltmomente; eine kompakte, zuweilen sehr tief stehende Defensive rund um Nemanja Rnic und Boris Hüttenbrenner spielt eine mannorientierte Verteidigung. Pfeifenberger/Ilzer setzen deshalb weniger auf den Raum, weil sich der Abwehrverbund nicht unbedingt auf Schnelligkeit versteht. Das tiefe Stehen hat defensiv zwei Vorteile: Einerseits kann man spielstarken Mannschaften wie Rapid oder Salzburg durch einen engen Raum zwischen den zwei Abwehrketten den Nerv ziehen, andererseits funktioniert es auch gegen spielschwache Teams, die einfach ideenlos anrennen. Dieser Effekt ergibt sich dann auch des Öfteren in Fortdauer bei den spielstarken Teams. Dieses Sicherheitsdenken offenbart sich auch in der Torstatistik. Die durchaus robusten und fitten Wolfsberger erzielten 18 ihrer 25 Tore in der zweiten Halbzeit, wenn der Gegner mürbe war. Wer sich von dieser konsequenten Kontertaktik nicht einlullen lässt, kann aber durchaus erfolgreich sein. Es ist kein Wunder, dass die hohen Niederlagen gegen die Austria, Sturm und die Admira passierten.
In der Offensive präsentiert man sich durch diese Kontertaktik eher konservativ, aber gewinnbringend. Man erzielte deutlich mehr Tore als die anderen Teams in der zweiten Tabellenhälfte und nicht allzu viel weniger als die Topteams. In der Offensive setzt man auf zwei Dinge: Entweder geniale Momente über Spieler wie Jacobo oder auf Speed. Man spielt geradlinig nach vorne, hat mit Philipp Prosenik noch dazu einen Vollstrecker, der Tore erzwingen kann. Der WAC setzt oft auf ein Flügelspiel, schläft viele Flanken in den Strafraum, was einerseits an der eher defensiven Ausrichtung der Mittelfeldzentrale liegt, andererseits an der Qualität von Flügelspielern wie Klem, Standfest, Zündel oder Wernitznig. Die relativ einfache Spielweise verleiht den Wölfen aber Stabilität. Das Sicherheitsdenken führt so weit, dass im Spielaufbau oftmals ein hoher Ball auf Prosenik gespielt wird. Und nicht umsonst ist man weder auswärts, noch daheim außergewöhnlich schlecht oder gut. Alles in allem keine Hexerei, aber die Klubs dahinter mit Ausnahme der Admira scheitern zuweilen schon am Abliefern dieser Basics.
Weitere Professionalisierung wichtig
Die Qualitäten von Heimo Pfeifenberger und Christian Ilzer sind hier schon ausgiebig besungen worden. Unter dem Punkt sportliche Führung war es das im Grunde schon, denn einen definitiven Sportdirektor gibt es nicht. Die Spieler werden entlang verschiedener Parameter verpflichtet: Sind sie leistbar? Passen sie zu uns? Ersteres definiert der Präsident, zweiteres das Trainerteam. Diese Position sollte bald besetzt werden, wirft man wieder einen Blick auf den Kader. Man wird halt nicht ewig mit denselben Spielern spielen können und ein Sportdirektor, der den eigenen Nachwuchs und die Konkurrenz im Blick hat, kann aus den Wolfsbergern auf längere Sicht einen Kandidaten für das obere Playoff machen.
Dann würde auch die Kaderfluktuation abnehmen. Ein richtiger Plan ist hier nicht erkennbar, außer, nicht an zu vielen Rädchen drehen. Einfach Spieler, die halt verfügbar sind, zu holen und auszuprobieren, ist eines Oberhausklubs im Grunde nicht würdig. Glaubt man diversen Gerüchten, dann könnte Joachim Standfest da nach seiner möglicherweise letzten Saison eine große Aufgabe anheim werden: Dafür zu sorgen, dass aus dem Aufsteigerklub ein echter Bundesligist wird, der wie die tabellarische Konkurrenz aus Ried oder der Südstadt einen etwas größeren Plan verfolgt, als Jahr für Jahr halt elf Mann in 36 Runden antreten zu lassen. In einem modernen Profiklub kann dieses Filtern des eigenen Nachwuchses und möglicher Neuzugänge nicht auch noch am Trainerteam hängen bleiben.
Zu schwach für oben, zu stark für unten
Würde es in Österreich jetzt schon eine größere Liga geben, würde man den Wolfsberger AC wohl als typischen Tabellenmittelfeldklub ansehen. Zu wenig Plan für weiter oben, zu viele kluge Entscheidungen für einen ernsthaften Abstiegskampf. Wie aber auch bei der Admira und Ried gilt hier: Ein paar schlechte Wochen bei einem selbst, ein paar gute bei Mattersburg und St. Pölten, und es kann schnell Richtung Abstiegskampf laufen. Spannend für Beobachter, nervenaufreibend für Fans und Verantwortliche.
Bisher analysiert:
>>> SKN St. Pölten - Der schlechteste Aufsteiger seit langem
>>> SV Mattersburg - Ein Bundesliga-Dino verdammt zum Abstieg?
>>> SV Ried - Bloß nicht absteigen