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Der Bundesligadino verdammt zum Abstieg?

Der SV Mattersburg ist Letzter. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. Der Verein, der seit 15 Saisonen im Profifußball ist, könnte sich bald davon verabschieden. Ein neuer Trainer soll den SVM jetzt in der Liga halten. Von Georg Sander, Michael Fial

 

25 Punkte holte der SVM in der Hinrunde 2015. 28 im gesamten Kalenderjahr 2016. Der Punkteschnitt fiel von 1,25 im Herbst 2015 auf lediglich 0,78 in diesem Jahr. Was ist heute anders als vor einem Jahr? Karim Onisiwo? Ja, aber nicht nur. Der SV Mattersburg versucht am Feld viel, was nicht so recht klappen will. Vielleicht liegt es auch an der Person Markus Karner. Er kam unter Alfred Tatar in der zweiten Liga als Co-Trainer und blieb es unter Ivica Vastic. Wie man sich bei einem von Alfred Tatar geholten Betreuer denken kann, nahm er auch beim bei der Wiener Austria nicht gerade durch taktische Finesse aufgefallenen Vastic eine prägende Rolle ein. Doch mit der Wintervorbereitung 2016 wurde seine Rolle, so berichten Insider, zurück gefahren. Im Sommer ging er, heuerte bei Stegersbach an und Kurt Russ vom Kapfenberger SV kam.

 

Gegen Altach vor wenigen Wochen presste man beispielsweise etwas tiefer im 4-4-2. Mit der Doppelspitze wollte man die Altacher Dreierkette neutralisieren. Der SVM agierte prinzipiell passiv, deckte den Sechser Jäger ab, konnte ihn zu zweit besser vom Rest der Mannschaft abkappen und mit dem zweiten Stürmer situativ Druck auf den Ballführenden ausüben. Dieses Pressing gelang gut, bis Altach auf eine Doppelsechs anpasste, woraufhin die Vastic-Elf Probleme bekam und sich nicht anzupassen wusste. Im eigenen Ballbesitz agierte man in der ersten Halbzeit ebenfalls im 4-4-2, auch hier waren die Probleme beim Bespielen des Zentrums ersichtlich, viele hohe Bälle und Longline-Pässe waren zu sehen. Die Altacher mussten in der ersten Halbzeit einen Ausschluss verbuchen, daraufhin passten sich die Mattersburger prinzipiell gut im 4-2-3-1 an. Die Ballzirkulation zeigte sich sofort verbessert, die Burgenländer wurden jedoch mit der Zeit ungeduldig und passten erneut an, nun agierte man im 3-4-1-2. Bereits im 4-2-3-1 nutzte man Flanken zu oft und verfrüht, obwohl man eine deutlich bessere Staffelung zur flachen Ballzirkulation hergestellt hatte. Im 3-4-1-2 mit breiten Flügeln und einer Doppelspitze forcierte man das Flankenspiel nun, man wurde instabiler und fing sich schlussendlich sogar noch ein 2:1 ein. Viel taktische Variabilität, aber die Maßnahmen greifen nicht so richtig.

 


Wer nichts ändert, ist schuld

Exakt zwei Transfers tätigte Franz Lederer, an und für sich Sportdirektor, im Sommer. Ja, Lederer ist auch noch immer da. Passt doch zusammen, Lederer kickte schon für den SVM, seit 2002 ist er in verschiedenen Positionen bei der ersten Mannschaft. Er hat es im Sommer verabsäumt, die Mannschaft für die neue Saison aufzubauen. Wer Flügelspiel will und die Stürmer dazu hat, braucht auch die Assistgeber. Die Kombination Taktik/Spielermaterial klappte schon im Frühjahr nicht, nachdem sich nichts änderte, muss dieses ruhige Vorgehen am Transfermarkt als Fehler dem Sportdirektor angelastet werden. Vielleicht will aber auch niemand ins Burgenland.

 

Gut, für die weitläufig verbreitete Ansicht, dass man aus Mattersburg als Spieler nicht weg kann, kann Lederer als Sportdirektor nicht viel. Dass sich seit seinem Antritt als sportlicher Leiter zur Saison 2013/14 hin nichts daran ändert, sehr wohl. Man google nur mal kurz Patrick Farkas, der trotz Nachwuchsnationalteamerfahrung en masse noch immer in Mattersburg kickt. Onisiwo musste sich aus dem Vertrag raus klagen. Der SVM muss natürlich nicht aus finanziellen Spieler veräußern, aber mit dieser Methode fahren andere Vereine ganz gut und es sieht so aus, dass es es eher mehr werden, die damit erfolgreich sind. Wenn dann auch noch der Trainer es nicht schafft, ein schlagkräftiges Konzept für die erste Mannschaft auf die Beine zu stellen, ist man eben Letzter. Und kann nur noch drauf hoffen, dass der neue Reiz mit dem neuen Trainer die Saison rettet.

 

Auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt

Es ist das Verhalten der Leitung auf allen Ebenen, das Mattersburg zum Abstiegskandidaten Nummer eins nach der Hinrunde macht. Selbst der neue Trainer Baumgartner ändert am Dino-Verhalten der Burgenländer nichts. Vielleicht geht es noch eine Saison gut, vielleicht stellt sich ein anderer Verein noch schlechter an. Im Hinblick auf die Zwölferliga ab 2018/19 könnte man aber fast wetten, dass Mattersburg - zumindest aus sportlicher Sicht - nicht dazu gehören wird.

 

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