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Das große 'Was weiß ich noch aus 2016'-Quiz

Das Fussballjahr 2017 ist wenige Tage alt und in Österreich wurden bereits zwei Trainer gefeuert. 90minuten.at will aber wissen, wie gut ihr Euch noch an das Jahr 2016 erinnern könnt. Das große 'Was weiß ich noch aus 2016'-Quiz von 90minuten.at.

 

Ein ominöses Vertragswerk hält uns im Jänner in Atem

Im Jänner platzte die Bombe, die heimisches Larifari bei der Vertragsgestaltung auf zivilrechtlicher Ebene beendete. Karim Onisiwo hatte sich aus seinem Vertrag beim SV Mattersburg herausgeklagt. Schlecht für die heimischen Vereine. Ein Jahr plus zwei Option? Easy, dann muss man den Spieler nicht unnötig lang auf der Payroll haben. „Wir können keine großen Ablösen oder Ausbildungsentschädigungen zahlen“, sagte Altach-Gechäftsführer Christoph Längle im Jänner 2016 zu 90minuten.at. In weiterer Folge bezeichnete das Rechengenie hinter der heutigen Altacher Tabellenführung solche illustren Vertragsausgestaltungen als:

 

A) Österreichische Lösung
B) notwendiges Übel
C) die beste Variante für den heimischen Fußball

 


Auflösung: Längle bezeichnete die Optionen, in denen die Option die anfängliche Laufzeit des Vertrags übersteigt, als „österreichische Lösung“ und auch als „Machenschaft“ und „Instrument“. Onisiwo ists wurscht, er kickt jetzt nicht unerfolgreich in Mainz. „Kommt einer nach Altach, erwarten wir auch nicht, dass er seine Karriere hier verbringt. Der soll ja den Schritt machen. Es muss dann aber auch für den Verein passen“, sprach Längle weise Worte über den heimischen Kick, „Fällt die Option weg, arbeiten eben alle mit denselben Möglichkeiten. Ich sehe es nicht als bahnbrechend.“ Franz Lederer, Mattersburg-Sportdirektor, gab die beste Ausrede, die schon im Kindergarten erlernt wird: „Der SV Mattersburg ist nicht der einzige Verein, der solche Verträge macht.“

 

Wer überwacht die Überwacher, fragten wir uns im Februar

Ein großes Unternehmen ist ungefähr so organisiert: Es gibt einen Präsidenten oder eine Präsidentin, einen Aufsichtsrat, der den Vorstand, der operative Geschäft leitet, überwacht. Honorige, meistens Herren, sitzen in vielen Aufsichtsräten und sind dabei mehr oder weniger wichtig. Die Arbeit verrichten die Geschäftsführer in den verschiedenen Bereichen. Das ist Fußball im Jahr 2016. Was aber, wenn das Gremium, das überwacht (= Aufsichtsrat) aus dem Vorstand besteht? Kurios, oder? Willkommen im österreichischen Profifußball. Dieses Kuriosum leistet sich folgender Verein, wie im Februar bekannt gegeben wurde:

 

A) SK Rapid Wien
B) SK Sturm Graz
C) LASK

 


Auflösung: Tatsächlich ist es der SK Sturm Graz. Der komplette Aufsichtsrat ist seit Februar im Vorstand vertreten. Umgelegt auf den Fußball wäre das so, wenn alle Trainerposten aus den Spielerkader besetzt werden. Wir hielten fest: „In konkreten Fall heißt das: Vorstand Christian Jauk bestellt z.b. Gerhard Goldbrich. Kontrolliert wird Goldbrich dann vom Aufsichtsrat. Dieser heißt im konkreten Fall: Christian Jauk. Bleibt nur noch die Frage offen: Wozu leistet sich der SK Sturm einen Aufsichtsrat, wenn alle seine Mitglieder gleichzeitig auch im Vorstand vertreten sind?“ Wer überwacht die Überwacher, wenn die zu überwachenden die Überwacher sind?

 

Krampfkick gab es im März von...

Es ist amüsant, in den Annalen der Saison 2015/16 zu wühlen. Da hat man sich als Medium zeitweise schon gefragt, was die Herren in den kurzen Hosen da auf dem Rasen überhaupt aufführen. 90minuten.at nannte das eine „meisterliche Fan-Verarsche“ und meinte damit im März:

 

A) Red Bull Salzburg
B) SK Rapid Wien
C) FK Austria Wien

 


Auflösung: Alle drei! Und jetzt führt Altach auch noch. Man könnte sich selbst Prophet nennen. Veilchen-Coach Fink erteilte im März bereits eine Absage Richtung Meisterteller, eine Aussicht, die wohl auch in dieser Saison stimmt. Rapid machte alles falsch, liegt abgeschlagen und es gilt, was damals geschrieben stand: Die Schwäche gegen die sechs anderen ist halt leider mittlerweile so legendär wie der Block West und Steffen Hofmann. Die Austria wurde Dritter, Rapid Zweiter, die Bullen triumphierten. Und damals schrieben wir: „Doch am Ende wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder ganz oben stehen und sich das nächste Double aufs Revers heften können, ehe im Sommer wieder drei Schlüsselspieler gehen, sicherheitshalber vermutlich nach einem von Verletzungen geplagten grauslichen europäischen Kurzauftritt der Katzenjammer ausbricht.“ Recht zu behalten ist manchmal nicht angenehm, vor allem, wenn man sich das Woche für Woche ansehen muss.

 

April, Arpril, nein doch nicht, diese Aussagen stimmen!

Wir haben unseren Kolumnisten Gerald Gossmann kurz mal nach Deutschland zur renomierten „Zeit“ verliehen und er entlockte einer heimischen Spielergröße folgende Aussagen: „Ich werde als Trainer in Österreich nicht richtig ernst genommen." Oder: „Uns österreichischen Trainern hilft ja niemand.“ Oder: „Wahrscheinlich werde ich nur von einer starken Persönlichkeit verpflichtet werden. Ein Lutscher wird mich nicht holen, weil er Angst hätte, selbst zu wenig Sonne abzubekommen.“ Das war...

 

A) Toni Polster
B) Andreas Herzog
C) Andi Ogris

 


Auflösung:
Natürlich war es Toni Polster, der sich als Trainer des Stadtligisten Wiener Viktoria dem Lamento in der Zeit hingab. Es folgten noch einige andere Raunzereien. Kolumnist Gossmann fand noch einen findigen Beobachter des Stadtligaspiels, der meinte: „Der Toni steht halt mehr für Show als für ernsthafte Arbeit.“ Als kritisches Medium können wir nur festhalten: Es ist gut, dass Trainer nach Know-how ausgewählt werden, auch wenn man es dann mit eher knorrigen Typen wie Damir Canadi zu tun bekommt. Der ist jetzt Rapid-Trainer, Österreicher und hat Altach zuvor zum Titelkandidaten gecoacht. Umgänglich und „Schmähbruder“ trifft wohl nicht auf ihn zu. Vielleicht sind halt doch die anderen „Lutscher“. Was auch immer das sein mag. Immerhin: Dank dem Toni war der Trainer eines österreichischen Viertligisten in der Zeit.

Wer schwänzte im Mai die Klubkonferenz?

Die Ligenreform ist beschlossen, im Mai wurde noch fleißig daran gearbeitet. Am Tag vor dem Cupfinale (welches freilich Salzburg gewonnen hat), fand eine Klubkonferenz statt. Alle Teilnehmer waren gekommen, die schärfsten Kritiker ließen sich aber entschuldigen. Ende Mai wurde der Grundsatz, künftig statt 10+10 auf 12+16 umzustellen präsentiert. Davor fragte eben jener Kritiker in Richtung der Bundesliga: „Kann dort jemand ,Marketing‘ überhaupt buchstabieren?“ Das kann natürlich nur einer gewesen sein:

 

A) Red Bull-Geschäftsführer Jochen Sauer
B) Pellets-Zampano Dietmar Riegler
C) Rapid-Präsident Michael Krammer

 


Auflösung: Natürlich kritisierte Rapid aus vollen Rohren. Mit dem neuen Stadion vor Augen wäre es freilich ja blöd gewesen, schnell eine Reform zusammen zu zimmern und dann möglicherweise auf je zwei gewinnbringende Spiele im Derby, gegen die verhassten Bullen und die lautstarken Grazer zu verzichten. Geschäftsführer Christoph Peschek konnte seinen Urlaub nicht so kurzfristig verschieben. Ein bisschen witzig, bedenkt man, dass just Rapid schon öfters über mehr Eigenvermarktung nachdachte. Jetzt ist alles wieder gut, mit dem oberen Playoff gibt es genügend wichtige Heimspiele. So ein Herbst wie jetzt sollte halt nicht mehr passieren, sonst heißen die Gegner eben nicht Sturm und Salzburg, sondern eventuell erst Recht Wolfsberg, Admira und Mattersburg.

 

Der Mantel des Schweigens wird über den Euro-Juni gehüllt

Was waren wir nicht enttäuscht. So toll war das Länderspieljahr 2015 gewesen, so bescheiden war die Euro. Man will ja selbst kaum in der Haut derer stecken, die für Österreich kicken dürfen. Im einen Moment bist du mindestens Welt- und Europameister, im nächsten der Depp einer manisch-depressiven Nation in Schnitzelform, die noch dazu stets mit dem Hammer traktiert wird. Landläufig ist man sich sicher, dass die Nationalmannschaft die Euro aber selbst versemmelt hat. Übertölpelt von cleveren Ungarn, an die Wand gespielt vom späteren Europameister und wie durch ein Wunder trotz Elfer ohne Gegentor weggekommen, zu … naja, was auch immer das in der ersten Halbzeit gegen Island sein sollte. Das bestinformierte Medium Österreichs vermutete gleich, dass es an teaminternen Zerrüttungen lag. Jemand soll etwas geworfen haben:

 

A) einen Suppenteller
B) David Alabas Kopfhörer
C) der Matchplan gegen Island

 


Auflösung: Österreich wollte es so, dass ein Suppenteller geflogen ist, exakterweise spielte es sich angeblich so ab: „Vielen soll sauer aufgestoßen sein, dass sich immer nur alles um David Alaba, Marko Arnautovic und Aleksandar Dragovic dreht [...] Sogar der Suppenteller von Arnautovic soll geflogen sein. In die Gruppe von Fuchs, Florian Klein und Julian Baumgartlinger.“ Na, wenn's in DER Zeitung steht, wird es natürlich stimmen.

 

Hält die Realität, was der Journalisten Glaskugel im Juli verspricht?

Sportjournalisten lieben die Glaskugel und meinen, mit ihrer Expertise Recht zu haben. Darum haben wir all unser Wissen im Juli in Ausblicksartikel gegossen. Es ging ums Tabellenende, den Kampf um den Europacupplatz und den Titelkampf. Jetzt, ein halbes Jahr später wollen wir checken, in wie vielen Fällen wir die vorhergesagten Platzierungen richtig geraten haben. Eure Lieblingssportredaktion ist also:

 

A) Ein Diletantenverein (0 bis 5 richtig)
B) Gar nicht so schlecht (6 – 8 richtig)
C) Wirklich so gut, wie sie von sich behauptet (9 oder 10 richtig)

 


Auflösung: Gar nicht so schlecht. Sieben Vereine befinden sich in der Einordnung, die wir im Sommer getroffen haben. Es sind noch 16 Runden offen und bei allem was Recht ist werden es am Ende wohl acht Vereine sein, die wir richtig eingeschätzt haben. Ihr könnt uns nach Runde 36 gerne drauf ansprechen! Fakt ist wohl, dass wir uns ausrechnen hätten können oder sollen, dass die Bullen wem anderen den Wintertitel gönnen und dass Rapid zeitweise so mies spielt und der SCR Altach so gut, damit hat wohl wirklich niemand gerechnet. Redakteur Georg Sander zahlt übrigens all jenen, die einen glaubhaften Nachweise erbringen können, die Wintertabelle richtig getippt zu haben, ein Abendessen plus Bier.

 

SV Mattersburg (8 – 10), SKN St. Pölten (5 – 9), SV Ried (6 – 10), WAC (4 – 8), Admira (3 – 8), Rapid (2 – 3), Austria (2 – 4), Sturm Graz (3 – 7), Red Bull Salzburg (1), SCR Altach (7- 10)

 

Fast jeden August dieselbe Salzburger Leier

Wer so richtig böse ist, könnte meinen, dass Salzburg verpflichten könnte, wen sie wollen – und sie würden sich dennoch nicht für die Champions League qualifizieren. Besser gesagt: Sie könnten nicht abgeben, wen sie wollen. Fakt ist, dass sie es wieder einmal verhaut haben. Wieder fehlte nicht viel. Blabla, immer dasselbe. Da stellt sich nachgerade die Frage, wie die Verantwortlichen damit umgehen. Was sprach also Oscar Garcia nach dem Ausscheiden gegen Dinamo Zagreb? Vor allem, wenn man bis zur 87. Minute ziemlich souverän agierte?

 

A) „Ich glaube, dass wir in beiden Spielen die bessere Mannschaft waren, wir waren aber noch nicht erfahren und kaltschnäuzig genug, um diese fußballerische Überlegenheit eben auch im Ergebnis auszudrücken.“
B) „Das ist eine bittere Stunde, es ist sehr, sehr enttäuschend, dass wir ausgeschieden sind. Wir haben den Kampf von der ersten Minute zu wenig angenommen.“
C) „Ich habe gesagt, dass ich niemanden weinen sehen will. Ich habe darum gebeten, das alle erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Ich bin stolz, Trainer einer solchen Mannschaft zu sein.“

 


Auflösung:
Also das erste sagte Roger Schmidt nach dem Ausscheiden gegen Fenerbahce 2013. Die zweite Aussage ist von Adi Hütter, nach dem Ausscheiden gegen Malmö 2014. Die letzte Aussage stammt von Oscar Garcia nach dem letzten Ausscheiden. Mal sehen, ob die Bullen-Elf a) wieder Meister wird und b) wieder die Champions League-Quali nicht schafft. Bis zur Schlussphase war Salzburg unter Giovanni Trapattoni gegen Schachtjor Donezk anno 2007 schon nah dran gewesen. Hier ist Entwicklung angezeigt, der Maestro musste nach dem Spiel Dinge wie „Wer solche Fehler macht, wird natürlich bestraft“ sagen. Jetzt kann der Trainer die Spieler loben. Bringt aber auch keine Champions League-Gruppenphase nach Wals-Siezenheim.

 

Krisenreicher Oktober

Der Oktober war kein guter Monat für die zwei populärsten Teams Österreichs. Das sind freilich das Nationalteam und der SK Rapid Wien. Österreich startete mit einem Hänge-Würg-Sieg in Georgien in die Quali, um dann gegen Wales zu verlieren. Und Rapid hatte auswärts 4:2 gegen die SV Ried verloren. Beide Teams setzten die Talfahrt fort. Der ÖFB verlor in Serbien und gegen Irland, Rapid rutschte zwischenzeitlich auf Rang sieben ab. Aber wer sagte was?

 

A) „Hätte, wenn und aber – das weiß man nach dem Spiel immer besser.“
B) „Meine Kritik soll die letzten Prozent herausholen.“

 


Auflösung: Ersteres sprach Marcel Koller, zweiteres der damalige Rapid-Sportchef Andreas Müller. Gebracht hat es eben beiden Mannschaften nichts. Weder Gereiztheit noch Motivationssprüche aus den 1950er-Jahren vermochten die Situation zu bessern. Das Nationalteam prolongiert die Krise nach der verhauten Euro. Müller ist wie „sein“ Coach Mike Büskens den Job los. Und der Rest der Herbstsaison zeigte, dass es erst noch schlimmer kommt, bevor es ein bisschen besser wird. Ob es etwas gebracht hätte, wenn Koller seine Spieler öffentlich kritisiert hätte und Müller sich ein bisschen mehr zu seiner Trainerbestellung überlegt hätte? Naja, nachher weiß man es immer besser.

 

Brace yourself – winter is coming

Es ist wohl eine außergewöhnliche Fußballsaison. Kein Spiel musste aufgrund schlechter Platz- oder Wetterverhältnisse verschoben werden. Und weil die Ligareform ab 2018 ohnehin nur zwölf echte Vollprofiklubs braucht, kann die Bundesliga gleich einmal die Schlinge fest anziehen und die Klubs zu noch mehr Komfort verpflichten. Das mag in Salzburg, Wien oder Graz niemanden jucken, für so manchen kann es eng werden. Wir kennen alle noch den Traktor-zerfurchten Acker in der sogenannten Untersberg-Arena. Am 9. Dezember wurden nun die Kriterien wieder verschärft. Demnach gibt es nun wie viele Bundesliga-taugliche Stadien?

 

A) Elf – wir sind ja freilich in Österreich!
B) 13 – die haben sich ja was dabei gedacht!
C) Come on Sportklub! Alle dürfen mitmachen.

 


Auflösung: Inklusvie Ernst-Happel-Stadion (geht schon, FAC!) und dem unbespielten Wörthersee-Stadion sind es tatsächlich 13 Spielstätten, die ab 2018 Stand heute Erstligatauglich sind. Das betrifft also alle derzeitigen Bundesligisten – ja, auch den SV Mattersburg! - sowie den FC Wacker Innsbruck und den LASK aus der zweiten Liga, sofern die auf der Gugl spielen wollen.

 

Und? Wie gut hast Du Dich ans Jahr 2016 noch erinnern können? Zur Vorbereitung auf das Fußballjahr 2017 empfehlen wir dir den satirischen Ausblick unserer Redaktion: >>> Die Österreichische Bundesliga präsentiert den neuen Liga-Ball "Hello Kitty"

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