Bei Pep gegen Mou geht's nicht um den Titel

22 von 38 Spieltagen sind in der englischen Premier League absolviert – und es scheint, als wäre der Meister schon gefunden. Oder kann einer der Verfolger den FC Chelsea doch noch abfangen? Eine Analyse von Alexander Kords

 

Mit 18 Siegen aus 22 Spielen ist der FC Chelsea das überragende englische Team in dieser Saison, hat es aber auch der Schwäche der direkten Konkurrenten zu verdanken, dass der Vorsprung bereits acht Punkte beträgt. So verlor am Wochenende der Tabellendritte FC Liverpool zu Hause gegen den Abstiegskandidaten Swansea, und Tottenham und ManCity nahmen sich bei ihrem 2:2 gegenseitig wichtige Punkte weg. Wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, dann holt Chelsea im Sommer den Meistertitel. Nach dem mehr als enttäuschenden zehnten Platz in der Vorsaison und der Entlassung von Kult-Trainer José Mourinho im vergangenen Winter war dies nicht unbedingt vorauszusehen. Aber der neue italienische Coach Antonio Conte, der schon mit Juventus Turin drei Meisterschaften feiern konnte, brachte die Londoner wieder in die Spur und ist nun nicht mehr weit von seinem ersten Titel im Ausland entfernt.

 

Kloppo und der große Traum

Hinter dem FC Chelsea versammeln sich neben den „üblichen Verdächtigen“ auf den englischen Meistertitel, nämlich dem FC Arsenal, Manchester City und ManUnited auch Tottenham Hotspur und der FC Liverpool. Während die Spurs seit Jahren in der Spitzengruppe mitmischen, ist das bisherige Abschneiden von Liverpool durchaus überraschend. Nicht nur ist der Club des deutschen Trainers Jürgen Klopp mit nur zwei Punkten Rückstand auf Schlagdistanz zum zweiten Platz, er hatte Anfang November sogar die Tabellenführung inne – zum ersten Mal seit Mai 2014. Auch wenn der Meisterschaftszug mittlerweile abgefahren ist, ist Klopps Truppe ein heißer Kandidat für die erstmalige Teilnahme an der Champions League seit drei Jahren.

 

 


Pep versus Mou

Mit großen Erwartungen gingen die Fans der beiden Vereine aus Manchester in die aktuelle Saison, schließlich bekam jedes ihrer Teams im Sommer einen erfolgsverwöhnten Trainer vorgesetzt. Aber weder Pep Guardiola bei ManCity noch José Mourinho bei ManUnited konnte bislang halten, was der jeweils vorausgeeilte Ruf versprochen hatte. Guardiola kassierte kürzlich mit dem 0:4 in Everton die höchste Niederlage, die er in seiner Trainerkarriere je hinnehmen musste, und liegt mit Rang 5 nur zwei Punkte und einen Platz vor seinem Dauerrivalen Mourinho, der die Red Devils auch in der vierten Saison nach dem Abgang von Über-Trainer Alex Ferguson noch nicht zu einem Meisterkandidaten formen konnte – trotz Weltstars wie Zlatan Ibrahimović und dem 105-Millionen-Mann Paul Pogba. Spannend wird der Ausgang der Spielzeit für beide Clubs aus Manchester ohnehin, schließlich wollen beide noch in die Königsklasse. Ob sie das schaffen, ist allerdings stark zu bezweifeln, auch wenn die Europa League für die milliardenschweren Vereine eine herbe Enttäuschung wäre.

 

Der Absturz von Leicester City

Mit dem Meistertitel 2016 gelang Leicester City eine der größten Fußball-Sensationen der vergangenen Jahre. Umso erstaunlicher ist es, dass der Club derzeit recht knapp vor den Abstiegsplätzen rangiert. Der Gründe gibt es viele, dass das Team von Welttrainer Claudio Ranieri nur auf Rang 15 und nur fünf Punkte über dem Strich liegt. Die Überbelastung durch zusätzliche Auftritte in der Champions League, der Abgang von Spielmacher N’Golo Kanté zum FC Chelsea, die Torflaute von Jamie Vardy (der aktuell nur auf fünf Ligatore kommt, nachdem es in der Meistersaison noch 24 waren) – Leicester präsentiert sich derzeit lediglich als das, was es tatsächlich ist: ein Durchschnittsteam. Der Abstieg wird es am Ende wohl nicht werden – für den sind vor allem Schlusslicht AFC Sunderland und Neuling Hull City prädestiniert –, ein einstelliger Tabellenplatz aber definitiv auch nicht mehr.

 

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