Alles Bayern, oder was?

Ab heute, Freitag, rollt in der deutschen Bundesliga der Ball wieder, wenn der FC Bayern München mit seinem Gastspiel beim SC Freiburg das Ende der Winterpause einläutet. Der erste Verfolger Leipzig greift morgen an. Wir prognostizieren schon mal den Ausg

 

So voller Überraschungen die aktuelle Saison in der deutschen Bundesliga auch ist: Der erste Platz ist mal wieder unverändert. Von der Spitze grüßen nämlich einmal mehr David Alaba und sein FC Bayern München. Der Dauer-Meister hat kurz vor Weihnachten den direkten Konkurrenten RB Leipzig mit einem ungefährdeten 3:0-Sieg nach Hause geschickt und sich wieder ein wenig Luft verschafft. Allerdings ist von der Münchner Dominanz der letzten Jahre nicht mehr viel zu spüren. Überwinterten die Bayern in den letzten vier Jahren immer mit mindestens sieben Punkten Vorsprung, so sind es in der aktuellen Saison nur drei. Noch viel bedenklicher aus Münchner Sicht war jedoch, dass der Club Mitte November seine Tabellenführung abgeben mussten – nach endlos langen 39 Spieltagen in Folge an der Spitze. Den Rest der Liga und viele Bundesliga-Fans hat’s gefreut, jedoch wird die Freude aller Voraussicht nach am Ende der Saison verflogen sein. Viel zu schwach sind nämlich die Konkurrenten, um dem FCB den Titel streitig machen zu können. Und so stark sich RB Leipzig auch in der ersten Saisonhälfte präsentiert hat: Die Sachsen sind immer noch Neulinge in der Liga.

 

Der Kampf um die Champions League

Gleichzeitig stellt der von Red Bull großzügig unterstützte Club den ärgsten Verfolger der Bayern dar. Auch wenn es in dieser Spielzeit (noch) nicht für den Titel reichen wird: Im Rennen um die Plätze in der Königsklasse führt kein Weg an Leipzig vorbei. Nicht nur, weil der Verein schon acht Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz hat, sondern weil die Mannschaft außergewöhnlich spielstark ist – sieht man mal vom 0:3 in München ab. Hinter den Leipzigern haben sich in der ersten Saisonhälfte noch weitere Teams eingereiht, mit deren hohen Platzierungen im Sommer wohl kaum jemand gerechnet hat. Hertha BSC Berlin auf dem dritten, der letztjährige Fast-Absteiger Eintracht Frankfurt auf dem vierten und die als einzige Mannschaft noch ungeschlagene TSG Hoffenheim auf dem fünften Rang – Deutschland wird wohl in der kommenden Spielzeit von einigen Überraschungsteams in der Champions und der Europa League vertreten werden. Vorausgesetzt natürlich, dass die drei genannten Clubs ihre bestechende Form auch im Jahr 2017 halten.

 

 

 


 

Abgestürzte Mitfavoriten

Auch wenn Borussia Dortmund im Sommer 2016 einen radikalen Umbruch vornehmen musste, weil mit Mats Hummels, Henrikh Mkhitaryan und İlkay Gündoğan drei Leistungsträger den Club verlassen haben – auf einen Absturz des BVB auf den siebten Tabellenplatz zur Winterpause hatte wohl niemand spekuliert. Angesichts von acht Neuzugängen vor Saisonbeginn und einer fast schon tragischen Verletzungsserie war den Dortmunder Verantwortlichen jedoch schon von vornherein klar, dass ihr Verein nicht um die Meisterschaft mitspielen würde. Die Qualifikation für die Champions League dürfte sich dennoch ausgehen. Danach sieht es aber momentan nicht für vier Clubs aus, die von Experten vor der Saison noch als feste Kandidaten für die oberen Plätze eingeschätzt wurden. Bayer 04 Leverkusen auf Platz 9, der FC Schalke 04 auf Platz 11, der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach gar nur auf den Rängen 13 und 14 – bei diesem Tabellenbild darf man sich an den renommierten Bundesliga-Standorten ernsthaft Sorgen um die gesetzten Saisonziele machen. Doch während die Formkurve von Leverkusen und Schalke zuletzt deutlich nach oben zeigte und für beide Clubs die Qualifikation für den Europacup realistisch ist, müssen Wolfsburg und Gladbach einen verängstigten Blick nach unten wagen. Ihr Abstand zum Relegationsplatz 16 beträgt nur noch drei Punkte, zum direkten Abstieg sind es vier. Und auch wenn die beiden erfolgsverwöhnten Teams schon einen Trainerwechsel vorgenommen haben: Mehr als graues Mittelmaß wird in dieser Spielzeit für sie nicht mehr drin sein.

 

Wer muss in die zweite Liga?

Abstieg ist die neue Meisterschaft – so zumindest lautete in den vergangenen Jahren ein Spruch, der sich angesichts der Münchner Übermacht unter deutschen Fußball-Fans etabliert hatte. Und auch wenn es an der Tabellenspitze endlich mal wieder spannend ist, birgt das Ringen gegen den Absturz in die zweite Bundesliga weiterhin einiges an Dramatik. Mit dem SV Darmstadt 98 scheint der erste Absteiger bereits festzustehen, haben die letztplatzierten Hessen doch schon fünf Punkte Rückstand auf den Relegations- und acht auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Andererseits haben sie im Winter mit Torsten Frings einen zwar unerfahrenen, aber unheimlich motivierten neuen Trainer geholt. Vorzeitig abschreiben sollte man die Darmstädter also nicht – zumal der FC Ingolstadt gezeigt hat, wie man sich aus einer misslichen Lage befreit. Lag der Club am 13. Spieltag noch auf dem letzten Platz, so hat er zur Winterpause den Anschluss an das rettende Ufer geschafft. Nur ein Punkt trennt die Ingolstädter nämlich vom Hamburger SV, der derzeit den Relegationsplatz innehat. Erfahrung mit dieser Platzierung hat der Traditionsclub bereits, musste er doch in den Spielzeiten 2013/2014 und 2014/2015 seinen Platz in der Bundesliga in den beiden Entscheidungsspielen verteidigen. Prominente Konkurrenz im Abstiegskampf hat der HSV mit Werder Bremen, das schon seit Jahren in der unteren Tabellenregion zu finden ist – und das, obwohl beide Nord-Clubs eigentlich eine Reihe qualitativ guter Spieler in ihren Reihen haben. Es bleibt also viel Spannung in der deutschen Bundesliga – bis am 20. Mai 2017 knapp vor 17 Uhr 30 der letzte Pfiff der Saison durch die Stadien hallt.

 

 

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