Wollt ihr wirklich alle absteigen?
Sechs Punkte trennen den Siebenten vom Tabellenkeller. Nicht nur an der Tabellenspitze muss man sich fragen, was die Klubs denn eigentlich wollen. Von Georg Sander
Die Rollen in der heimischen Liga sind eigentlich klar verteilt. Ein Team heftet sich an die Fersen von Red Bull Salzburg, ein paar matchen sich um Rang drei. Und der Rest? Der will nicht absteigen. Diese Autosuggestion funktioniert dann anscheinend so gut, dass neun Runden vor Schluss tatsächlich wieder einmal mehr als zwei Teams gegen den Abstieg spielen. 90Minuten.at wirft einen analytischen Blick drauf, warum dem so ist:
WAC: Aufgeholt und erfangen
Was gibt es Negatives über einen Klub zu sagen, der mit drei Punkten Rückstand überwintert und dem aktuell Letzten sechs abgenommen hat. Richtig, eigentlich fast nix. Allerdings wird man bei den Wölfen nicht ganz das Gefühl los, dass es hierbei um weit mehr als die Ligazugehörigkeit geht. Während für den SVM, die SVR und auch Altach ein Abstieg eine Episode wäre, stehen wichtige Entwicklungen hinsichtlich eines nachhaltigen Fußballstandortes im Lavanttal noch aus. In all den Bundesligajahren schaffte man es bislang nur, den jungen Christoph Rabitsch in die erste Mannschaft einzubauen. Mit einigem Augenzudrücken noch Michael Sollbauer, Roland Putsche und Christian Dobnik. So etwas geht vielleicht ein paar Jahre gut, aber wenn man nach Ried, Altach oder Mattersburg schaut, dann ist dort einfach mehr Substanz da. Zwischen erster und zweiter Mannschaft pendelnde Kicker gibt es nicht. Wer also in Kärnten nachhaltigen Profikick will, kann nur beten, dass der WAC hier in den nächsten Jahren nachbessert. Der sportliche Weg stimmt. In der Frühjahrstabelle hat man als besseres Team im Happel verloren, ist sechs Spiele ungeschlagen. Nur Salzburg und Rapid sammelten bislang mehr Punkte seit der Winterpause. Jetzt gilt es aber endlich die Fehler aus der Vergangenheit auszumerzen und heute an morgen zu denken; sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis man in der Liga spielt, die einmal so hieß.
Was macht den der SCR Altach da?
Im Sommer noch Europacup, spätestens seit dem Jahreswechsel im Abstiegskampf. Fünf magere Punkte stehen 2016 auf der Habenseite. Siege gegen die tabellarisch besseren Teams wie Admira oder Salzburg erwartet man sich freilich nicht, die Niederlagen gegen Mattersburg und Wolfsberg schmerzen umso mehr. Es bezweifelt wohl kaum jemand, dass Damir Canadi und auch der Kader das Pouvoir besitzen, die Klasse zu halten. In den entscheidenden Momenten klappt es aber nicht. Neun Saisonsiege hat man, davon gelangen gleich drei gegen die Topteams aus Salzburg und Wien, ein weiterer gegen den SVM, der in der vierten Runde auch noch Dritter war. Leider können sich die Altacher von taktischer Variabilität und technischer Finesse wenig kaufen. Alle Überraschungsdritten der letzten Jahre hatten im zweiten Bundesligajahr dieses Problem. Auch wenn eine Sofortabstieg im zweiten Jahr eine Ausnahme wäre, wären die Altach beileibe nicht das erste Team, das unverhofft runter muss. Es ist einfach unklar, ob schon in allen Köpfen das Wort Abstiegskampf angekommen ist. Immerhin konnte die Abwärtsspirale nach vier Niederlagen und nur einem Punkt in den ersten fünf Frühjahrsrunden gestoppt werden. Abstiegskampfmäßige Mittel setzte Canadi aber erst ein, als es gegen Rapid schon fünf vor zwölf war. Oder fünf Punkte vor Grödig, wie jetzt. Aus denen kann man nun am Wochenende acht machen – wenn es wirklich verinnerlicht ist, worum es hier geht.
Die Rieder müssen es durchziehen
Natürlich rutscht ein Team wie die SV Ried, in etwa die Nummer fünfeinhalb im Fußballösterreich der letzten Jahre, nicht ohne Grund hinten rein. Nur gab man im Frühjahr schon zwei Mal eine Zweitoreführung gegen die (zu dem Zeitpunkt) direkte Konkurrenz aus der Hand. Gegen Sturm und die Austria, auch wenn es knapp und unglücklich war, darf man schon verlieren. Es geht eben mehr um die Punkte, die man verlor, als man nicht verlor. Ein Remis ist keine Punkteteilung; da trügt der Mediensprech. Zwei Zweitoreführungen aus der Hand geben ist übel. Im Hättiwariland ist Ried damit mit acht Zählern Vorsprung auf den Letzten gar vor dem SK Sturm. „Es ist schwierig, wir haben einen Spagat zwischen noch Ruhe bewahren und der Abwärtsspirale mit mangelnden Punkten aus den letzten Spielen“, sagte Paul Gludovatz nach dem durch Standards verlorenen Spiel gegen Altach – einen direkten Konkurrenten. Er hat Recht. Die Mannschaft braucht einen weiteren Sieg, den gibt es nur, wenn man ruhig und kontinuierlich arbeitet. Denn ein Triumph über Red Bull Salzburg ist schön. Wer in den nächsten fünf Runden aber nur zwei Pünktchen holt, hätte sich den auch sparen können.
Mit einem Grödiger Abstieg hätte niemand ein Problem
Steile These? Viel Wiederspruch wird wohl nicht kommen, zumindest quantitativ. Seit dem Aufstieg hat Grödigs Haas das Ziel, den Zuschauerzuspruch zu steigern. Sogar eine Europa-League-Qualifikation wurde geschafft. Und der Zuschauerschnitt? Der stagnierte, um es vornehm auszudrücken. Sogar in Liga zwei haben nur vier Vereine weniger Zuschauer. Was spricht für die Grödiger? Recht wenig. Kaum ein Kicker bleibt dort einen Tag länger, als er irgendwie muss. Von begeisterndem Fußball unter Adi Hütter ist man so weit entfernt, wie Trainer Schöttel in seiner aktiven Zeit von der Torjägerkrone. Wenn man wenigstens mit wehenden Fahnen unterginge! Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde sogar ein Trainerwechsel helfen. Aber wer tut sich Grödig an? Aber möglicherweise ist der Abgesang auf die Dorfkicker noch zu früh. Schon 2008/09, nach dem Abstieg aus der zweiten Leistungsklasse, erzählte Manager Christian Haas, sei er komplett alleine in der Geschäftsstelle gesessen, kam eindrucksvoll zurück. Und einen eindrucksvollen Kraftakt muss man auch im letzten Meisterschaftsviertel hinlegen, will man irgendwen noch hinter sich lassen.
Nicht nur am oberen Ende der Tabelle ist alles knapp. Wie schon 2012/13, als der SV Mattersburg abstieg und die letzten vier Teams nur durch einen Punkt und verschiedene Torverhältnisse getrennt waren, kann es bis zum Schluss sehr knapp werden. Die Frage ist: Tritt ein, was sich die meisten Fußballfans seit Jahren wünschen und der SV Grödig steigt ab – oder der WAC, der für Fehler der Vergangenheit büßt? Oder erwischt es den westlichen Außenposten der Liga, weil man zu lange aufs Punkten vergaß? Es könnten jedoch auch die Rieder sein, die von vielen kleineren Vereinen als Vorbild gesehen werden.
Und jetzt seid ihr dran? Wer steigt ab und warum?