Tschechische Liga: Prag jagt Pilsen
Viele europäischen Ligen dürften klare Meisterschaftsfavoriten haben. Nich so die tschechische ePojisteni.cz liga. Hier haben Titelträger Viktoria Pilsen, Sparta und Slavia Prag gute Chancen auf den Titel. 90minuten.at präsentiert kompakt alles Wissenswer
Wer verteidigt den Meistertitel?
In der vergangenen Saison gewann Viktoria Pilsen die tschechische Meisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung vor Sparta Prag. Es war bereits der zweite Titel in Folge und der vierte seit 2011, allerdings sind die Pilsener noch weit von den zwölf Meisterschaften des Rekordhalters Sparta entfernt.
Welche Teams sind neu in der Liga?
Den Aufstieg aus der zweiklassigen Fotbalová národní liga schafften im Sommer der FC Hradec Králové und der MFK OKD Karviná. Hradec Králové gewann 1960 die tschechoslowakische Meisterschaft sowie 1995 den tschechischen Pokal und kehrt nach dem Abstieg im Sommer 2015 nach nur einem Jahr wieder in die erste Liga zurück. Karviná ist das Ergebnis der Fusion von insgesamt vier Vereinen der Region, wobei der letzte Zusammenschluss im Jahr 2003 stattfand. Durch Aufstiege und Lizenzkäufe arbeitete sich der Club seither von der fünften Liga nach oben und spielt aktuell zum ersten Mal in der obersten Spielklasse.
Wer sind die Favoriten auf die Meisterschaft?
Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ligen bleibt den tschechischen Fußballfans wohl der Durchmarsch eines Clubs erspart. Denn sowohl Viktoria Pilsen als auch Sparta Prag können den Titel erringen, wobei auch Slavia Prag zumindest Außenseiterchancen hat. Admira-Gegner Slovan Liberec ist eher Ligadurchschnitt.
Wer sind die Stars der Liga?
Jeweils drei tschechische EM-Teilnehmer spielen bei Viktoria Pilsen und Sparta Prag: David Lafata, Bořek Dočkal und Josef Šural auf Seiten von Sparta, David Limberský, Daniel Kolář und Roman Hubník bei den Pilsenern. Letztere haben auch den slowakischen Nationalstürmer Michal Ďuriš unter Vertrag.
Wer sind die Top-Transfers?
Sparta Prag musste mit Ladislav Krejcí einen der derzeit hoffnungsvollsten tschechischen Spieler abgeben, kassierte für ihn aber vier Millionen Euro vom FC Bologna. Außerdem füllte der Abgang vom Sturmtalent Patrik Schick zu Sampdoria Genua die Taschen der Hauptstädter mit weiteren vier Millionen Euro. Das Geld blieb allerdings bislang ungenutzt, bis auf den Nationalspieler Michal Kadlec, der ablösefrei von Fenerbahçe Istanbul kam, verzeichnete Sparta keine Zugänge. Auch Meister Viktoria Pilsen hielt es nicht für nötig, sich zu verstärken. Und so tätigte Slavia Prag die teuersten Transfers des Sommers: Für 1,2 Millionen Euro kam Gino von Kessel, der aktuelle Torschützenkönig der slowakischen Liga, von AS Trencin, außerdem wurde Michael Ngadeu-Ngadjui für 500.000 Euro vom rumänischen Club FC Botoșani geholt.
Und wer sind die namhaftesten Trainer?
Meister Viktoria Pilsen hat seit dem Sommer einen neuen Trainer, den vor allem Fans von Rapid Wien kennen könnten. Roman Pivarník war nämlich zwischen 1994 und 1997 bei den Hütteldorfern als Spieler aktiv und gewann mit ihnen 1995 den Pokal und 1996 die Meisterschaft. Im Jahr 2006 kehrte er als Trainer nach Wien zurück und wurde Co-Trainer von Rapid-Coach Georg Zellhofer. Als dieser im August 2006 entlassen wurde, war Pivarník für eine Woche Interimstrainer.
Michal Hipp, der neue Coach vom FC Vysočina Jihlava, war zwei Mal, nämlich von 2003 bis 2006 und von 2008 bis 2012, Co-Trainer der slowakischen Nationalmannschaft. Im Februar 2012 übernahm er dann für eine Partie das Amt des Cheftrainers, weil Vladímír Weiss nach dem Scheitern in der Qualifikation zur EURO 2012 zurücktrat. Hipp führte das slowakische Team anschließend in seinem einzigen Länderspiel als Nationaltrainer zu einem 2:1-Sieg in der Türkei.
Welche Fun Facts brauche ich für den Stammtisch?
Den Zungenbrecher-Namen ePojisteni.cz liga trägt die tschechische Liga wegen des neuen Sponsors, einer Online-Versicherungsagentur, die das Namensrecht für zwei Jahre kaufte. Zuvor trug sie zwei Jahre lang den Namen Synot Liga, davor hieß sie lange Gambrinus Liga.
Was ist bisher schon passiert?
Am Wochenende fand der erste Spieltag in der tschechischen Liga statt, eine Prognose über den Saisonverlauf lässt sich daraus allerding noch nicht erstellen – zumal die Partie zwischen Zbrojovka Brünn und Slavia Prag wegen starker Regenfälle abgesagt werden musste.
Wann fallen die Entscheidungen?
In der tschechischen Liga sind 16 Mannschaften vertreten, die jeweils zwei Mal gegeneinander spielen. Folgerichtig hat die Saison 30 Spieltage, der letzte findet am 27. Mai 2017 statt.