Transferfenster: Ein klarer Sieger, zwei Verlierer

Nichts geht mehr: Das Transferfenster ist zu. Österreichs Klubs haben zugeschlagen und abgegeben. Die 90minuten.at-Analyse hat dabei einen eindeutigen Sieger hervorgebracht. Bei zwei Klubs gibt es am „Tag danach“ mehr Fragezeichen als Antworten. Von Georg

 

#DeadlineDay als Hashtag mit dazu gehöriger Grafik, 24 Stunden Dauerfernsehen, Liveticker in den Redaktionen – der letzte Tag des Transferfensters im Sommer war wieder einer, an dem es rund ging. Einerseits fragt sich der geneigte Fußballfan, was Sportdirektoren und Sportgeschäftsführer so den ganzen Sommer machen, wenn monatelang Zeit ist, um Transferbomben zu zünden und diese dann letztlich am 31. August hoch gehen. In Deutschland sprachen sich schon Trainer wie Ottmar Hitzfeld gegen den Deadlineday aus. Im Spiegel meint er: „Für Trainer wäre es ein enormer Vorteil, wenn sie die Zeit bekämen, die Saison vernünftig vorzubereiten. Die Taktik einzustudieren, die Standards, die Spielzüge - das geht alles nicht von heute auf morgen. Ich denke, wenn das Fenster im Juli schließen würde, würden die Preise auch nicht derart explodieren, wie sie das jetzt tun.“

 

Andererseits bescherte der 31. August eine Reihe an interessanten Transfers. Martin Hinteregger geht von Salzburg zu Augsburg; ein Fehdehandschuh in Richtung Ralf Bull. Der heimische Meister holt seinen Ersatz für den zuvor abgewanderten Bernardo in Person von Josip Radosevic halt vom SSC Napoli oder für den verletzten Schwegler aus Liverpool; mit dem klingenden Namen Andre Wisdom. Die Schlusspunkte in einer chaotischen Transferzeit für den Meister.

 

In der Ruhe liegt die Kraft bei Admira, Altach, Mattersburg und Wolfsberg

Der Transfer des 19-jährigen Mittelfeldspielers Zakaria Sanogo war der letzte bei dieser Gruppe an Vereinen. „Mit Sanogo haben wir im Mittelfeld eine weitere Option bekommen“, sagt WAC-Coach auf der WAC-Homepage. Die sonstigen weiteren Optionen bei der Admira, Altach, Mattersburg und Wolfsberg kamen schon früh im Sommer. Altach war mit der Kaderplanung schon früh fertig und ist vermutlich deshalb in bestechender Frühform. Die Idee, sich mit Dimitri Oberlin einen jungen Stürmer von einem Großklub auszuleihen, gefiel auch dem WAC. Philipp Prosenik schlug dort ein.

 



 

Eher nichts tat sich beim SV Mattersburg. Ein paar Spieler wurden abgegeben, beispielsweise Manuel Prietl zu Arminia Bielefeld, drei kamen. Manuel Seidl kehrte aus dem Lavanttal zurück, mit Francesco Lovric holte man einen ÖFB-Youngster aus Stuttgart. Den Transfer von Patrick Farkas verhinderte das Nein von Obmann Pucher. Die Admira, nach wie vor so etwas wie der Zuliefererverein für Wien, baute auch Europacup-bedingt früh um. Zwar funktioniert dort der Kick nicht ganz, aber kleine Klubs haben halt oft den post-Europacupquali-Blues. Das Team, das den Abgang von Defensivstabilisator Christoph Schösswendtner noch nicht verwunden hat, braucht wohl noch. Sitzt die Geldtasche eben nicht locker, muss man mit viel Weitblick versuchen, den Kader zusammen zu basteln. Summa summarum haben die Klubs das passabel geschafft.

 


Warten, beobachten, zuschlagen – Austria Wien, SV Ried, SK Sturm

Es ist bekanntlich noch früh in der Saison und diese drei Vereine verbindet relativ wenig, da finanzielle Möglichkeiten, Philosophien und zu erwartende Endplatzierung nur bedingt vergleichbar sind. Dennoch kann man sie zusammenfassen, denn die Grundzüge des Kaders standen schon länger fest.

 

Ried verstärkte sich letztlich mit Orhan Ademi, der von Eintracht Braunschweig kam, und Stefan Nutz, der von Grödig damals zu Rapid ging und sich dort nicht durchsetzen konnte. Freilich hatte die SV Ried beide schon länger am Radar und nach einem Umbruch und einem schwierigen Saisonstart stehen der trotz seiner erst 24 Jahren erfahrene Ademi (25 Bundesligaeinsätze in Deutschland, dazu 65 Zweitligaspiele ebenda) und Nutz, der in Grödig seine Bundesligatauglichkeit bewiesen hat, gut zu Gesicht.

 

Die Austria hat über verworrene Wege Abdul Kadiri Mohammad aus Ghana geholt. Der 20-jährige Defensivallrounder passt zu den Veilchen und könnte eine Verstärkung sein. Bis hierhin legte die Austria eine passable Transferperiode hin, Pires und Tajouri, die schon früh gekommen sind, sind echte Verstärkungen.

 



 

Bei Sturm hat Sportvorstand Günter Kreissl kräftig umgebaut und wie von Wiener Neustadt gewohnt, fast ohne Geld auszugeben. Von den Neuzugängen hat nur Torwart Daniel Lück noch nicht gespielt, der Rest beweist eindrucksvoll, dass auch eine ziemlich stark umgebaute Mannschaft schnell zusammen finden kann. Mit Philipp Zulechner holte man gestern noch einen Stürmer, bei dem ein bisschen unklar ist, wann und ob er helfen kann; aber in Graz blüht so mancher, der schon fast abgeschrieben war, wieder auf – siehe Deni Alar.

 


Was ist los in St. Pölten?

Nach sechs Spieltagen nur vier Punkte. Wann war ein Aufsteiger zuletzt so schlecht unterwegs? Der WAC hatte in seiner Aufstiegssaison nach sechs Spielen sechs Punkte. Aber es war der SV Kapfenberg, der 2008/09 als Aufsteiger nach sechs Spieltagen nur zwei Zähler am Konto hatte. Neun neue Kicker kamen zum SKN St. Pölten, 13 mussten gehen. Die Story rund um Tomas Wisio und Daniel Beichler ist so bekannt wie unangenehm für die Landeshauptstädter. Dazu kommt, dass mit Cheikhou Dieng ein Offensivwirbelwind nach wenigen Monaten wieder ging.

 

Eine homogene Truppe sieht anders aus, auch wenn das Transferprogramm mit dem Guineischen Stürmer Alhassane Keita aus der Talenteschmiede vom FC Metz, zuletzt auf Zypern bei Ermis Aradippou unter Vertrag, schon am 22. August abgeschlossen war. Überhaupt ist relativ unklar, welche Philosophie Frenkie Schinkels verfolgt. Die gekommenen Kicker sind zumeist Mitte 20, kommen aus beinahe aller Herren Länder und müssen von Coach Karl Daxbacher erst einmal zu einem Team geformt werden.

 

Der Umgang mit Wisio/Beichler, eine Causa, die bei weitem noch nicht ausgestanden ist, ist ohnehin nur ein Sinnbild des Umgangs mit dem Kader in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Die Fluktuation ist nicht erst seit Frenkie Schinkels Antritt im Herbst 2014 hoch, nur wenige Spieler hält es lange in St. Pölten. Zudem tritt nach einem Wechsel zu St. Pölten kaum eine Verbesserung in der Vita der Kicker ein. Angesichts solcher Umstände aber vielleicht nicht wirklich verwunderlich. Auch im jetzigen Kader befindet sich kaum ein Spieler, der für einen Weiterverkauf wirklich interessant sein dürfte.

 

Red Bull Salzburg – Transfer- und Philosophiechaos an der Salzach

Von Liefering A war den Sommer über wenig zu sehen. Mit Naby Keita ging zwar DER Spieler der abgelaufenen Spielzeit zu Leipzig, aber der wäre erstens sowie so nicht wirklich zu halten gewesen, zweitens wollte sich Red Bull Theater wie bei Marcel Sabitzer oder Sadio Mané ersparen. Oscar Garcia bekam dafür einen versierten, erfahrenen und starken Mittelfeldspieler aus der zweiten deutschen Liga (Marc Rzatkowski von St. Pauli), den Schweizer Torschützenkönig Munas Dabbur von den Grasshoppers, „seinen“ Flügelspieler Wanderson, einen jungen Stoßstürmer, einen neuen Linksverteidiger und so weiter.

 

Nun am Ende der Transferzeit und nach dem Champions League-Aus – so unglücklich das auch gewesen sein mag – ging es rund. Garcia zuckte ob des Bernardo-zu-Leipzig-Transfers fast aus, Martin Hinteregger sagte zuvor Leipzig ab, um dann zur Konkurrenz nach Augsburg zu gehen; gestern. Das gesamte Chaos, wohl ausgelöst von Ralf Rangnick, der dann am letzten Transfertag auch noch einen Defensivspieler (Papadopoulos von Bayer) holte und man sich fragt, was er von Bernardo will, hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. Natürlich waren die Hinteregger-Spiele im Sommer ein Bonus, dass er gehen würde, war fast aufgelegt.

 



 

Was sich die Bullen nun aber vorstellen, weiß man nach dieser Transferperiode nicht. Wäre man Liefering A, wäre es doch logischer gewesen, statt Wisdom und Radosevic Liefering „B“-Spieler zu holen, oder? Aber dann bräuchte man vermutlich einen neuen Coach. Darum stellt sich die Frage: Was will man an der Salzach nun eigentlich sein?

 


Ehre wem Ehre gebürt – der Transfersieger heißt SK Rapid Wien

Es ist schon schwer vorstellbar, dass eine Mannschaft, der die tonangebende linke Seite vorne wie hinten wegfällt, diese Abgänge so gut kompensieren kann. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Coach ja ein neuer ist. Von Panikkäufen war Sportvorstand Andreas Müller aber kilometerweit entfernt. Die drei gewichtigen Abgänge Kainz, Stangl, Petsos waren zum Teil schon vorab intern ersetzt, mit den Millionentransfers von Arnor Traustason und Ivan Mocinic sowie den weiteren Neuzgängen (und auch der Kaderausmistung) setzte man ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Erbarmt sich nun noch einer der Stürmer, die viele Vorlagen des Mittelfelds in höherem Ausmaße zu verwerten, dann sieht es gut aus, zumindest noch einen Schritt näher an Red Bull Salzburg ran zu kommen. Ob es dann für die „Mission 33“ reicht, wird sich erst weisen.

 

Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten. Zoran Barisic hätte man eleganter loswerden können. Ob der ausgebootete, Ex-Vizekapitän Mario Sonnleitner noch zum Problem wird, ist nicht absehbar. Auch ist Neo-Coach Büskens noch nicht der endgültige Beweis gelungen, dass man die größte nationale Problemlage bewältigen kann. Gegen sogenannte „Kleine“ wie Altach oder den WAC wurden schon in den ersten sechs Runden wieder einmal fünf Punkte verloren. War das nicht eine der Hauptkritiken an Barsisic, dass er so zumindest den letztjährigen Titel verspielte?

 

 

Dennoch musste man nicht wie letztes Jahr erst Ende August einen wichtigen Abgang, damals Beric, kompensieren. Ein Sommer wie 2014, als man mit Burgstaller, Sabitzer, Boskovic, Trimmel und Boyd gleich fünf Leistungsträger abgab, trat auch nicht ein. Rapid hat das bis hier hin gut gemacht.

 

Fazit

Rapid geht als Sieger im Transferfenster hervor, aber auch Sturm Graz hat unter der Führung von Günter Kreissl vieles richtig gemacht. Bei St. Pölten und Salzburg darf man sich jedoch getrost fragen, ob man überhaupt eine Linie verfolgt? Einer Frage, der wir in den kommenden Wochen nachgehen werden.

 

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