Die Suche nach dem besten Play-Off-System

Bis 8. Dezember will die österreichische Bundesliga eine Entscheidung in Sachen Play-Off-System treffen. Dazu wurde erstmals eine internationale Agentur beauftragt, diese Prozess zu moderieren. 90minuten.at stellt einige Play-Off-Varianten vor, die für Ös

 

Die österreichische Bundesliga geht bei der Suche nach dem optimalen Ligenformat der Zukunft neue Wege. Gemeinsam mit der niederländischen Agentur Hypercube wird derzeit daran gearbeitet, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Play-Off-Systeme zu analysieren und für die Entscheidung, die am 8. Dezember im Rahmen der Bundesliga-Hauptversammlung folgen soll, vorzubereiten. Hypercube hat bereits einige Nationalverbände, die UEFA und Ligenverbände in der Restrukturierung bzw. bei der Suche nach einem Ligenformat professionell unterstützt. Neben dem Format des Play-Offs, das im aktuellen Prozess das Kernstück ist, geht es aber auch unter anderem um die optimalen Ankickzeiten, um Fans vor Ort aber auch vor den Endgeräten optimal zu erreichen.

 

Aktuelle Verteilung der Ligenformate in Europa

 

Neu ist auch, dass in diesem Prozess sämtliche Stakeholder eingebunden sind: Vereine, Verbände, Medienvertreter aber auch zum Beispiel Fans, die die drei Phasen, die vor drei Wochen gestartet wurden, durchlaufen. Dabei wurden in Phase 1 die Meinungen aller Stakeholder berücksichtigt und in eine Matrix eingetragen und dann anonym ausgewertet. Am Ende des Prozesses wird Hypercube in Abstimmung mit der Bundesliga-Führung einen Vorschlag zur Abstimmung vorlegen. Die niederländische Agentur hofft natürlich darauf, dass diesem dann alle Stakeholder zustimmen, da diese ja auch in den Prozess eingebunden werden.

 

90minuten.at hat sich jedenfalls angesehen, welche Play-Off-Varianten in Europa derzeit im Einsatz sind, die für Österreich in Frage kmmen, und welche Vor- und Nachteile daraus entstehen.

 


Das klassische Play-Off-Modell
Das klassische Play-Off-Modell sieht eine Zweiteilung der Meisterschaft vor: In der ersten Phase spielen die 12 Teams jeweils eine Hin- und Rückrunde aus, also 22 Runden. Danach wird die Meisterschaft gesplittet: Die Top 6 spielen und den Titel und die Europa League Plätze, die hinteren 6 Teams spielen um den Klassenerhalt.

Phase 1
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Phase 2
       
Oberes Playoff Unteres Playoff
1   1  
2   2  
3   3  
4   4  
5   5  
6   6  

 

Die Stärken dieses Systems:
• Es gibt zwei Entscheidungspunkte in einer Meisterschaft, die Spannung aufbauen: Zunächst geht es darum, das obere Playoff zu erreichen, in der zweiten Phase geht es dann um die Meisterschaft bzw. den Klassenerhalt.
• Nicht mehr jeder Klub spielt vier Mal gegen jeden anderen Klub. In der zweiten Phase gibt es dann im oberen Play-Off nur noch „Top-Spiele“. (Kehrseite: siehe auch Schwächen des Systems)
• Die zweite Phase hat aus sportlicher Sicht viele ausgeglichene Spiele

 

Die Schwächen des Systems:
• Lässt sich ein „Unteres Play-Off“ (Stichwort: Loser-Play-Off) erfolgreich vermarkten?
• Wie attraktiv sind Spiele im unteren Play-Off?

 

Aktuell haben Länder wie Polen oder Belgien ein derartiges Format.

 


Das klassische System mit Attraktivierung des unteren Play-Offs
Immer wieder sieht man auch eine Adaption des klassischen Play-Offs dahingehend, um das untere Play-Off attraktiver zu gestalten. Das Modell ist generell gleich aufgebaut wie das erste beschriebene Modell: 12 Vereine spielen in der ersten Phase jeweils Hin- und Rückrunde. Danach erfolgt die Teilung in zwei Play-Offs. Bei dieser Variante hat jedoch der Sieger des unteren Play-Offs am Ende der Meisterschaft dann noch die Möglichkeit, in einem K.O.-Duell gegen den dritten des oberen Play-Offs um den letzten EL-Platz zu spielen. Mit dieser Variante erhoffen sich die Ligenverantwortlichen mehr Attraktivität für das untere Play-Off.

 

Phase 1
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Phase 2
       
Oberes Playoff Unteres Playoff
1   1  
2   2  
3   3  
4   4  
5   5  
6   6  

 

Phase 3
   
KO-Duell um EL-Platz
   
   

 

Die Stärken dieses Systems:

· Es gibt zwei Entscheidungspunkte in einer Meisterschaft, die Spannung aufbauen: Zunächst geht es darum, das obere Playoff zu erreichen, in der zweiten Phase geht es dann um die Meisterschaft bzw. den Klassenerhalt.

· Nicht mehr jeder Klub spielt vier Mal gegen jeden anderen Klub. In der zweiten Phase gibt es dann im oberen Play-Off nur noch „Top-Spiele“. (Kehrseite: siehe auch Schwächen des Systems)

· Die zweite Phase hat aus sportlicher Sicht viele ausgeglichene Spiele

· Das untere Play-Off ist attraktiver, weil es um einen EL-Platz geht.

 

Die Schwächen des Systems:

· Möglichkeit der Manipulation: Gegen Ende der ersten Phase könnten Teams, die rund um Platz 5 oder 6 liegen und keine Chance mehr auf den Titel oder EL-Platz haben, absichtlich verlieren, um auf Platz 7 zu landen, um dann im unteren Play-Off noch die Chance auf den EL-Platz zu haben.

· Im unteren Play-Off gibt es nur noch Spiele der "schwächeren" Mannschaften

· Reduktion der sportlichen Leistung, wenn ein Team aus dem unteren Play-Off noch um EL-Platz spielen kann.

 


Das verrückte Duell in Dänemark

Mit Beginn der Saison wurde in Dänemark das Ligenformat umgestellt und die Liga von 12 auf 14 Klubs aufgestockt. Im neuen Modus wird jede Mannschaft nur noch zwei Spiele gegen jeden Gegner austragen. Nach Ablauf dieser Phase spielen die sechs Mannschaften, die die meisten Punkte erzielten den Titel unter sich aus, wobei die Punkte, die sie zuvor in der Liga erzielt haben, erhalten bleiben. Die acht Mannschaften auf den unteren Plätzen hingegen spielen in zwei getrennten Gruppen zu je vier Teams. Die zwei besten jeder Gruppe spielen dann um einen Europa-League-Platz, die zwei schlechteren Teams jeder Gruppe um den Klassenerhalt (siehe Grafik).

 

Entstanden ist dieses System übrigens – wie die Agentur Hypercube erzählt hat – in einer „durchzechten“ Nacht der Ligenführung mit Fanvertretern. Die Fanvertreter haben dann dieses System entwickelt, das dann breite Zustimmung bei allen Ligenvertretern erfahren hat. Das System ist relativ kompliziert, vor allem im unteren Play-Off: Hier können sich Vereine sowohl noch für die Europa League qualifizieren, als auch – trotz Sieg im ersten K.O.-Duell – auch noch absteigen (siehe Grafik).

 

 

Die Stärken dieses Systems:

· Es gibt zwei Entscheidungspunkte in einer Meisterschaft, die Spannung aufbauen: Zunächst geht es darum, das obere Playoff zu erreichen, in der zweiten Phase geht es dann um die Meisterschaft bzw. den Klassenerhalt.

· Nicht mehr jeder Klub spielt vier Mal gegen jeden anderen Klub. In der zweiten Phase gibt es dann im oberen Play-Off nur noch „Top-Spiele“. (Kehrseite: siehe auch Schwächen des Systems)

· Die zweite Phase hat aus sportlicher Sicht viele ausgeglichene Spiele

· Das untere Play-Off ist attraktiver, weil es um einen EL-Platz geht.

 

Die Schwächen des Systems:

· Im unteren Play-Off gibt es nur noch Spiele der "schwächeren" Mannschaften

· Reduktion der sportlichen Leistung, wenn ein Team aus dem unteren Play-Off noch um EL-Platz spielen kann.

· Redkution der sportlichen Leistung, weil viele KO-Spiele die erreichten Punkte aus den ersten zwei Phasen  nicht berücksichtigen.

 

Es gibt auch noch weitere Play-Off-Modelle wie zum Beispiel in Belgien, die aber für eine Liga mit 12 Vereinen nicht wirklich geeignet sind (>>> Hintergrund-Info auf Wikipedia). Unabhängig von diesen Modellen gibt es noch weitere Themen, die zu klären sind: Sollen die vollen Punkte nach der ersten Phase übernommen oder – wie schon einmal in Österreich gehabt – die Punkte nach dem Grunddurchgang etwa halbiert werden? Welche Ankickzeiten sind optimal? Etc.

 

 

 

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