Der Kampf um den unsicheren Europa-League-Platz
Das Gerangel um den vierten Rang kann sich letztlich als vergebene Liebesmüh herausstellen, muss dieser doch hoffen, dass der Cup von einer Mannschaft gewonnen wird, die auf einem der ersten drei Ränge steht. Interessant kann es im Tabellenmittelfeld denn
Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass Wolfsberg, der SKN St. Pölten oder Admira Wacker hinten rein rutschen. Das unterscheidet sie vom SK Sturm. Letzterer mag zwar den Glanz der alten Tage vermissen lassen, ein Wirken abseits des Abstiegsstrudels sollte sich ausgehen. Warum es im Gegensatz zu Altach, Ried und Mattersburg just bei den anderen drei Teams besser gehen wird, versucht 90minuten.at darzulegen.
Admira Wacker – Lederers geheime Gedanken
Man sollte es wieder tunlichst vermeiden, die Südstädter zu unterschätzen. Sicherlich werden die Abgänge vor allem von den Routiniers Rene Schicker oder Christoph Schösswendter schmerzen, auch Talente wie Philipp Maliczek gibt man nicht gerne her. Aber vor einem Jahr gingen dann doch ebenfalls Spieler wie Stephan Auer, Richard Windbichler oder Konstantin Kerschbaumer. Und was ist mit den Totgesagten passiert? Cupfinale, Rang vier. Irgendwie bleibt dann doch immer recht viel erfahrene Qualität da. Dann ist da noch die Akademie, die verlässlich Jahr für Jahr Spieler ausspuckt, die die erste Mannschaft dann verwenden kann.
Die meisten Spieler kennen Oliver Lederer schon seit Jahren. Er kennt die Spieler, weiß was die können. Dieses ewige Kompensieren von Abgängen, gepaart mit einem sehr versierten Trainer ist einfach ein Vorteil, der vor allem gegen das Tabellenende Auswirkungen haben muss. Olvier Lederer wird sich auch für diese Saison etwas überlegt haben, wie man zum Erfolg kommt. Und, das zeigte die abgelaufene, er kann auch adaptieren. Zeigte die Admira vor einem Jahr noch sehr reaktiven Kick, entwickelte man sich zu einer Mannschaft mit mehr Ballbesitz.
Die Admira hat mit fünf nun schon die meisten Bewerbsspiele in den Beinen und man zeigte gegen die bisherigen Vertreter einen inspirierten, offensiv druckvollen Kick. Das kann sich vor allem zum Saisonstart gegen den SVM, den SKN und Altach positiv auswirken. Das können wichtige Punkte sein, sowohl im Kampf ums Stockerl als auch gegen den Abstieg. Es scheint wieder einmal fast alles möglich zu sein in der Südstadt.
90minuten.at-Einschätzung: Rang 3 - 8
WAC – Die nächste Stufe
Es sind eh schon genug Loblieder auf das Duo Pfeifenberger/Ilzer gesungen worden. Die zwei machten aus einer relativ kaputten Truppe eine Mannschaft, die mit diesem Punkteschnitt ganz oben mitgespielt hätte. Nun können und sollen sie zeigen, was in einer ganzen Spielzeit ohne verkorkster Halbsaison möglich ist. Mit der Niederlage im Cup hat man sich da zwar kaum einen Gefallen getan, aber so etwas passiert nun einmal.
Für die Transferzeit galt wieder das Credo: Nur, weil er woanders nicht so stark war, heißt das nicht, dass er uns nicht helfen kann. Also verpflichtete man „Ausschussware“, prominent sind Daniel Offenbacher, Christian Klem, Philipp Prosenik und der – nun wohl etwas finanziell besser situierte – verlorene Sohn Mihret Topcagic, der via Altach aus Kasachstan zurück kam. In Ermangelung einer in Schwung gekommenen Nachwuchsarbeit muss es so gehen. Und das klappte in der Vergangenheit schon recht passabel, man denke an Joachim Standfest oder Michael Liendl. Ansonsten wurde der Kader ausgedünnt, wer nicht helfen kann, fliegt. Ein Manuel Seidl ist da schon gleich die Antithese zu Liendl und Co.
Abwehr und Mittelfeld sollten eine Spur mehr Qualität als letztes Jahr haben. Bleibt noch der Sturm. Ob Prosenik, Hellquist und Trdina Zehn-Tore-Stürmer sind, ist eher unsicher. Aber mit der Stürmermisere ist man nicht alleine. Von den klassischen Neunern her rangierte 15/16 nur Hannes Aigner mit heimischem Pass unter den Top10 der Torschützen. Über das österreichische Stürmerproblem könnte man insofern sowie einen eigenen Artikel schreiben. Aber wenn es der WAC die letzten Jahre unter dem taktisch limitierten Didi Kühbauer schaffte, dann müsste jetzt einfach ein Platz zwischen vier und acht ohne Abstiegssorgen drinnen sein.
90minuten.at-Einschätzung: Rang 4 - 8
SKN St. Pölten – der Aufsteiger, eh klar
Es hat exakt null Bundesligaspiele gebraucht, bis einer der ballesterischen Architekten des St. Pöltner Aufstiegs weg gekauft wurde. Nach nur 17 Erste-Liga-Partien mit sechs Toren und drei Assists war Cheikhou Dieng schon wieder weg. Als Ersatz kam mit Christopher Drazan einer, der schon vor Jahren die Bundesliga berreicherte oder entgeisterte, je nach Lesart. Der Drazan-Transfer passt perfekt zum SKN, der überhaupt ein bisschen die Ecke auf der Party ist, wo die stehen, die etwas zu alt für das Happening waren und mit denen keiner mehr reden wollte. Aber!
Es bringen die Herren Hartl, Thürauer, Grassegger, Dober oder Mader sehr viel Erfahrung mit. Vielleicht weniger in der Anzahl an Spielen in höchsten Spielklassen, vielleicht eher, weil die schon sehr viel erlebt haben. Zum Drüberstreuen gibt es dann mit Kickern wie Jeroen Lumu oder David Stec noch ein paar, die sich vorstellen und so zu besseren Vereinen wechseln können. Dann wäre noch die Sache mit Tomasz Wisio und Daniel Beichler, die laut Fußballergewerkschaft gemobbt wurden und vorerst zur zweiten Mannschaft "befördert" wurden. Wie das ausgehen wird, ist unklar, sportlich spielte Beichler letzte Saison nur eine kleine Rolle; Wisio war zwar Kapitän, wenn fit, kam aber auch auf enden wollend viele Spiele.
Dass Trainer Karl Daxbacher bei seinen letzten zwei Stationen (FAK, LASK) eher unrühmlich und ohne Not gechasst wurde, passt ins Bild der Truppe. Und nachdem er gerade dem LASK den Aufstieg entrissen hatte, gibt es kaum etwas Passenderes als den Saisonauftakt gegen die Austria. Die Truppe ist ausgefuchst, vom Coach bis zu den Ergänzungsspielern und muss als Aufsteiger das Spiel nicht machen. Da passt dann sogar „Sir Karls“ altbackene Taktik dazu. Sie werden nicht absteigen und wenn sie ähnlich wie Admira, Altach oder Grödig recht weit vorne landen sollten, kann nun niemand sagen, man hätte es nicht erwarten können.
90minuten.at-Erwartung: Rang 5 - 9
SK Sturm – Die ewige Foda-Wundertüte
Es ist schon ein bisschen her, als man die Kicker von der Mur noch auf einen fixen Europacupstartplatz tippte. Viel Hoffnung gibt es an der Mur wohl auch dieses Jahr nicht. Goalie weg, Außenverteidiger weg, Innenverteidiger weg, Schick weg, Avdijaj weg. Sturm baut sich um und gerade deshalb wird es schwierig. Aber freilich wird da noch genug Qualität da sein, um im Pulk um Rang 4 mitzuspielen. Und wer weiß, wie das Duo Kreissl/Foda zusammen passt. Kreissl ist ein ausgezeichneter Spielerkenner, Foda nicht mehr der modernste Trainer, aber immerhin einer, der weiß, wie es ginge.
Die Einkäufe wirken klug. Mit Christian Schulz konnte ein 33-jähriger Deutscher geholt werden, der über 350 Spiele in der deutschen Bundesliga absolvierte. Mittelfeldmann Uros Matic (26) kickte zuletzt in der niederländischen zweiten Liga und könnte Fodas erwünschter Box-to-box-Spieler in der Mittelfeldzentrale sein. Für ihn gilt das selbe wie für die Neuzugänge Fabian Koch (27), Stefan Hierländer (25), Philipp Huspek (25) oder Deni Alar (26): Wenn durchstarten, dann jetzt mit Mitte 20.
Immerhin konnten letztes Jahr mit Andreas Gruber und Sandi Lovric endlich einmal wieder Nachwuchskicker eine Duftmarke setzen. Dass man im Gegensatz zur Ligaspitze und der Admira keine zusätzlichen Europacuppartien hat, kann sich für die schwierige Findungsphase im Sommer als Glück erweisen. Zudem hat sich ein Großteil der Fans damit abgefunden, dass der Abstand nicht nur zu Salzburg, sondern auch zu Rapid und Austria einfach weit aufgegangen ist. Wichtiger als der konkrete Tabellenplatz ist wohl der dargebotene Fußball.
90minuten.at-Erwartung: Rang 3 - 7
>>> Siehe auch: Der Abstiegskampf ist eröffnet