Der Grödiger Traum vom Profifußball lebt weiter

Sechs Jahre lang hatte sich der SV Grödig im Profibereich gehalten. Jetzt, ein paar Monate nach dem freiwilligen Rückzug, träumt man wieder vom Profifußball. Von Georg Sander

 

Was bleibt von sechs Jahren Profifußball beim SV Grödig, drei Jahre Erste Liga, drei Jahre Bundesliga? Ein Trainer konnte sich einen Namen machen, Adi Hütter schmiss jüngst Schachtjor Donezk mit seinen Young Boys Bern aus der Champions League-Quali. Einige Ex-Grödiger wie Philipp Huspek sind nach wie vor in der Liga. Ein Europacupabenteuer nach einer auf vielen Ebenen furiosen Aufstiegssaison inklusive Rang drei. Doch es gab auch viele Negativschlagzeilen. Zuschauer blieben aus, der Skandal um Dominique Taboga ist nicht vergessen oder etwa der Ausstieg von Großsponsor Scholz. Und dann waren noch die leeren Ränge, die sich nicht und nicht füllen wollten. Man konnte es nicht verleugnen: Eine gewisse Erleichterung war bei Fans, in Onlineforen und wohl auch ein bisschen bei der schreibenden Zunft zu spüren, als Christian Haas das Ende des Profifußballs nach dem Abstieg vermeldete. Außer Spesen nichts gewesen? Nein, es hört noch nicht auf.

 

Geblieben sind sie alle
„Die Wochen waren turbulent“, sagt Christian Haas wenige Monate nach dem Bundesligaaus im Gespräch mit 90minuten.at. „Wir hatten keine Mannschaft, unsere Sponsorenverträge sind ausgelaufen.“ An Bord geblieben sind sie dann dennoch, auch wenn es nun freilich geringere Summen sind, die in die Mannschaft der Regionalliga West fließen. Doch ein Fußballklub ist freilich nie nur die erste Mannschaft, das sind nie nur 20 Profis. Dazu gehört auch die Nachwuchsabteilung. Rund 180 Kinder kicken beim SV Grödig, viele träumten wohl den Traum, via Grödig dem Vorbild eines Stefan Nutz oder Cican Stankovic zu folgen: Sich beweisen, zu einem großen Klub zu gehen. „Wir hatten eine Informationsveranstaltung“, erzählt Haas. Geblieben sind sie laut Haas alle. Gerade für junge Kicker sei die Regionalliga besser, so der 'Mister Grödig' weiter, da dort das Fußfassen im Erwachsenenbereich einfacher wäre. In der Regionalligamannschaft befinden sich nun „zehn aus der zweiten Mannschaft, es ist ein komplett neues Team.“ Viel Arbeit, das war es.

 

“Format ist nicht finanzierbar”
Die aufgebaute Nachwuchsarbeit ist also nach wie vor am Laufen. Eine gute Nachricht. Zurück zum ungeliebten Bundesligisten. Die Beweggründe für die Entscheidung, nach dem Abstieg einen Abstieg auszulassen und sich in der dritten Leistungsstufe einzuordnen, sind durchaus interessant: „Ich glaube, dass das Format der zweiten Liga in dieser Form nicht finanzierbar ist.“ Das betreffe den Umstand, 20 Profis zu haben, das Fernsehgeld beträgt nicht einmal ein Drittel der Summe, die an Bundesligisten ausgeschüttet wird. Zu wenig, um so viele Kicker vor leeren Rängen gegen Liefering und Kapfenberg spielen zu lassen, noch dazu Dienstags und Freitags; Tage, an denen Arbeitgeber ihre Angestellten wohl eher ungern durchs Land ziehen lassen. „Zwei Millionen Euro braucht man schon“, so der Manager. Diese Summe war nicht aufzubringen.

 

“Da mache ich nicht mit”
Laut Haas ist der Traum von der Bundesliga aber nicht an der eigenen Großmannsucht gescheitert. Dass der ehemalige Großsponsor Scholz sein Fußballengagement – das betraf auch den VfR Aalen – zurück fahren würde, liegt tatsächlich nicht an dem kleinen Salzburger Verein. Es ist und bleibt die Zehnerliga in Leistungsstufe zwei: „Ich habe gesagt: Da mache ich nicht mit.“ An den veränderten Begebenheiten, Stichwort Wartungserlass, liegt es nicht. Die Transparenz, die das Finanzministerium und auch die Medienöffentlichkeit einfordert, ist er laut eigener Aussage als Unternehmer ohnehin gewohnt. Das hat jetzt wenig mit Grödig zu tun, aber es gab ja schon Klubs, die kräftig an Finanzamt und Sozialversicherung nachzahlen mussten oder aberwitzig geringe Budgets veröffentlichten. „Gegen die beschlossene Ausgliederung des Profibereichs kann man sich eh nicht wehren“, sagt der Manager.

 


Die Zeit des Profikicks in Grödig soll nicht vorbei sein
Doch die Zeit des Profikicks in Grödig soll nicht vorbei sein. Auf die Frage, ob die Grödiger bei einem Nicht-Abstieg in der höchsten Liga geblieben wären, sagt Haas selbstbewusst: „Ja.“ Das Antreten in der zweiten Liga scheiterte, sagt er mehrmals mit aller Deutlichkeit, „am Geld und auch am Format.“ In der zweiten Liga gebe es ja derzeit auch „noch weit weniger Zuschauer als wir in der Bundesliga hatten.“ Und weniger als fast keine Zuschauer ist für Grödig dann nicht mehr finanzierbar.

 

Eine Rückkehr ist aber keinesfalls ausgeschlossen. Immerhin, das Stadion schaut von einer Seite nicht schlecht aus. Mittlerweile. Der Kreis derer in Österreich, die ein Stadion mit Rasenheizung und genügend überdachten Plätzen haben, ist ja enden wollend groß. Bei zwölf Bundesligisten, sagen wir einmal inklusive LASK und Wacker Innsbruck, bleiben nicht mehr viele über, die die zu erwartenden hohen Infrastrukturanforderungen künftig stemmen können. Blau Weiß Linz? Das würde sportlich dauern. Der SV Horn hat vermeldet, das mit japanischem Geld tun zu wollen. Die Austria aus Lustenau bräuchte ein zumindest renoviertes Stadion. Vielleicht wäre bei Wattens Geld da. Beim Rest wird das wohl in den nächsten Jahren wohl eher nichts und auch die Regionalligen sind ziemlich ausgedünnt, was potentielle Bundesligisten betrifft. Die geschaffene Infrastruktur in Grödig ist also die mögliche Basis für künftigen Profifußball der Marke Hass.

 

Insofern hofft Christian Haas auf die Ligareform. „Ich schließe nicht aus, dass wir eines Tages wieder zurück kommen. Wir müssen uns aber ansehen, wie die zweite Liga dann aussieht.“ Freilich geht es dann wieder um das Geld. Ein „ordentlicher Sponsor“ müsste da schon her. Ansonsten heißt es zwischenzeitlich einmal, auf das Ende des Jahres zu warten, wie die reformierte zweite Liga dann letzten Endes aussehen wird. Zählt man alles zusammen – Stadion, Erfahrung im Management, mögliche Konkurrenten – schaut es damit gar nicht so schlecht aus.