Der Abstiegskampf ist eröffnet
Einen klaren Abstiegskandidaten gibt es dieses Jahr nicht. Es ist eher die Frage, welche Mannschaft sich einer Negativserie im Zweifelsfall schneller entledigen kann als eine andere. Von Georg Sander
Manche Dinge ergeben sich aus der Logik. Red Bull Salzburg, Rapid und Austria Wien sowie der SK Sturm werden wohl eher nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Es ist des Weiteren kaum zu erwarten, dass der SKN St. Pölten aus der Riege kluger Aufsteiger ausscheren wird, schon gar nicht mit so einem erfahrenen Coach. Beim WAC und der Admira wird Kontinuität groß geschrieben, es herrscht ein Klima mit taktischem Verständnis, dass sich daraus ein Vorteil ergeben sollte. Bleiben der SV Mattersburg, SCR Altach und die SV Ried, wo es an anderen Dingen hakt.
SV Ried – alles neu, mal wieder
Nach der Rückkehr in die Kuschelecke mit Paul Gludovatz musste Stefan Reiter wieder einen neuen Trainer aus dem Hut zaubern. Das ging zuletzt öfters schief, siehe Heinz Fuchsbichler und Helgi Kolvidsson. Diesmal soll es vor allem die Breite im Trainerteam richten. Christian Benbennek kommt aus Deutschland mit, soll die Viererkette installieren und kann mit Thomas Weissenböck und Mario Posch auf zwei Co-Trainer mit UEFA-Pro-Lizenz vertrauen. Ein größeres Handicap scheint sich aber in der Verteidigung aufzutun. Mit neo-Israel-Legionär Bernhard Janeczek und dem zur Austria abgewanderten Petar Filipovic fehlen schon einmal zwei Stammspieler der Defensive. Wie sich da die Neuzugänge schlagen werden, die jünger sind als die abgewanderten Spieler, wird sich weisen.
Es wird an der Form der wenigen Routiniers liegen, wie sich die SV Ried schlagen wird. Mit Thomas Gebauer steht nur ein Spieler ü30 im Kader, Walch (28), Reifeltshammer (28), Fröschl (27) und Prada (27) sind die nächst älteren Spieler. Inwieweit Eslneg, Hart und Bergmann mit ihren 26 Jahren schon Routiniers sind, wird sich weisen. Immerhin kann Benbennek weitgehend auf denselben Kader der Vorsaison zurückgreifen. Dieser aber wiederum bewegte sich aber praktisch die gesamte Saison nahe am zehnten Platz.
Insgesamt ist und bleibt die SV Ried eine Wundertüte; ein nächstes fehlgeschlagenes Trainerexperiment ist wieder drinnen. Ein Ausreißer nach oben wird mit einer taktisch wie personell neu formierten Defensive schwierig, fehlt neben den Gewechselten doch auch noch der defensive Mittelfeldmann Gernot Trauner wegen eines Kreuzbandrisses bis in den Herbst hinein. All diese Faktoren deuten darauf hin, dass es für die Innviertler eher um den Klassenerhalt als um einen Ausreißer nach oben geht – der gelang zuletzt ohnehin vor sechs Jahren mit Rang vier.
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SCR Altach – what's next?
Erste Saison Europacupstartplatz, zweite Saison Abstiegskampf. So weit, so gut. Zeit also für einen Umbruch im Ländle, der es ziemlich in sich hat. Felix Roth, Dominik Hofbauer und Patrick Seeger waren lange wichtige Spieler, Alexander Pöllhuber ein verlässlicher Routinier, Ismael Tajouri konnte von der Bank kommend gut umrühren. Nachdem auf der Abgabenseite mehr Spieler stehen als die zwei echten Zugänge Rechtsverteidiger Emanuel Sakic (von Austria Lustenau) und Offensivspieler Nikola Dovedan (LASK), sowie drei Perspektivspieler, hat Damir Canadi bisweilen einen eher kleinen Kader zur Verfügung.
Und bei den Rheindörflern gilt dasselbe wie auch beim SV Mattersburg: Wenn schon der etwas größere, erfahrenere Kader der letzten Saison nahe am Abstieg taumelt, wie soll das nun gegen die anderen gehen? Das wird wie beim SVM ein weiter Weg zum Klassenerhalt, gerade bei einem in der Breite nicht so gut aufgestellten Kader. Viel Spielraum gibt es nicht, um Verletzte zu ersetzen, bei allem Verständnis für wirtschaftliche Zwänge, die gerade im Ländle sehr penibel eingehalten werden.
Es ist Trainerfuchs Damir Canadi ohne Umschweife zuzutrauen, eine schlagkräftige Truppe auf den Platz zu stellen. Fällt dann aber einer aus, folgt bald der Nächste und es wird dünn. Während beispielsweise die Admira einen großen Fundus vielleicht im Schnitt schwächerer aber vom Niveau ähnlicher Spieler hat, gibt es das in Vorarlberg nicht so in der Form. Und nachdem davon auszugehen ist, dass die Routiniers wie Einserstürmer Hannes Aigner mit Alter nicht weniger Beschwerden bekommen, könnte die Luft am Ende wohl sehr dünn werden. Da müssten erwähnte Perspektivspieler wie Salzburg Dimitri Oberlin oder der von den Veilchen gekommene Nikola Zivotic schon mehr als explodieren.
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SV Mattersburg – ein Co für die schwierigen Phasen
Das zweite Jahr in der Bundesliga ist gemeinhin äußerst schwierig zu spielen, vor allem dann, wenn das Aufstiegsjahr nicht gerade prickelnd war. Am Transfermarkt blieb es ruhig, Mittelfeldfighter Manuel Prietl ging zum deutschen Zweitligisten Arminia Bielefeld. Dafür kehrt Manuel Seidl aus Wolfsberg nachhause zurück. Der spannendste Neuzugang ist demzufolge dann Co-Trainer Kurt Russ, der in den letzten drei Jahren mit den sehr jungen Kapfenberger Falken drei Mal in Folge einen Mittelfeldplatz erreichen konnte. Er soll Ivica Vastic' offensive Ideen wohl defensiv absichern.
Denn satte 70 Gegentore kassierte der SV Mattersburg in der Aufstiegssaison. Das sind 14 mehr als Absteiger SV Grödig und knapp 25 Tore mehr als die anderen neun Bundesligisten im Schnitt. Kein Wunder, dass die Burgenländer ein ziemlich mieser Aufsteiger waren, vor allem im Vergleich zum Rest. Gut zwei Gegentore im Schnitt sind nun einmal eine Absteigerbilanz und in der Heimtabelle war man sowie so Letzter. Insofern wird es ein hartes Stück Arbeit werden, demselben Kader wie im letzten Jahr defensive Stabilität beizubringen. Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konkurrent wieder eine elf Spiele andauernde sieglose Serie hinlegt wie Grödig eher unwahrscheinlich.
Auch ein Blick auf die Testspiele verrät wenig über die Entwicklung. Der SVM verwehrt sich gegen prominente Testspielgegner, bleibt lieber in der Nachbarschaft. Es ist halt trotz der Russ-Verpflichtung wie immer: Das seit Jahren gleiche Stadion, möglichst wenig Transfers, eher so ein wenig Wagenburg im Osten Österreichs. Da steckt strategisch bei eigentlich fast allen andern Mannschaften in der Preisklasse Mattersburgs mehr dahinter, auch wenn die Vorteile der Konkurrenz an anderen Punkten ersichtlich werden. Ried hat einen langatmigen Plan, Altach einen Klassecoach, selbiges betrifft die Admira oder den WAC ebenfalls; der SKN hat mit Daxbacher massive Erfahrung, auch mit einigen wieder-Bundesligaspielern. Es mag wenig explizit gegen den SVM sprechen, aber mehr für die anderen Teams.
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