Austrias Next Ligenformat: Die Ideen der Klubs
Am 9. Dezember soll die Entscheidung um das künftige Ligenformat gefallen sein. In der zweiten Phase des Reformprozesses haben die Klubs Ideen abgeben können, wie das künftige Ligenformat künftig aussehen könnte. Von Michael Fiala
Die österreichische Bundesliga geht bei der Suche nach dem optimalen Ligenformat der Zukunft wie schon vor einigen Tagen erwähnt neue Wege. Gemeinsam mit der niederländischen Agentur Hypercube soll in drei Phasen das neue Ligenformat beschlossen werden. In der ersten Phase wurde daran gearbeitet, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Play-Off-Systeme zu analysieren. In der zweiten Phase haben die Stakeholder der Liga - und darunter natürlich nicht zuletzt die Klubs selbst- Ideen eingebracht, wie das künftige Play-Off-System aussehen könnte - neben allen anderen Faktoren wie Ankickzeiten, etc. Pikanterie am Rande: Bei der letzten Sitzung zum neuen Ligenformat haben nur 16 von 20 Klubs teilgenommen.
Eine Entscheidungsfindung wird von Seiten der Agentur bis Ende November vorbereitet, so dass die Klubs am 9. Dezember über das neue Ligenformat mit so vielen Details wie möglich abstimmen können. Vorgesehen ist natürlich, dass am 9. Dezember bereits eine Vorentscheidung gefallen ist. Abseits des Ligenformats kristallieren sich derzeitauch andere wichtige Themen heraus. Wichtig dabei ist zu erwähnen, dass all diese Ideen derzeit nur Vorschläge sind und gewisse Tendenzen abbilden - eine fixe Entscheidung zu dem einen oder anderen Format oder anderen wichtigen Themen wie Ankickzeiten ist noch nicht gefallen.
Tendenzen - (wie erwähnt: nichts ist fix):
* So soll es in der neuen Bundesliga nur einen Absteiger geben und keinen Relegationsplatz. Hintergrund: Für zwei Aufsteiger aus der neuen zweiten Liga gibt es derzeit zu geringen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Background.
* Ein System mit einem mittleren Play-Off, indem Vereine aus den beiden höchsten Ligen (z.b. die vier schlechtesten Vereine aus der Bundesliga und die vier besten auf der zweiten Liga) zusammengemischt werden, wurde von allen Klubs kategorisch abgelehnt.
* Der Samstag erweist sich Untersuchungen zufolge als ungünstiger TV-Termin, der Sonntag hingegen wird besser wahrgenommen.
* Daher übersiedelt die Bundesliga möglicherweise mit einem Spiel auf den Freitag, ein Spiel am Samstag und drei Spiele am Sonntag, was der Möglichkeit entgegenkommt, wenn mehrere Vereine so wie dieses Jahr in der Europa-League-Gruppenphase spielen. Die neue zweite Liga könnte dafür im Gegenzug eher den Samstag einnehmen.
* In der neuen zweiten Liga werden maximal 3 Amateurklubs zugelassen, der FC Liefering zählt hier nicht dazu, da er weiterhin juristisch als eigenständiger Verein geführt wird. Theoretisch könnten aber die Red Bull Juniors dann aber auch einer der drei Amateurvereine sein. Dem Vernehmen nach hat Red Bull Salzburg aber versichert, keine Ambitionen zu haben, einen zweiten Amateurverein in der zweithöchsten Spielklasse führen zu wollen.
* Die UEFA zeigt sich verhandlungsbereit, um gewisse Champions-League-Spieltag in der späten Phase der Saison auch für Ligen freizugeben. Bisher mussten alle europäische Ligen diese Spieltage frei halten. Das würde einerseits den engen Terminplan etwas entspannen. Eine Möglichkeit wäre daher, englische Runden in einer Champions League Woche um 18:00 oder 19:00 Uhr beginnen zu lassen.
Absgehen von diesen Tendenzen haben die Klubs in der zweiten Phase die Möglichkeit gehabt, eigene Ideen für die Play-Off-Varienten einzubringen.
Alle von den Klubs eingebrachten Ideen sehen vor, dass nach der ersten Phase die Liga in zwei Gruppen (Oberes- und unteres Play-Off) aufgeteilt werden und dass weiterhin zumindest ein Team aus dem unteren Play-Off die Möglichkeit hat, einen EL-Startplatz zu erreichen. Dies soll vor allem dazu dienen, das untere Play-Off attraktiver zu machen, weil alle bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, dass ein unteres Play-Off ohne Anreiz nicht gut zu vermarkten ist - sowohl für die Klubs als auch für die Liga als Ganzes. Wichtig: Da bekanntlich der Cup-Sieger auch einen EL-Startplatz erhält, ist es bei allen Play-Off-Modellen wichtig, den Cup-Sieger bereits VOR dem Start der diversen KO-Phasen zu kennen, um zu wissen, welches Team in die entsprechenden KO-Spiele ziehen muss (Erklärung anhand eines Beispiels bei Variante 1).
Variante 1
Variante 1 sieht nach dem Ende des Play-Offs vor, dass der Drittplatzierte des oberen Play-Offs gegen den Erstplatzierten aus dem unteren Playoff ein KO-Duell mit Hin- und Rückspiel austrägt, um den verbliebenen EL-Startplatz zu ermitteln. Sollte der Cup-Sieger unter den ersten drei Mannschaften nach dem Ober-Play-Off oder zufällig B1 sein, so tritt der Viertplatzierte (A4) zum KO-Duell oder B2 an (Hintergrund: der Cup-Sieger steigt aktuell in einer höheren Runde ein als jene Teams, die sich durch die Meisterschaft qualifziert haben).
Variante 2
Die zweite Variante sieht nach Ende des Play-Offs ein Semifinale vor, in dem zunächst der Dritt- und Viertplatzierte des oberen Play-Offs gegen den jeweils Zweit- und Erstplatzierten des unteren Play-Offs spielen - und zwar in einem Spiel, das Heimrecht liegt bei den Teams aus dem oberen Play-Off. Dem Modell zufolge spielen die beiden Gewinner des Semifinales dann ein "Finale" um den letzten EL-Platz. Offen ist noch, wo dieses Spiel gespielt werden würde: Entweder auf neutralem Platz oder auf dem Platz des im Play-Off besser platzierten Klubs. Auch hier gilt: Sollte der Cup-Sieger aus A1-A4 (oder B1/B2) stammen, so verschieben sich die Teilnehmer für die KO-Spiele um einen Platz nach hinten.
Variante 3
Variante 3 sieht vor, dass der Fünft- und Sechstplatzierte Klub des oberen Play-Offs zunächst ein KO-Duell (Heimrecht für Teams aus oberen Play-Off) gegen die ersten beiden Teams aus dem unteren Play-Off-Spielen. Die Gewinner dieser Duelle spielen dann gegen die Dritt- und Viertplatzieren des oberen Play-Offs ein Semifinale um den letzten EL-Platz. Auch hier gilt wieder die Besonderheit bzgl. Cup-Sieger zu beachten. Ein Team würde dann entsprechend nachrücken.
Variante 4
Variante 4 ist das Modell mit dem größten Risiko für die Top-Vereine, denn es sieht vor, dass auch der Vize-Meister noch um seinen EL-Platz kämpfen muss. In dieser Variante spielen zunächst der Viert-, Fünft- und Sechstplatzierte des oberen Play-Offs sowie der bestplatzierte Klub des unteren Play-Offs eine KO-Phase. Die Gewinner dieser Spiele spielen dann gegen den Zweit- und Drittplatzierten des oberen Playoffs eine weitere KO-Phase um die zwei offenen EL-Plätze. Der Sieger des Finales bekommt den besseren EL-Platz (entspricht dem 2. Platz der Meisterschaft), der Verlierer den schlechteren Platz (entspricht dem dritten Platz der Meisterschaft).
Bei all diesen Modellen ist zudem wichtig zu erwähnen, dass es eine entsprechende Anpassung geben muss, wenn Österreich wieder in den Genuss von fünf Startplätzen kommen sollte. Wichtig ist zudem die erneute Feststellung, dass dies alles "nur" Ideen sind und es auch möglich ist, dass in den kommenden Tagen noch ein ganz anderes Modell entwickelt wird, das zum Zug kommt.
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