‚Die bisherigen Probleme hatten mit Infantino nichts zu tun‘
Ein Aparatschik, der durch die Hilfe von Michel Platini groß geworden ist, sagen die einen. Ein Hoffnungsträger, der die FIFA aus dem Image-Tief führen kann, sagen die anderen. Für ÖFB-Präsident Leo Windtner hat Infantino die Power, eine neue Ära einzuläu
Mit der Wahl von Gianni Infantino zum neuen FIFA-Präsidenten hat ein großer Teil des Weltfußballs neue Hoffnung geschöpft. Doch eigentlich hat seine Amtszeit bereits mit Versprechungen begonnen, die nur allzu sehr an seinen Vorgänger Sepp Blatter erinnern. Der neue FIFA-Chef will die WM auf 40 Teams aufstocken und somit auch für kleinere Verbände ermöglichen. Infantino will zudem die Ausgaben für die einzelnen Nationen um 150 Prozent steigern. Konkret heißt dies: Im Vierjahreszyklus sollen künftig fünf Millionen statt bisher 2,05 Mio. Euro pro Land fließen. Wie sich das mit dem prognostizierten Minus der FIFA ausgehen soll, bleibt offen. Fakt ist: Mehr Geld für alle und schon hat man sich eine Mehrheit gesichert. Das hat unter Blatter schon bestens funktioniert. Eine Taktik, auf die auch Infantino gesetzt hat.
„Die Substanz hat Infantino geschaffen“
ÖFB-Präsident Leo Windtner gehörte zu den klaren Fürsprechern von Infantino. Im Gespräch mit 90minuten.at nach der Wahl klingt das so: „Das Positive ist sicherlich, dass Infantino ein hochprofessioneller Arbeiter und gewaltiger Know-How-Träger im europäischen und internationalen Fußball ist.“ Für Windtner sei nun das Wichtigste, dass Infantino jene Power besitzt, um eine neue Ära einzuläuten. Denn schließlich sei Infantino der wesentliche Erfolgsfaktor für die UEFA gewesen, „in organisatorischer und finanzieller Hinsicht“, so Windtner, der ergänzt: „Das ist ein Hauptverdienst des Gianni Infantino. Ehrlich gesagt war Platini die Gallionsfigur, doch die Substanz hat Infantino geschaffen“. Windtner hofft, dass Infantino auch auf FIFA-Ebene diese Maßstäbe setzen wird.
Doch wie sehr ist Infantinos Vergangenheit ein Problem für ÖFB-Präsident Windtner? Immerhin schreibt der renommierte Journalist und Branchenkenner Tim Röhn über den neuen FIFA-Präsidenten in einer Kolumne in der Welt: „Infantinos Lehrer war Michel Platini, langjähriger Präsident des europäischen Verbands Uefa. Platini steht wegen eines total skurrilen Millionendeals mit Blatter im Abseits, auch er verlor sein Amt. Infantino, bislang Uefa-Generalsekretär, glaubt Platini, dass der Deal sauber gewesens sei, er verteidigt den Franzosen.“
„Probleme spezifisch Platini-Blatter getaktet“
Für Windtner stellen diese dunklen Flecken auf Infantinos Weste kein Problem dar: „Die bisherigen Probleme waren spezifisch Platini-Blatter getaktet und haben ehrlich gesagt mit Infantino nichts zu tun gehabt“, sagt der ÖFB-Chef, der diese Diskussion auch erwartet hätte, wenn ein anderer die Wahl gewonnen hätte: „Ganz egal, wer Präsident geworden wäre, jeder wäre in eine Kategorie hineingeschoben worden. Infantino wird für die Glaubwürdigkeit selbst sorgen müssen, die Voraussetzungen hat er und darauf vertraue ich auch“, sagt Windtner, und ergänzt schlussendlich mit: „Außerdem ist uns ein Schweizer wesentlich näher als Scheich Salman.“