Serie A: Die Dominanz von Juventus könnte vorbei sein

Ende der Woche rollt endlich wieder das Leder im Weltmeisterland von 2006. Es spricht einiges dafür, dass die Serie A spannender wird und auch zumindest einen halben Schritt nach vorne gemacht hat. Mittendrin ist auch ein Österreicher, der seinen Traum le

 

Wenn man einen Blick auf die Transfersummen der höchsten italienischen Spielklasse wirft, fällt auf, dass die Summe der Ausgaben jetzt schon deutlich über jener der vergangen Saison liegt. In der Spielzeit 2014/2015 wurden knapp 428 Millionen Euro für Spieler ausgegeben und 385 Millionen Euro eingenommen. In der aktuellen Transferperiode wurden bereits 464 Millionen Euro für neue Profis investiert und das Fenster hat noch einige Tage geöffnet (alle Zahlen: Quelle transfermarkt.at). Aktuell liegt man mit dieser Zahl im internationalen Vergleich auf Rang zwei. Die Nummer eins ist wenig überraschend die Premier League mit Ausgaben von über 800 Millionen Euro.

 

Es tut sich also was in Italien und dies ist am deutlichsten bei den beiden Mailänder Großclubs, Juventus Turin und AS Roma ersichtlich. Meister Juventus hat sich mit Paulo Dybala, Sami Khedira und Mario Mandzukic bereits sehr namhaft verstärkt. Der AC Milan hat sich mit Carlos Bacca und Luiz Adriano zwei Angreifer von Weltformat gesichert. Inter hat sich Stevan Jovetic von Manchester City geangelt, musste aber Mateo Kovacic zu Real Madrid ziehen lassen und die Roma will Edin Dzeko per Leihe zum neuen Torschützenkönig verhelfen.

 

Abgesehen davon, dass sich die Clubs durch die Neuverpflichtungen sportliche Erfolge erwarten, sollen auch die Zuseher wieder zu Tausenden in die Stadien kommen. Vor allem bei Inter und AC Mailand wurden in den letzten Jahren die Zuseherzahlen aufgrund der sportlichen Talfahrt immer weniger. Einzig der SSC Neapel, der ebenfalls in die Riege der italienischen Topclubs aufgerückt ist, hält sich bisher am Transfermarkt noch sehr bedeckt. Die namhafteste Verpflichtung ist hier wohl Pepe Reina, der von Bayern München für zwei Millionen Euro zurückgeholt wurde.

 

International beachtliche Saison
International waren die italienischen Vereine in der abgelaufenen Saison wirklich beachtlich unterwegs. Fiorentina und Napoli scheiterten erst im Europa-League-Halbfinale und Juventus schaffte es gar ins Finale der Königsklasse. Womöglich war dies auch ein Anreiz für den einen oder anderen Spieler, dass man keinen Bogen mehr um Italien machen muss. Auch am Geld dürfte es nicht mehr scheitern, da sämtliche Großclubs mit sehr liquiden Investoren ausgestattet sind, um den Spielern auch die Gehälter zu zahlen, die sie in anderen Top-Ligen bekommen würden. Nun liegt es an den einzelnen Trainern, dass sich der kleine Aufwärtstrend der Liga bestätigt und die verheißungsvollen Transfers im nächsten Jahr nicht wieder auf der „Abgang"-Seite stehen.

 


Wer wird Meister?
Abgesehen von den strukturellen Besserungen, die man sich erhofft, sollte es auch sportlich wieder spannender werden. In den vergangenen vier Saisonen hieß der Meister stets Juventus Turin – und zwar eindeutig. In der abgelaufenen Saison hatte die „Alte Dame" 17 Punkte Vorsprung auf die Roma. Nur einen Punkt dahinter lag Lazio Rom und weitere fünf Punkte dahinter fand man Fiorentina. Bis zum Tabellenzehnten, dem AC Mailand, findet man neben Inter und Napoli noch Vereine wie Sampdoria Genua (Rang 7), CFC Genua (Rang 6) und den FC Torino (Rang 9). Mit den drei Letztgenannten, ist in der kommenden Saison wohl weniger zu rechnen. Auch die Fiorentina wird es schwer haben, an die guten Leistungen der Vorsaison anzuknüpfen. Als zu schmerzlich werden sich die Abgänge von Stefan Savic (Atletico Madrid), Mohamed Salah (AS Roma) und Mario Gomez (Besiktas Istanbul) entpuppen. Auch bei der Mannschaft rund um Francesco Totti wird es fraglich sein, ob Rudi Garcia wieder Kontinuität bieten kann und wird. Mit Edin Dzeko, Wojciech Szczesny, Mohamed Salah und Victor Ibarbo hat man viel Qualität ausgeliehen, das Alles aber in der relativ kurzen Vorbereitungszeit unter einen Hut zu bringen, dürfte sich als schwierig herausstellen.

 

Schärfster Konkurrent? Milan!
Mit Arturo Vidal, Andrea Pirlo und Carlos Tevez sind dem italienischen Ligakrösus drei einzementierte Säulen in ihrem Spiel verloren gegangen. Trotz der oben genannten Verstärkungen darf man bezweifeln, ob die Dominanz der Turiner in der Spielzeit 2015/2016 weiterhin ungebrochen sein wird. Juventus Turins Mittelfeldspieler Claudio Marchisio hat vor einigen Tagen in einem Interview gemeint, dass der schärfste Konkurrent auf den Titel der AC Mailand sein wird. Tatsächlich ist der Führungsetage des einstigen Weltvereins die Geduld gerissen. Nachdem die Clublegenden Clarence Seedorf und Filippo Inzaghi - vereinfacht gesagt - gescheitert sind, ist nun der Serbe Sinisa Mihajlovic am Werk, der von Sampdoria Genua losgeeist wurde. Der aufgeblähte Kader wurde reduziert und Spieler wie Michael Essien, Robinho, Stephan El-Shaarawy oder Giampaolo Pazzini abgegeben. Mit Carlos Bacca, Luiz Adriano, Alessio Romagnoli und Andrea Bertolacci hat man sich aber stark verstärkt. Das nötige Kleingeld stellt ein thailändischer Investor zur Verfügung.

 

Auch beim Stadtrivalen Inter Mailand gelten ähnliche Vorzeichen. Einen Vorteil dürften die Nerazzurri trotzdem haben. Mit Roberto Mancini haben sie einen Trainer von Weltformat, der in seiner zweiten Saison nun beweisen muss, kann und vermutlich auch wird, warum er in der abgelaufenen Saison stets Geduld für einen geordneten Aufbau gefordert hat. Für Lazio Rom wird es trotz des sehr stark besetzten Mittelfelds wohl schwer werden, mit den genannten Mannschaften mitzuhalten.

 


Ein Österreicher lebt seinen Traum
Mittendrin im Titelkampf wird er wohl nicht sein, der einzige Österreicher in der Serie A. Aber Abseits des Glanzes der italienischen Großclubs ist ein Spieler unterwegs, der auf viel Geld verzichtet hat, um mit einem Club außergewöhnliches zu schaffen. Im Jahr 2008 wechselte Robert Gucher vom GAK zu Frosinone Calcio. Und nun - sieben Jahre später - steht der mittlerweile 24-Jährige als Kapitän der Mannschaft in der Serie A. In der abgelaufenen Saison wurde Gucher zum besten Mittelfeldspieler der Serie B gewählt und schnell kamen Gerüchte auf, wonach beispielsweise Lazio Rom und Sampdoria Genua Interesse am flinken Fädenzieher gezeigt hätten. Um den Titel wird er bei weitem nicht mitspielen; es gibt andere Ziele. In einem Interview auf 12termann.at sagte Gucher vor einigen Wochen: „Es reizt mich einfach alles an der Serie A – zum Beispiel, dass du dich mit Teams wie Juventus Turin oder AC Mailand messen kannst. Oder auch die Möglichkeit im Olympiastadion auflaufen zu können, ein Stadion, das ich bislang nur als Zuschauer für Serie-A- und Champions League-Spiele besucht habe". Allerdings stehen die Zeichen für den Aufsteiger nicht unbedingt gut. Anders als in Österreich gibt es in Italien den bekannten Aufsteiger-Effekt nicht in dieser Form. In den letzten drei Saisonen ist immer ein Aufsteiger gleich wieder abgestiegen.

 


-Ritiro San Donato: SERIE A 2015/'16- Trainingslager San Donato: SERIE A 2015/16

Posted by Robert Gucher on Montag, 27. Juli 2015

 

Fazit
Womöglich erleben wir in der Saison 2015/2016 wieder spannenden Fußball aus dem einst so glanzvollen Fußball-Staat und hören nicht nur Nachrichten über Hausdurchsuchungen und Spielmanipulationen. Das Land benötigt unbedingt wieder Erfolgserlebnisse am Stück, um den schlechten Ruf, der teilweise vorherrscht, ein wenig entgegenzuwirken. Die Probleme, die es mit Rassismus in einzelnen Clubs, Geld oder Wettbetrug gibt, werden die Verantwortlichen wohl einige Zeit beschäftigen. Aber in der Saison 2015/2016 könnte ein kleiner Schritt in Richtung sportliche Weiterentwicklung gemacht werden. Italien hat das Potenzial, um den anderen europäischen Topligen nicht nur hinterherzulaufen, sondern auch Schritt halten zu können. Nun liegt es an den Clubs und vor allem, am italienischen Fussballverband, die nötigen Voraussetzungen zu strukturieren.