Einzelspielerkritik: Pflicht kann so vergnüglich sein

An einem kühlen Frühherbstabend bezwingt Österreichs Fußballnationalteam das mittlere der baltischen Länder (© ORF), den 134. der Weltrangliste, also Lettland, mit 6:0

Begann den Arbeitsabend mit einem pubertärem Ellbogenduell mit Bogdaskins, fiel aber bereits kurz danach auch fußballerisch auf.

Michael Robausch über Marcel Sabitzer

Wechsel mit sofortiger Wirkung. Kam nach einem mit dem richtigen Gespür angetretenen weiten Weg von weit hinten nach ganz vorne ebenfalls zu seinem Premierengoal (76.), so halbwegs halt.

Michael Robausch über Stefan Ilsanker

Von Michael Robausch

 

Cican Stankovic: Dürfte sich nicht nur ob des Spielortes Wals-Siezenheim zu Hause gefühlt haben. Auch die Intensität der Beschäftigung dürfte ihm von seiner Praxis bei RB Salzburg bekannt vorgekommen sein. Nichtsdestotrotz zeichnete der Beschäftigungslose mittels schleißiger Fußarbeit für den einzigen Ansatz eines Gefahrenmoments im Umfeld von Österreichs Gehäuse verantwortlich (30.). Trat danach nicht mehr in Erscheinung, was keinesfalls ihm, sondern der Unzulänglichkeit des Gegners anzulasten war.

Stefan Lainer: Mangels Unterbeschäftigung in der Etappe kam der ihm innewohnende unbändige Zug nach vorne zum Durchbruch. Hinterlief Vordermann Lazaro im Minutentakt und fand sich beinahe in Permanenz auf Tuchfühlung mit des Gegners Cornerfahne. Animierte duch eine an ihm vollzogene Umarmung durch Lettlands Debütanten Bogdaskins Referee Hennessy zu einem Elfmeterpfiff (52.). Einen kernigen Flachschuss zehn Minuten konnte Keeper Steinbors, Lettlands Bester, zwar nicht festhalten (62.), die Abwesenheit eines österreichischen Nutznießers, hielt den Schaden aus lettischer Sicht in Grenzen. Grimmig und vor Entschlossenheit schier platzend bis zum guten Ende.

Aleksandar Dragovic: Blieb gemeinsam mit Hinteregger als einziger ÖFB-Feldspieler vorrangig zu defensiver Haltung verdonnert. Gelegentliche Ansätze lettischen Aufmuckens, zumeist in Person von Einzelgänger Gutkovskis, erstickte der Leverkusener souverän im Keim.

Martin Hinteregger: Als primäre Herausforderung der Innenverteidigung entpuppte sich diesmal das Halten der Konzentration. Dies gelang auch dem Frankfurter mit Bravour. Für Abwechslung sorgte Möglichkeit, sich zumindest anlässlich von Cornergelegenheiten nach vorne absentieren zu dürfen.

Andreas Ulmer: Bot, einen Durchbruch androhend, dem Letten Petersons sein Trikot erfolgreich zum Stresstest an, und verschaffte Österreich so eine Freistoßgelegenheit in aussichtsreicher Lage (5.). Diese frühe Episode war Programm: Wie Kollege Lainer auf der anderen Seite im unternehmungslustigen Vorwärtsgang, dem beinahe ein Moment der Unbarmherzigkeit innewohnte. in seinem Drang nach Balleroberung unnachgiebig bis zum Abwinken.

Julian Baumgartlinger: Ausbügler und Herr des zweiten Balls. Von Alabas Corner getroffen, war der Kopfball des Kapitäns eine leichte Beute für Lettlands Keeper Steinbors (11.). Dass sogar er fallweise an der lettischen Grundlinie auftauchte, war einer der besseren Beweise für die Übermacht der Heimischen. Dieser Abend erlaubte es dem Stürmer-Gen beinahe eines jeden Österreichers, fröhliche Urstände zu feiern.

Konrad Laimer: Der frische Leipziger gab den etwas offensiver orientierten Sechser der Foda-Formation, absolvierte ein Arbeitspensum Stachanow'scher Dimension. Versetzte den unglücklichen Bogdaskins durch seine pressende Präsenz in einen derartigen Schockzustand, das dieser Arnautovic Österreichs Führung vor die Beine stolperte (7.). Physische Präsenz war es auch, die ihm in der Schlussphase den Raum für das 5:0 (80.), und damit seinen ersten Teamtreffer verschaffte.

Valentino Lazaro: Mit unübersehbarer Lust zur Präsenz, füllte der frischgebackene Mailänder die rechte ÖFB-Offensivzone mit selbstbewusster Spielfreude und Dynamik. Verbreitete kurz vor der Pause durch eine Rochade mit Alaba für zusätzliche Verwirrung in den lettischen Reihen. Das gute Verständnis mit Arnautovic und Sabitzer produzierte Momente fluider Kombinatorik. Im Fortgang der Partie begann sein Glanz zu verblassen, ein fehlgehender Kopfball war seine letzte Aktion (69.).

Marcel Sabitzer: Begann den Arbeitsabend mit einem pubertärem Ellbogenduell mit Bogdaskins, fiel aber bereits kurz danach auch fußballerisch auf. Sein vielverprechend tempierter Freistoß forderte Steinbors einen Beweis seiner Klasse ab (5.). Der Mann hinter Arnautovic scheint seine Teamhemmung abgestreift zu haben, setzte den Aufwärtstrend der letzten Partien fort. Dafür sprach unter anderem sein entscheidungsfreudiger Weitschuss, der, hinterhältig ausscherend, als 2:0 endete (13.). Fühlte sich besonders in den Zwischenlinienräumen pudelwohl, in denen er sich gekonnt bewegte.

David Alaba: Füllte linkerhand, wie zumeist im rotweißroten Umfeld, die vorgezogene Flügelrolle aus, zog fakultativ aber durchaus auch einmal zur Mitte. Beschloss Halbzeit eins dann sogar rechts. Einem griffigen Volley aufs kurze Eck (11.) standen weitere mehr als ordentliche Momente, aber auch altbekannter Präzisionsmangel, besonders auch hinsichtlich seines Flankenspiels, gegenüber. Wusste nach Vorarbeit Lazaros eine glänzende Gelegenheit nicht zu nützen (56.). Vielleicht spricht bei einem Mann seines Kalibers der Maßstab manchmal eine kritischere Sprache.

Marko Arnautovic: Der Weltreisende vollführte eine seiner leichteren Übungen mit Vollendung, als er ein lettisches Präsent zum 1:0 in die Maschen sandte (7.). Sein Teamtor-Ticker stand damit auf der schönen Zahl 25. Zeigte sich gut gelaunt, punktuell gar kämpferisch und mitnichten ermüdet. Wie bei dem ein oder anderen Kollegen vernebelte ein gewisses Übermaß an Verspieltheit phasenweise den Fokus, der Endzweck geriet aus dem Blick. Doppelte in der zweiten Halbzeit mit einem Penalty in Fallbeilmanier nach (53.). Einen dritten Treffer verweigerte nach seriös gezirkeltem Abschluss die Stange (79.).

Michael Gregoritsch (ab 69.): Zunächst als letzte Vorbereiterstation am Ende einer Umschaltstafette via Sabitzer und Arnautovic vor dem 4:0 Ilsankers zu notieren, staubte er wenig später auch noch zum schlussendlichen 6:0 ab (84.).

Stefan Ilsanker (ab 75.): Wechsel mit sofortiger Wirkung. Kam nach einem mit dem richtigen Gespür angetretenen weiten Weg von weit hinten nach ganz vorne ebenfalls zu seinem Premierengoal (76.), so halbwegs halt. Sein Köpfler an die Stange prallte Steinbors erst an den Arm, von dort an die Ferse und kullerte schließlich über die Linie – manche nennen es Eigentor.

Florian Grillitsch (ab 82.): Ein paar Schnaufer Teamluft mehr für den Hoffenheimer, der zuletzt mit Verletzungspech geschlagen war. Sie reichten ihm, um die Eleganz seiner Erscheinung immerhin anzudeuten.

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