Einzelspielerkritik: Eine Pflichtübung ohne Pfiff
Österreichs Nationalteam arbeitete sich im skeptischen Klagenfurt über Slowenien hinweg und verhinderte damit ein frühes Aus in der EM-Qualifikation
Von Michael Robausch
Heinz Lindner: Weitestgehend nur potenziell vorhanden, da so gut wie nie zu Arbeitsnachweisen genötigt. Parierte immerhin nach 50 Minuten einen Kopfball relativ sicher. Auch gelegentliche Abschläge gelangen ohne Komplikationen.
Stefan Lainer: Einer aus einer ganzen Reihe gelernter Außenverteidiger in Fodas Formation. Machte sich zunächst allein statistisch bemerkbar, mit einem ersten Abschluss, dem man das Suffix Tor- jedoch auch bei aller Liebe nicht zuschreiben konnte (10.). Hielt sich angesichts defensiver Unterforderung mitnichten mit angriffigen Akzenten schadlos. Im Finish beinahe fatal vom frisch eingewechselten Beric überrascht, dessen Kopfball er nicht zu verhindern wusste. Doch auch der slowenische Ex-Rapidler schien ob seiner Freiheit verblüfft (81.).
Aleksandar Dragovic: Passiverer Part des Innenverteidiger-Duos. Sein schulmäßiges Tackling gegen Sporar aus der Auftaktviertelstunde hatte zwar ohne weiteres das Potenzial für jedwedes Lehrvideo. Kurz danach jedoch ging seine Einschätzung einer weiten Hereingabe fehl, was Sloweniens Mittelstürmer einen ersten Gefahrenmoment ermöglichte. Kleinere Unsicherheiten sollten ihn in der Folge nicht ganz verlassen.
Martin Hinteregger: Der Eröffner. Wie gewohnt gab der Frankfurter die erste Station in Österreichs Aufbau. Er tat das in Ruhe und mannigfaltig, nämlich kurz- wie weiträumig. Ein Etappenmagnet, den Nebenmänner wie Ball vertrauensvoll suchten und fanden. Raffte sich im Finish der ersten Halbzeit und trotz eines vorhergegangenen heftigen Zusammenpralls mit dem Spielfeld zu einem heroischen Sololauf auf, dem am Ende nur eine Anspielstation fehlte.
Andreas Ulmer: Kollaborierte auf der linken Seite, die sich erst einmal als die deutlich aktivere erweisen sollte, zunächst mit Vordermann David Alaba, ehe der nach rechts verzog. Auch ihn stellten die Slowenen in seiner Kernkompetenz nicht vor unüberwindliche Herausforderungen, der Rest wurde ordnungsgemäß abgearbeitet. Von der Taktik hinsichtlich der Vorwärtsbewegung wie Pendant Lainer offenbar zu äußerster Zurückhaltung verpflichtet, zog seine erste Fühlung mit des Gegners Goal erst nach über einer Stunde an dessen langem Eck vorbei (68.).
Konrad Laimer: Kurzfristig statt Kapitän Baumgartlinger ins Aufgebot gehievt, dem eine akut gewordene Blessur einen Einsatz versagte. Lieferte folglich im defensiven Mittelfeld ein Debüt mit Ansage, durch solides Engagement und wie üblich formidabler Laufleistung versichterte er den Teamchef seines Werts als verlässliches Kadermitglied, auf das zukünftig ohne weiteres gebaut werden kann.
Xaver Schlager: Konnte nach einer halben Stunde das Geschenk der zweiten Chance nicht annehmen. Nach verhungerndem Zuspiel Richtung Arnautovic fand ihn der Ball irgendwie wieder, welchen der Salzburger hernach, allein vor dem Keeper befindlich, in Oblak schob (33.). Harmonierte ordentlich mit seinem Nebenmann Laimer, dem jugendlichen Kumpan aus alten Salzburger Tagen.
Valentino Lazaro: Der wechselwillige Berliner übte sich vor der Pause in heftiger Dezenz. Die einzige Auffälligkeit war seine Rochade von der rechten auf den linken Flügel. Mit zunehmender Spieldauer sukzessiv lebendiger. Traute sich nun das ein oder anderen raumgreifende Dribbling zu, auch wenn er Torgefahr bis zum Ende nicht auszustrahlen vermochte. Seine Elfmeterforderung nach Zweikampf mit Jokic fiel wenig überzeugend aus (55.).
Marcel Sabitzer: Zentrale Kreativkraft im offensiven Mittelfeld, leitete kabinettstückhaft Österreichs bis zu diesem Zeitpunkt gelungensten Zug ein (11.). Umtriebig und mit klar sichtbarem Willen Stempel aufzudrücken, jedoch ein Dreh- und Angelpunkt mit Anwandlungen mangelnder Präzision (25.). Eine solche verhinderte auch die sicher scheinende Führung, als sein Kopfball aus kurzer Distanz nicht das linke Eck fand, sondern in einer Parade Oblaks (und in der Folge der Stange) endete (25.). Sein Engagement verblieb nichtsdestotrotz auf hohem Niveau. Es überraschte, dass er zugunsten Burgstallers das Feld verlassen musste. Die Laune des Leipzigers war darob sichtlich nicht die beste.
David Alaba: Zweifacher Vorbereiter mittels Flankenschlag in der Anfangsphase. Danach wie gewohnt zwar viel unterwegs, doch das Bayern-Niveau blieb ihm im Team auch diesmal versagt. Woran das liegt, könnte bis zum Ende im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben. Jedenfalls mangelte es am Zug zum Tor, fanden auch diesmal zu viele seiner Zuspiele keinen Abnehmer – eines aber doch: Sein gefühlvoller Schupfer auf Arnautovic sollte sich zwei Stationen später in Sloweniens Goal wiederfinden und insofern als Volltreffer entpuppen. Die Pfiffe zum Abgang gingen jedenfalls zu weit.
Marko Arnautovic: Dem frühen Höhepunkt, einem Halfvolley über das Kreuzeck (11.) folgte nicht mehr viel, von so beiläufig wie folgenlos eingestreuten Tricksereien abgesehen, nicht mehr viel. Unser Mann aus West Ham, diesmal mittig und an vorderster Stelle positioniert, fand sich stattdessen zu oft in Zonen wieder, denen es an Kollegenschaft gebrach. Es war eine Isolation, die keinerlei Herrlichkeit zulassen mochte. Hatte sich bereits der Unsichtbarkeit genähert, als doch noch einmal seine Klasse die Oberhand gewann. Mittels Technik und Physis überwand er zwei Gegner, sein Drehschuss war die Ouvertüre für Burgstallers. Es folgte kein Jubel, sondern ein verbales Privatduell (74.)
Guido Burgstaller (ab 71.): Brach gerade drei Minuten nach seiner Hereinnahme den Bann, indem er nach kurzfristiger Rettung Oblaks und Drehung um die eigene Achse in trockener Manier den Führungstreffer und sein zweites Goal im Teamdress markierte (74.). Ein Instinktlaufweg ebnete den den Weg dafür.
Stefan Ilsanker (ab 82.): Verschaffte Laimer den verdienten Abgangsapplaus, kürte Arnautovic mittels gekonntem Bindenwurf zum Kurzzeitkapitän.
Florian Kainz (ab 90.): Erreichte seinen Einsatzort unfallfrei.