Liverpool oder ManCity – oder doch ein anderer Klub?
Heute Abend steigt an der Liverpooler Anfield Road der Auftakt in die neue Saison der englischen Premier League. Die Zeichen stehen exzellent, dass das Rennen um den Titel erneut spannend wird.
Von Alexander Kords
Die Favoriten auf die Meisterschaft: Eine regelrechte Treibjagd war das Meisterschaftsduell in der vergangenen Premier-League-Saison. Manchester City holte schließlich mit einem Punkt Vorsprung den Titel vor dem FC Liverpool. Letzterer hätte mit seinen 97 Zählern in jeder anderen Saison die Meisterschaft gewonnen – musste sich aber dem Team von Pep Guardiola geschlagen geben. Es ist fest damit zu rechnen, dass Liverpool und ManCity auch in der kommenden Saison ganz oben mitspielen werden. Aber auch die üblichen Verdächtigen aus London (FC Chelsea und FC Arsenal) sowie Tottenham Hotspur und Citys Lokalrivale Manchester United werden ein gehörigen Wörtchen im Titelkampf mitsprechen.
Die Kandidaten für Europa: Wenn die Ligaspitze aus sechs Mannschaften besteht, dann bleibt für die meisten von ihnen zwangsläufig „nur“ die Qualifikation für die Champions League. Neben dem Meister darf die Premier League drei Clubs in die europäische Königsklasse schicken, dazu kommt ein Startplatz in der Europa League. Wird noch der eine oder andere Außenseiter nach oben gespült, dann hält die Liga einmal mehr, was sie verspricht: Hochspannung.
Die potentielle Überraschung: Richtig tief in die Tasche gegriffen hat der FC Everton im Sommer. Rund 120 Millionen Euro hat der Club aus Liverpool ausgegeben, um seinen achten Platz aus der Vorsaison noch zu überbieten. Vier Spieler kosteten dabei mehr als 25 Millionen Euro, nämlich der Linksaußen Alex Iwobi (30,4 Millionen Euro, vom FC Arsenal), der Stürmer Moise Kean (27,5 Millionen, von Juventus Turin), der offensive Mittelfeldspieler André Gomes (25 Millionen, vom FC Barcelona) und der defensive Mittelfeldmann Jean-Philippe Gbamin (25 Millionen, von Mainz 05). Dazu stehen im Kader von Everton unter anderem der englische Nationaltorwart Jordan Pickford sowie der Isländer Gylfi Sigurdsson und der Brasilianer Richarlison. Die letzteren beiden schossen in der vergangenen Saison jeweils 14 Ligatore und dürften idealerweise mit Iwobi und Kean einen Traum-Angriff bilden.
Die Stars: In der reichsten Fußballliga der Welt tummeln sich selbstverständlich viele Spieler, für die allein die Fans ins Stadion gehen. Dazu gehört eindeutig das Liverpooler Offensiv-Trio, bestehend aus Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino. In der vergangenen Saison erzielten die drei Spieler zusammen 56 Ligatreffer und damit mehr als die Hälfte des gesamten Teams. Manchester City hat seine Außenstürmer Raheem Sterling und Leroy Sané, Tottenham Hotspur seinen Ausnahme-Angreifer Harry Kane und der FC Arsenal mit Pierre-Emerick Aubameyang den Spieler, der in der vergangenen Saison mit 22 Toren neben Salah und Mané Torschützenkönig der Premier League wurde. Stars muss man also in Englands Spitzenliga nicht lange suchen.
Die Top-Transfers: Natürlich haben die großen Clubs aus der Premier League erneut viel Geld in die Hand genommen, um ihre Mannschaften zu verstärken. Ein wenig überraschend dabei: Der teuerste Neuzugang des Sommers war kein Offensivspieler, sondern ein Innenverteidiger. Harry Maguire verließ Leicester City und schloss sich für 87 Millionen Euro Manchester United an. Die Summe macht ihn zudem zum teuersten Verteidiger der Welt. Ob sie der 26-Jährige wirklich wert ist, muss sich jedoch erst beweisen. Schließlich ist der bislang größte Erfolg seiner Karriere der Aufstieg in die Premier League mit Hull City im Jahr 2016. Immerhin stand Maguire schon 20 Mal für die englische Nationalmannschaft auf dem Rasen. Auch der FC Arsenal stellte im Sommer einen Rekord auf: Er machte den Flügelstürmer Nicolas Pépé zum teuersten afrikanischen Spieler aller Zeiten. Für den Nationalspieler der Elfenbeinküste zahlte der Londoner Club 80 Millionen Euro an den OSC Lille. Und auch der Meister Manchester City hat standesgemäß auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Sein teuerster Einkauf des Sommers war der defensive Mittelfeldspieler Rodri, den Spanier, der zuvor bei Atlético Madrid spielte, ließen sich die Citizens 70 Millionen Euro kosten. Hinzu kommt aus österreichischer Sicht noch ein erfreilicher Transfer: Hasenhüttls Southampton verpflichtete Augsburgs Kevin Danso. Ein neuer ÖFB-Legionär also in der Premier League..
Der Zeitplan: Die Saison eröffnet der Vizemeister FC Liverpool mit seinem Heimspiel gegen Norwich City am 9. August 2019. Beendet ist die Spielzeit am 17. Mai 2020, wenn der 38. Spieltag auf dem Programm steht. Im Februar 2020 wird die Premier League mit einer langen Tradition brechen und erstmals eine Art Winterpause machen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Spielbetrieb stillsteht. Es werden noch immer Partien stattfinden, jeder Club erhält aber eine individuelle Pause von zwei Wochen. Diese soll vor allem den im Europapokal startenden Teams eine Verschnaufpause gewähren, bevor es in den Wettbewerben in die heiße Phase geht. Und auf den liebgewonnenen Premier-League-Fußball am zweiten Weihnachtsfeiertag und zu Neujahr muss glücklicherweise nicht verzichtet werden.
Die Highlight-Partien: Der 9. November 2019 dürfte dick im Kalender vieler Fußballfans in aller Welt markiert sein. An diesem Tag treffen nämlich der FC Liverpool und Manchester City an der Anfield Road aufeinander. Das Rückspiel in Manchester steigt dann am 4. April 2020. Weitere Highlights der Premier-League-Saison sind das Londoner Derby am 28. Dezember 2019 (beim FC Arsenal) und am 22. Februar 2020 (beim FC Chelsea) sowie das Stadtduell in Manchester am 7. Dezember 2019 (bei ManCity) und am 7. März 2020 (bei ManUnited).