'Die Jungen googeln keine Telefonnummer'
Die Medienlandschaft ist bekanntlich im Wandel. Gab es bis vor nicht allzu langer Zeit nur TV, Radio und Zeitung, so sind die Vereine quasi gezwungen, auf Facebook, Twitter, Snapchat und Co. unterwegs zu sein. Von Georg Sander
Die Vereine der Bundesliga handhaben Social Media unterschiedlich. Eine Homepage haben sie fast alle, aber die Auftritte sind sehr verschieden. Während etwa der Wolfsberger AC mit launigen Tweets auffällt, Sturm gerne Gifs postet und die Austria Videos, verzichtet der SV Mattersburg fast zur Gänze auf diese Kanäle.
90Minuten.at hat bei Daniel Roßmann, beim WAC dafür zuständig, nachgefragt: „Es hat eine Zeit gegeben, da hieß es, dass man ohne Website nicht existiert. Jetzt ist das so mit den Social Media-Kanälen. Du erreichst die Jungen nicht über die Zeitung. Auch immer weniger im Fernsehen.“
Kein Ausspielkanal
Bei Roßmann passieren die Tweets, die dann zum Teil tatsächlich um die Welt gehen, mehr oder weniger: „Wenn mir etwas gutes einfällt, poste ich es, ich denke viel darüber nach, was gut ankommen könnte.“ Ein reiner Ausspielkanal darf beispielsweise Twitter nicht sein. Nur Aufstellungen und Spielstände sollten nicht gepostet werden, meint Roßmann.
„Wir durchforsten die Kanäle nach Kritik, haben auch die Nachrichten auf Facebook freigeschalten. Wir antworten immer, fast zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wir wollen dieses Feedback und wollen reagieren. Wenn wir ein Spiel in Wolfsberg haben und es schüttet und es ist irgendetwas am Parkplatz, dann lesen wir das online und können gleich drauf reagieren.“
Ein Verein wie Rapid muss nicht durch Witz und Sarkasmus auffallen.
Glaubwürdigkeit als höchstes Gut
Freilich gehört zu einem guten Social Media-Auftritt auch die Persönlichkeit der Person oder des Teams, das diesen betreut. Hinzu kommt, dass der Verein sich, seine Philosophie und gewisse Grundsätze des menschlichen Miteinanders beachtet. „Ein Verein wie Rapid muss nicht durch Witz und Sarkasmus auffallen. Und wenn wir ab der ersten Runde gegen den Abstieg spielen, traue ich mich nicht, lustig zu sein.“
Dazu kommen eben No-Gos: „Es gibt Grenzen, wie etwa, dass wir keine negativen Wörter über den Gegner, den Schiedsrichter, Sponsoren verlieren. Oder über die Politik. Gewaltaufrufe, Homophobie, Sexismus, Rassismus und sonstige Diskriminierungen löschen wir kommentarlos und die Leute werden geblockt.“ Der Fan hat dafür sowie so ein Gespür: „Wenn wir gegen die Admira 5:1 verlieren, kann ich das ja nicht schön schreiben; aber man wird sich nicht selber runter schreiben. Das machen die Medien und der Fan würde das ja merken. Ich kann ja nicht schreiben „Der WAC ist super“ und alle 35. 000 Facebookfans stimmen zu.“
>>> Kann der Twitter-Account mit Geld aufgewogen werden? Wie kritisch soll der Verein sich gegenüber sein? Wie erreicht der WAC die jungen Fans? Das und mehr beantwortet Daniel Roßmann im ausführlichen Interview auf business.90minuten.at