Startschuss in der Ligue 1: Macht Paris es diesmal besser?
20 französische Teams kämpfen ab dem 4. August um Meisterschaft und Europacup-Qualifikation sowie gegen den Abstieg. Wir schauen uns die Ligue 1 kurz vor Saisonstart mal genauer an. Von Alexander Kords.
Der Titelverteidiger:
Entgegen der Tipps vieler Experten holte in der vergangenen Saison nicht Paris Saint-Germain den Titel in Frankreich, sondern der AS Monaco. Acht Punkte lagen am Ende der Spielzeit zwischen dem Meister und dem Vize, außerdem erzielte Monaco mit 107 Liga-Toren satte 24 mehr als Paris.
Die Favoriten:
Das erste Kräftemessen zwischen den beiden Top-Favoriten auf die französische Meisterschaft hat bereits stattgefunden: Im Supercup besiegte Paris am 29. Juli den AS Monaco mit 2:1. Die Hauptstädter dürften auch in der Liga die Nase vorn haben, schließlich verfügen sie erneut über den teuersten Kader aller Teams. Noch dazu büßte Monaco durch die Abgänge von Benjamin Mendy, Bernardo Silva und Tiemoué Bakayoko eine Menge Qualität ein. Andererseits: Auch vor der vergangenen Saison holte PSG den Supercup – und wer dann Meister wurde, ist bekannt... Nicht mehr als Außenseiter-Chancen haben wohl Olympique Lyon und der OGC Nizza.
Die Neulinge:
Drei Teams sind neu in die Ligue 1 gekommen: Racing Straßbourg, der SC Amiens und ES Troyes. Die Straßburger schafften dabei den Sprung ins Oberhaus dank ihres Meistertitels in der Ligue 2. Die Elsässer mussten im Jahr 2011 Insolvenz anmelden und wurden in die fünfte Liga versetzt. Nach mehreren Aufstiegen ist der französische Meister von 1979 nun wieder ganz oben angekommen. Erstklassig war der SC Amiens auch schon mal, allerdings ist das schon über 70 Jahre her. Von 1941 bis 1943 nahm der Club an den französischen Kriegsmeisterschaften teil. Immerhin schaffte Amiens im Jahr 2001 den Einzug ins Pokal-Endspiel, verlor dort aber gegen Straßbourg im Elfmeterschießen. Als dritter Aufsteiger vervollständigt ES Troyes die Ligue 1. Das Team aus der Champagne setzte sich im Play-off gegen den FC Lorient durch, der die vergangene Ligue-1-Saison als 18. beendet hatte. Troyes ist eine klassische Fahrstuhl-Mannschaft: Seit 2000 stieg der Club vier Mal aus der ersten Liga ab – nur um wenige Jahre später wieder zurückzukehren. Erst im Sommer 2016 stand der nächste Abstieg an, nach nur einem Jahr kehrt das Team als nun wieder zurück. Übrigens lagen in der Abschlusstabelle der Ligue 2 nur drei Punkte zwischen dem Ersten und dem Sechsten. Mit ein bisschen mehr Glück hätte also auch der RC Lens, Stade Brest oder Olympique Nîmes den Aufstieg schaffen können.
Die teuersten Transfers:
Einige der teuersten Spieler des Sommers verließen die Ligue 1 in Richtung englische Premier League oder (im Fall von Bayern Münchens Neuen Corentin Tolisso) deutsche Bundesliga. Allerdings gaben die französischen Top-Teams auch einiges an Geld für neues Personal aus. Den Vogel schoss dabei natürlich Paris Saint-Germain ab. Der Einkauf des Brasilianers Neymar vom FC Barcelona um 222 Millionen Euro bedeutet einen neuen astronomischen Rekord in Sachen Transfersumme. Zuvor hatten die Hauptstädter geradezu zurückhaltend auf dem Transfermarkt agiert, kostete sie doch bis dato nur der Spanier Yuri Berchiche die Hauptstädter Geld – dann aber immerhin gleich 16 Millionen Euro, die aufs Konto von Real Sociedad überwiesen werden mussten. Dani Alves, der dritte Top-Neuzugang der Pariser, kam dagegen ablösefrei von Juventus Turin. Meister AS Monaco hatte vor dem Neymar-Transfer das meiste Geld für einen Spieler in diesem Sommer ausgegeben, nämlich 25 Millionen Euro für den belgischen Mittelfeldspieler Youri Tielemans vom RSC Anderlecht. Einige Transfers über zehn Millionen Euro tätigten auch Ligue-1-Clubs, die nicht unbedingt zum Favoritenkreis zählen. So kaufte Stade Rennes den 19-jährigen Senegalesen Ismaïla Sarr um 17 Millionen Euro vom FC Metz, und OSC Lille verpflichtete den 20 Jahre alten Brasilianer Thiago Maia um 14 Millionen Euro vom FC Santos.
Die Stars:
Der Marktwert des Kaders von Paris Saint-Germain liegt laut Transfermarkt.de bei knapp 500 Millionen Euro, der vom AS Monaco beträgt ziemlich genau die Hälfte. Also dürfte klar sein, wo die Stars der Liga zu finden sind. Allein die Offensivabteilung der Hauptstädter ist gespickt mit wohlklingenden Namen wie Edinson Cavani, Marco Verratti, Ángel di María, Lucas, Julian Draxler und neuerdings auch Neymar. Der Senkrechtstarter der vergangenen Spielzeit steht aber bei einem anderen Club unter Vertrag: Der erst 18-jährige Stürmer Kylian Mbappé vom AS Monaco erzielte nicht nur 15 Treffer in der Liga, sondern auch sechs in der Champions League. Kein Wunder also, dass sämtliche Spitzenteams Europas ihre Fühler nach dem Top-Talent ausstrecken.
Die bekanntesten Trainer:
Am leitenden Personal an der Seitenlinie hat sich bei den 20 Clubs der Ligue 1 im Vergleich zur vorherigen Saison kaum etwas getan. Lediglich vier neue Coaches unterschrieben im Sommer ihre Arbeitspapiere. Der bekannteste unter ihnen ist ohne Zweifel Claudio Ranieri, der beim FC Nantes Sérgio Conceição beerbt hat. Ranieri war im vergangenen Sommer mit Leicester City sensationell englischer Meister geworden, wurde wenige Monate später aber wegen Erfolglosigkeit entlassen. Mit Óscar García hat auch ein alter Bekannter in der Ligue 1 angeheuert. Der Ex-Salzburg-Coach hat Mitte Juni sein Engagement beim AS Saint-Étienne begonnen. Meister Monaco wird noch immer vom Portugiesen Leonardo Jardim, dem französischen Trainer des Jahres, betreut. Und bei Paris Saint-Germain steht weiterhin der Spanier Unai Emery in der Verantwortung – trotz der aus Sicht der Club-Verantwortlichen eher enttäuschenden Saison 2016/2017.
Der Liga-Start:
Der erste Anpfiff in der neuen Ligue-1-Saison erklingt am 4. August um 20:45 Uhr im Stade Louis II von Monaco. Dort eröffnet der amtierende Meister gegen den FC Toulouse die Spielzeit. Paris Saint-Germain greift tags darauf um 17 Uhr gegen Aufsteiger Amiens ins Geschehen ein.
Der Tag der Entscheidungen:
Am 19. Mai 2018 steht fest, wie der französische Meister 2017/2018 heißt und welcher Club ihn in die Champions-League-Gruppenphase begleiten darf. Außerdem wissen die Fans dann, welches Team in der dritten Qualifikationsrunde für die Champions League antritt und welches die Europa League erreicht hat. Zwei der möglichen drei Absteiger stehen dann auch fest. Im anschließenden Play-off zwischen dem 18. der Ligue 1 und dem Dritten der Ligue 2 geht es dann um den letzten Startplatz für die Saison 2018/2019.