Jelavic, Payet und Co: Wenn Fußballer von ihrem Verein genug haben

Wie alle anderen Arbeitnehmer unterschreiben auch Profi-Fußballer vor Dienstbeginn einen Arbeitsvertrag. Manche von ihnen haben aber irgendwann keine Lust, diesen zu erfüllen, und erzwingen ihren Abschied. Von Alexander Kords.

Derzeit steht Austrias Stürmer Larry Kayode massiv in der Kritik. Anfang der Woche sagte er kurzfristig seine Teilnahme am Trainingslager der Austria in Zypern ab, weil er, so Trainer Thorsten Fink, „psychisch nicht bereit“ sei. Ein Schelm, wer andere Gründe hinter der Absage vermutet, aber verwunderlich ist es doch, dass regelmäßig Angebote für den Spieler bei der Austria eingehen. Und es tun sich in der Causa Kayode durchaus Parallelen zu anderen Kickern auf.

Arbeitsstreik von Payet

Da wäre beispielsweise der Fall des Franzosen Dimitri Payet. Der war bei der Heim-EM im Sommer 2016 zum Helden geworden, nachdem er im Auftaktspiel gegen Rumänien in der letzten Minute den Siegtreffer für die Équipe Tricolore erzielt hatte. Da stand er seit einem Jahre bei West Ham United unter Vertrag. Allerdings plagte ihn das Heimweh nach seiner französischen Heimat. Frau und Kinder hatten bereits West Ham verlassen, und Papa Payet flog regelmäßig nach Frankreich, um sie zu besuchen. Weil das nervte, beschloss der Spieler, fortan seine Stollenschuhe in der Ecke stehen zu lassen, wenn seinem Wunsch nach einem Wechsel zu seinem Ex-Club Olympique Marseille nicht nachgegeben wird.

Man könnte nun Mitleid mit dem einsamen Payet haben, allerdings stört dabei ein kleines Detail aus dessen Biografie: Schon als er im Jahr 2011 beim AS Saint-Étienne unter Vertrag stand, hatte er plötzlich Lust auf einen Tapetenwechsel. Er trat in einen Ein-Mann-Arbeitsstreik – bis er endlich zu OSC Lille wechseln konnte. Auch bei West Ham war Payet letztlich erfolgreich: Im Jänner 2017 ging er zurück nach Marseille.

Çalhanoğlu und die Vereinstreue

Auch der türkische Nationalspieler Hakan Çalhanoğlu zwang im Sommer 2014 seinen damaligen Club, den Hamburger SV, zum Verkauf. Obwohl er den Hanseaten kurz zuvor seine Treue geschworen und seinen Vertrag verlängert hatte, sah der Spieler bald darauf seine Zukunft bei Bayer 04 Leverkusen. Also begab sich Çalhanoğlu zum Arzt, ließ sich krankschreiben und sogar eine Depression diagnostizieren. Nachdem er wenig später um 14,5 Millionen Euro zu den Leverkusenern gewechselt war, rannte Çalhanoğlu wieder fröhlich über den Platz – als wäre er nie krank gewesen. Oliver Kreutzer, der damalige HSV-Sportdirektor, sah die Schuld an den Wechselumständen übrigens nicht beim Spieler, sondern bei dessen Vater. Dieser habe massiv Druck auf Çalhanoğlu ausgeübt und ihm eingeredet, dass er unbedingt bei einem Champions-League-Club spielen müsse.

Dass es Çalhanoğlu mit der Vertragstreue nicht ganz so genau nimmt, hatte ihm im Frühjahr 2017 eine viermonatige Sperre eingebracht. Im Jahr 2011 hatte er bereits beim türkischen Verein Trabzonspor ein Arbeitspapier unterschrieben, dann aber doch einen Wechseln zum Karlsruher SC vorgezogen.

Erinnerungen an Modric und Jelavic

Ebenfalls im Sommer 2014 bekam Luca Modrić von Tottenham Hotspur ein Angebot von Real Madrid. Die Engländer wollten den Kroaten jedoch nicht gehen lassen – was dieser mit Trainingsboykott quittierte. Als die Spurs zu einer Reise in die USA aufbrechen wollten, tauchte Modrić nicht am Flughafen auf, sondern machte lieber Heimaturlaub. Letztlich einigten sich Tottenham und Madrid auf eine Ablösesumme von 42 Millionen Euro – und der Spieler hatte seinen Willen durchgesetzt.

Auch in der heimischen Liga ist das Verhalten von Larry Kayode nicht einmalig. Es erinnert vielmehr an das von Sadio Mané, der im Sommer 2014 von Red Bull Salzburg zum FC Southampton wechselte. Zuvor hatte der Senegalese das Training der Salzburger vor deren Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Malmö geschwänzt. Mané, der damals 15 Millionen Euro in die Kasse der Mozartstädter spülte, ist heute beim FC Liverpool angestellt und rund 40 Millionen Euro wert.

Und nicht nur Rapid-Fans ist der unrühmliche Abgang von Nikica Jelavić im Sommer 2010 in Erinnerung geblieben. Der weigerte sich einst, in der Europa-League-Qualifikation gegen Aston Villa zu spielen, weil er lieber zu den Glasgow Rangers nach Schottland wechseln wollte. Das Problem: Wäre er für Rapid international aufgelaufen, hätte er dies in der gleichen Saison nicht mehr für die Rangers tun können – und die spielten fix in der Champions League. Auch Jelavić setzte sich am Ende durch und ging um knapp fünf Millionen Euro nach Schottland. Seit Anfang 2016 kickt Jelavic in China. 

Schaden für den Sport

Zweifellos ist das Verhalten von Payet, Çalhanoğlu, Mané und Co. sehr problematisch für den Fußball. Verträge sind dafür da, eingehalten zu werden und dem Club Planungssicherheit zu geben. Klar, in Zeiten eines Transfermarkts, der verrückt spielt, ist es fast schon normal geworden, dass ein Spieler geht, wenn die Ablösesumme stimmt. Wenn aber auch noch die Kicker ihre Macht ausspielen und ihren Verkauf erzwingen, dann schadet das dem Sport und sorgt für einen erheblichen Imageverlust.

Zumal die Verantwortlichen der Vereine, zu denen die „Arbeitsverweigerer“ wechseln, üblicherweise keine negativen Worte über das Verhalten ihrer neuen Angestellten verlieren. Schließlich haben sie ja ihr Ziel erreicht: den neuen Spieler. Wenn da kein Umdenken einsetzt, dann haben Verträge im Fußball bald gar keinen Wert mehr.

 

Weiterlesen: Die perfekte Anreise für Austria- und Rapid-Fans zum 322. Wiener Derby