Wenn Fans randalieren

Vergangenen Donnerstag, den 20. April 2017 hat eine Expertenrunde bei der Veranstaltungsreihe LAW MEETS SPORTS in Kooperation mit der Donau Univeristät Kremsunter dem Motto „Wenn Fans randalieren...“ zum brandaktuellen Thema Fanausschreitungen bei Fußballspielen diskutiert. Am Podium unter anderem Marc Juillerat, Head of Legal Services der Swiss Football League, Andreas Trimmel (FK Austria Wien) und Helmut Mitter (Rechtshilfe Rapid).

Schon die Besetzung des Podiums versprach eine hitzige Diskussion. Rechtsanwalt, Stellvertretender Vorsitzender des Strafsenats der Fußballbundesliga und Referent zum Sportrecht an der Donau-Universität Krems , Norbert Wess referierte zunächst die Rechtslage in Österreich rund um Fanausschreitungen und sprach hier insbesondere die Möglichkeiten von Vereinen an, gegen störende Zuschauer vorzugehen. Hierzulande sind die Vereine noch etwas zurückhaltender, in Deutschland hat der 1 .FC Köln mittlerweile aber auch schon höchstgerichtlich bestätigt bekommen, dass er sich vom Fan, der mit seinem Böller sieben Menschen verletzt hat, zumindest einen Teil der Verbandsstrafen zurückholen darf.

 

Freundliche Stewards am Stadioneingang

Der Schweizer Gast, wie er dann im Anschluss selbst gestand, konnte sich in der Diskussion etwas zurücklehnen, bei einer ähnlichen Diskussion in der Heimat würde es aber wohl noch heißer zugehen. Fanausschreitungen sind anders als bei uns auf der Tagesordnung. Ein einheitliches Vorgehen aufgrund der kantonalen Struktur nahezu unmöglich. Der FC St.Gallen hat sich zu einer unkonventionellen Lösung entschieden: hier stehen nicht schwerstbewaffnete Securities vorm Eingang, sondern Stewards, die die Fans freundlich in Empfang nehmen. Die Idee dahinter: den Stadionzutritt so reibungslos und ohne negative Emotionen zu gestalten.

 

Die Fanszene ist bunt

Nicht erst seit Andreas Müllers Interview wird der Einfluss der Fans beim SK Rapid Wien immer wieder heftig kritisiert. Ominöse Aussprachen zwischen Fans und Kampfmannschaft auf Autobahnraststätten haben zuletzt Fragezeichen hinterlassen. Helmut Mitter, großer Rapidfan und Vorstandsmitglied der Rechtshilfe Rapid, wollte dazu auch nicht näher eingehen. Mit dem Verein, der sich als Solidargemeinschaft von Fans für Fans sieht, will man Rapidfans über ihre Rechte aufklären und im Umgang mit Behörden und Justiz unterstützen. Er verwehrt sich vor allem gegen die pauschale Verurteilung von Fans. „Die Fanszene ist mehr als nur Gewalt, sie kreativ, sie ist bunt, und bringt Farbe ins Stadion“  hebt er die Bedeutung der Fans für den Fußball hervor.

 

Das sieht auch Christian Doneis so, der die Szene bestens kennt. „Die Ultras sind nicht Menschen, die Krawall machen, sondern Stimmung ins Stadion bringen wollen“, meint der Polizist, der schon seit Jahren als szenekundiger Beamter die Rapidspiele überwacht. „Diese Stimmung bringt Emotionen mit sich und es gilt, diese Emotionen im rechtlichen Rahmen auszuleben.“ Er als Polizist sieht seine Aufgabe darin, die Fans dann rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, wenn sie rechtliche Grenzen überschreiten.

 

Fazit: Kommunikation ist der Schlüssel

Dass es im Fußball unterschiedliche Interessen gibt, die auf einander treffen, darüber sind sich die Herren einig. Nachdem man in Österreich – gleich wie in der Schweiz – auf jeden Zuschauer im Stadion angewiesen ist, ist es wichtig, den Dialog zwischen allen Beteiligten zu suchen und diesen auf Augenhöhe zu führen.

Die Podiumsdiskussion in voller Länge

Über LAW MEETS SPORTS

Auf www.lawmeetssports.at liefern Experten rechtliche Hintergrundinformationen zum aktuellen Sportgeschehen. In regelmäßigen Veranstaltungen treffen hochkarätige Speaker aus Sport, Recht und Wirtschaft aufeinander und sorgen für einen spannenden Austausch.

 

ÜBER SPORTRECHTS MASTERLEHRGANG an der Donau-Universität Krems

Jährlich im Oktober findet der Masterlehrgang Sportrecht sowie ein Programm zur Ausbildung von Akademischen Experten im Sportrecht an der Donau-Universität Krems statt. Mehr Informationen dazu unter www.donau-uni.ac.at/sportrecht

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