Die Akte Ruttensteiner: Noch keine Klarheit
Der Vertrag von Teamchef Marcel Koller wurde vor wenigen Tagen verlängert. Jener von Sportdirektor Willibald Ruttensteiner noch nicht. Michael Fiala hat nachgefragt.
Im Dezember meinte ÖFB-Präsident Leo Windtner im 90minuten.at-Interview auf die Frage , ob es denn auch ein Anforderungsprofil für einen neuen Sportdirektor im ÖFB gäbe, wenn der aktuelle abhandenkommen sollte: „Derzeit gibt es agierende Personen. Und es ist nicht der adäquate Zeitpunkt, ein neues Anforderungsprofil für einen Sportdirektor zu erstellen, wo wir das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des ÖFB haben.“ Generell erweckte der ÖFB-Präsident auch auf mehrmaligen Nachfragen den Eindruck, dass es wohl im Jahr 2016 auch nicht notwendig sein wird, über einen neuen Sportdirektor nachzudenken.
Ebenfalls im Dezember 2015 kündigte ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner gegenüber 90minuten.at an, bis spätestens März 2016 Klarheit über die eigene Zukunft in seiner Rolle als künftiger Sportdirektor des ÖFB haben zu wollen. Der Vertrag des 53-jährigen Oberösterreichers läuft aktuell bis Ende der Europameisterschaft 2016.
Die eigene Frist ist verstrichen
Doch auch der März brachte bisher keine Klarheit. „Es gibt noch keine Entscheidung. Wir haben gute Gespräche, aber es gibt noch kein Ende“, sagt Ruttensteiner im Gespräch mit 90minuten.at. Einige Beobachter werteten auch die Abwesenheit von Ruttensteiner bei der Vertragsverlängerung von Teamchef Marcel Koller als Zeichen, dass doch nicht alles ganz rund läuft. Der ÖFB-Sportdirektor: „Dass ich bei der Pressekonferenz mit dabei bin, hätte man natürlich machen können. Diese Frage kann ich daher nachvollziehen. Es hat aber mit den aktuellen Verhandlungen über meine Verlängerung nichts zu tun.“
Dem Vernehmen nach soll zudem die Verlängerung von Koller im engsten Kreis beschlossen worden sein. Alles nur ein Gerücht? Ruttensteiner widerspricht vehement: „Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Der Prozess der Vertragsverlängerung hat genau dem Prozedere entsprochen wie er auch sein soll.“ Im Endeffekt sei die Verlängerung von Koller aber auch keine sportliche Frage gewesen. „Aus sportlicher Sicht war das Ganze sowieso klar. Hier ging es vor allem um wirtschaftliche und vertragliche Details“, so Ruttensteiner.
Künftig drei Direktoren?
Möglicherweise liegt der Verzug in den Verhandlungen zwischen Windtner und Ruttensteiner auch daran, dass die neue ÖFB-Struktur (noch) nicht 100%ig den Vorstellungen des Sportdirektors entspricht? (Anm. der Redaktion: Neugliederung notwendig durch den Wartungserlass des Finanzministeriums bzgl. Ausgliederungs des Sport-Profibetriebs in eine Gesellschaft) Ruttensteiner diplomatisch: „Ich kenne die neue Geschäftsordnung noch nicht. Ich gehe davon aus, dass es künftig drei Direktoren geben wird, zwei davon sind im wirtschaftlichen/organisatorischen Bereich angesiedelt, einer im sportlichen Bereich. Es geht aber nicht darum, ob ich mich darin sehen kann. Es geht darum, wie die genaue Stellung des Sports in der neuen Struktur festgelegt ist. Das steht noch nicht fest. Das muss ich noch abwarten.“
Ruttensteiner blickt jedenfalls gelassen in die kommenden Wochen. „Wir haben ein gutes, wenn nicht sogar freundschaftliches Gesprächsklima zwischen dem Präsidenten, dem Generaldirektor und mir. Es ist für mich kein Problem, dass es noch nicht finalisiert ist, so etwas gehört gut überlegt“, sagt Ruttensteiner, der aber dann doch eine neue, logische Deadline für seine Entscheidung nennt: „Nachdem mein Vertrag nach der Euro ausläuft, möchte ich spätestens bis vor Beginn der Europameisterschaft wissen, wie es weitergeht.“
>>> Vertrag mit Teamchef Koller verlängert