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Kopiertes Konzept: ÖFB verzichtet auf Klage gegen Ruttensteiner [Exklusiv]

Der ÖFB wird vorerst keine rechtlichen Schritte gegen Willibald Ruttensteiner einleiten. Der ehemalige ÖFB-Sportdirektor hat laut einer Recherche des Kurier Teile des Ausbildungskonzept seines einstigen Arbeitgebers kopiert und für den israelischen Verband übersetzt.

++ 90minuten.at exklusiv von Michael Fiala ++

 

Unter dem Titel „Wo ein Willi, da ein Weg“ hat der Kurier heute, Freitag, davon berichtet, dass Israels Teamchef Willibald Ruttensteiner in seinem Konzept „The Israeli Way“ für den israelischen Fußballverband etliche Punkte und Passagen aus dem Konzept „Der österreichische Weg“ – ebenfalls verfasst von Ruttensteiner – vom Deutschen einfach ins Englische übersetzt hat.

Der Kurier nennt auch ein paar Beispiele: „Grundsätzlich basiert der österreichische Weg auf sechs Säulen“, heißt es etwa im Dokument des ÖFB. „Basically the israeli way consists of six pillars“ ist nur ein Beispiel an Passagen, die in englischer Sprache transferiert wurden. Die genannten Säulen sind es inhaltlich ebenso wie die Punkte der „Grundsatzpräambel des österreichischen Fußballs“, bzw. der „Preamble to Israeli Football“. Dieselben Inhalte sind auch in den Punkten Trainerausbildung, Kinder- und Jugendfußball oder etwa dem Individualisierungsprojekt zu finden.

 

„Wieso soll ich mit dem ÖFB reden?“

Von einer Kopie könne man nicht sprechen, meint Ruttensteiner darauf angesprochen im Kurier. „Ich kann mich ja nicht selbst kopieren.“ Ob er bei seinem einstigen Arbeitgeber nachgefragt habe, ob er die Inhalte auch in Israel so verwenden könne? „Wieso soll ich mit dem ÖFB reden? Wenn ich meine eigenen Sätze noch einmal niederschreibe, muss ich mit dem ÖFB reden?“

"Aufgrund der hervorragenden Beziehungen zwischen beiden Verbänden wurde auf weitere Schritte verzichtet - obwohl dem ÖFB die diesbezüglichen Nutzungsrechte zustehen." - Thomas Hollerer

Rein rechtlich gesehen schätzen Experten die Sachlage allerdings anders ein als Ruttensteiner. Die Nutzungsrechte eines derartigen Konzeptes liegen beim Unternehmen und nicht beim Verfasser - also in diesem Fall beim ÖFB.

 

ÖFB verzichtet auf weitere Schritte

Dies sieht auch der ÖFB so, wie auf Nachfrage von 90minuten.at zu erfahren war. Der österreichische Verband wurde übrigens selbst von den israelischen Kollegen über den Umstand informiert. ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer meint dazu gegenüber 90minuten.at: „Der ÖFB wurde vom Israelischen Fußball-Verband darüber informiert, dass Teile des Österreichischen Weges wortgleich in den Israelischen Weg übernommen worden sein könnten.“ Der Israelische Fußball-Verband habe daher sein Bedauern über die vorliegenden inhaltlichen Überschneidungen zum Ausdruck gebracht. „Aufgrund der hervorragenden Beziehungen zwischen beiden Verbänden wurde auf weitere Schritte verzichtet - obwohl dem ÖFB die diesbezüglichen Nutzungsrechte zustehen“, sagt Hollerer abschließend.

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