WFV-Präsident Sedlacek: „Kein Interesse, dass die Vienna ausgelöscht wird“
Gestern Abend knallte es in der Regionalliga Ost: Das Bezirksgericht Leopoldstadt gab dem First Vienna FC mittels einstweiliger Verfügung Recht, dass man trotz Insolvenz nicht absteigen müsse. 90minuten.at hat bei Robert Sedlacek, dem Präsident des Wiener Fußballverbandes, nachgefragt, wie es jetzt weitergeht. Von Georg Sander und Michael Fiala
Die Causa Ritzing ist mit ein Grund, warum die Vienna in dieser Saison mit dem Schicksal hadert - auch wenn die Ursachen für die Döblinger Misere ganz wo anders liegen: Wer in der Regionalliga während der Saison insolvent ist, muss absteigen. Die Burgenländer hatten 2014 Insolvenz angemeldet, aber um die Bundesligalizenz angesucht. Die Vienna hat diese Saison nicht angesucht. Die Gemengelage ist unterschiedlich, so kommuniziert es die Vienna: Man habe keinen Vorteil aus der Insolvenz gezogen. Die Entscheidung des Bezirksgerichts Leopoldstadt bringt nun die Landesverbände von Wien, dem Burgenland und Niederösterreich und den ÖFB in Bedrängnis – wie so oft, wenn sich der Fußball an ordentliche Gerichte wendet. Auf Basis der einstweiligen Verfügung will die Vienna nun mit den Verbänden und dem Dachverband ÖFB an einer Lösung arbeiten. Wie geht es nun weiter, hat 90minuten.at bei Robert Sedlacek, Präsident des Wiener Fußballverbandes, nachgehakt.
Die Vienna soll die nächsten hundert Jahre in einer möglichst guten Liga weiter spielen.
Robert Sedlacek: "Wir werden uns an die Entscheidung halten"
"Wir haben in dem konkreten Fall mehrere Probleme. Es ist eine ÖFB-Bestimmung, über die der Landesverband nur feststellen kann, dass es so ist. Das Zweite ist, dass von drei Seiten Rechtsanwälte beschäftigt sind. Ich sollte das nicht kommentieren, weil ich kein Jurist bin", sagt Robert Selacek gegenüber 90minuten.at.
Doch wie geht es jetzt weiter? "Wir werden uns an die Entscheidung halten. Die Vienna ist ein Traditionsverein. Wir haben kein Interesse, dass die Vienna ausgelöscht wird. Ich habe eine ganz neutrale Meinung: Die Vienna soll die nächsten hundert Jahre in einer möglichst guten Liga weiter spielen."
Landesverband setzt "nur" ÖFB-Regularien um
Die Grundpoblematik vonseiten des Landesverbandes Wien scheint offensichtlich: Man setzt eine Regelung um, mit der man selbst im Wiener Verband nicht ganz glücklich scheint. Angesprochen auf den Ursprung der Bestimmung - Ritzing soll von der Insolvenz profitiert haben - meint Sedlacek: "Ich kann als Verband nicht entscheiden, als Teil des ÖFB, ob sich die Vienna einen Vorteil verschafft. Ob die Entscheidung eines Verbandes Rechtens ist, dafür haben wir die Rechtsanwälte beauftragt." Nun wird man sehen, was in weiterer Folge passieren wird.
Schnelle Klärung
Zum Schluss stellt Sedlacek nochmals klar: "Ich führe nicht aus, um der Vienna einen Schaden zuzufügen. Im Gegenteil. Wir haben nichts gegen die Vienna und wollen sie nicht zwangsweise in die letzte Klasse versetzen, weil wer hätte etwas davon? Wenn die in der zweiten Klasse spielen und korrekt weiter geführt werden? Wer sich im Recht wähnt, darf das bei Gericht einfordern." Und so bleibt dann eigentlich nur noch das übrig, was der WFV-Präsident zuletzt sagt: "Wir müssen schauen, dass das korrekt abgewickelt wird. Für uns ist das Wichtigste, dass wir möglichst schnell wissen, wer wo spielt."
Rechtliche Klärung oder nicht?
Jetzt sind jedenfalls die Juristen am Zug. Diese werden klären müssen, ob der ÖFB vor drei Jahren eine Regelung eingeführt hat, die rechtens ist oder nicht. Möglicherweise scheut man diesen Konflikt aber auch und einigt sich mit der Vienna außergerichtlich. Damit wären aber weiteren Insolvenzen und deren Folgen Tür und Tor geöffnet.
Bis zur Klärung wird die "Causa Vienna" für reichlich Chaos im österreichischen Fußball sorgen und die Planungen für die kommende Saison für alle beteiligten Parteien erschweren.
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