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SKN-General Manager Blumauer: 'Schinkels hat den Transfer der Geschichte gemacht'

Der SKN St. Pölten ist der schwächste Aufsteiger seit längerer Zeit. General Manager Andreas Blumauer erklärt im Gespräch mit 90minuten.at die Gründe dafür, schließlich kam Sportdirektor Frenkie Schinkels nicht nur aus sportlichen Gründern - wer polarisie

 

90minuten.at: Können Sie das erste halbe Jahr in der Bundesliga Revue passieren lassen?
Andreas Blumauer:
Es war eine sehr turbulente Herbstsaison. Angefangen hat es damit, dass wir mit den Planungen spät angefangen haben. Wir haben ganz offensichtlich auch nicht mit dem Aufstieg gerechnet. Im Sommer wollten wir die Mannschaft umstellen. Fakt ist aber, dass wir eine Zweijahresplanung hatten, die darauf ausgelegt war, dass wir heuer um den Aufstieg spielen bzw. aufsteigen werden. Gestartet sind wir auch anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Es gab schwierige Entscheidungen zu treffen. Begonnen hat es mit der Freistellung von Karl Daxbacher.

 

Angefangen hat es doch mit der Causa Beichler/Wisio.
Das war für uns und die Spieler unangenehm. Es wurde viel über die Gewerkschaft gespielt. Wir brauchten einige Wochen. Am Ende haben sich alle fair verhalten, aber es hat für viel Wirbel gesorgt. Das hat uns wohl auch den einen oder anderen Punkt gekostet. Jetzt haben wir eine gute Gesprächsbasis, vielleicht tut sich noch etwas, bis sich das Transferfenster schließt.

 

Es gibt einen Sportdirektor, Sie stehen im Organigramm eine Stufe über ihm. Wisio/Beichler, eine schwache Hinrunde, viele Transfers – das war kein gelungener Herbst. Wie arbeiten Sie das mit ihm auf?
Das würde ich so nicht sagen. Als er gekommen ist, war es auch der Plan, dem SKN Leben einzuhauchen. Ich kam selbst von außen und kannte den Verein wenig. Die Frage war: Wie kann man den Klub weiter entwickeln. Für mich war relativ schnell klar, dass wir einen holen, der polarisiert, der Staub aufwirbelt. Das ist auch so passiert. Der Verein wurde aber sichtbarer, interessanter, nicht immer nur positiv. Aber eben auffälliger. Das war strategisch kein schlechter Schachzug. Wir haben schneller als geplant den Aufstieg geschafft. Das haben wir zuvor Jahre lang versucht. Da war Schinkels nicht ganz unbeteiligt. Und es war eine strategische Entscheidung, zu Schinkels Karl Daxbacher dazu zu holen. Zu dem polarisierenden Sportdirektor wollten wir eine unbestrittene und anerkannte Person dazu. Der eine polarisiert, der andere hatte die Seniorität. Dass heuer nicht alles geklappt hat, wissen wir, das weiß Schinkels auch selbst. Darum mussten wir im Winter auch mehr als geplant reagieren. Aber er hat mit Dieng auch den Transfer der Geschichte für den SKN gemacht.

 

Muss man das so machen? Also nicht nur an den sportlichen Erfolg denken, sondern auch an die Außendarstellung?
Wir wollten und wollen immer noch die Marke SKN weiter entwickeln. Der SKN ist ein sehr junger Verein, ohne viel Tradition. Daran arbeiten wir stark. Da muss man viel im Marketing tun. Aber bei Schinkels geht es auch um seine vorhandene Kompetenz.

 

Funktioniert das auch, wenn man wieder absteigt?
Unsere mittelfristige Planung ist auf die Bundesliga ausgerichtet, aber es gibt immer einen Plan B, wenn man abrutscht. Wir müssen dann schnellstmöglich wieder rauf.

 


Wie wollen Sie mehr Zuschauer ins Stadion locken?
Wir haben vorletzte Woche eine neue Strategie erarbeitet, die wir Schritt für Schritt in den nächsten Wochen und Monaten präsentieren werden. Wir haben ein step by step-Modell. Wir haben die Infrastruktur, die passt. Wir haben die wirtschaftliche Ordnung suchen müssen, haben den Verein umstrukturiert und letztes Jahr entschuldet. Der sportliche Erfolg war heuer geplant gewesen, das ist ein Jahr schneller passiert (Anm.: der Aufstieg). Das ist auch abgehakt. Jetzt wollen wir die Marke weiter entwickeln. Das ist jetzt intern passiert und es geht stark darum, wofür der SKN steht und wie wir uns Marketing-technisch weiter entwickeln. Wir wollen ein innovativer Verein sein. Das klingt nach großen Zielen, aber das wird eines der einfachsten Ziele sein der letzten Jahre. Da war der Aufstieg schwieriger. Wir wollen im Stadion innovative Neuerungen machen. DJ-Bühnen, Interaktionen mit den Zuschauern, Entertainment und so weiter. Es wird aber nicht so sein, dass wir innerhalb eines Jahres von 2.000 auf 10.000 Zuschauer kommen.

 

Der scheidende Landeshauptmann Erwin Pröll hat den SKN stets gefördert. Ändert sich nun etwas an dem Commitment der Politik?
Da wird sich nichts ändern. Wir sind dem Landeshauptmann sehr dankbar, was er bei der Gründung des Vereins und bei der Infrastruktur gemacht hat. Bei der Umstrukturierung letztes Jahr haben wir den Verein aber sehr breit aufgestellt. Er wird von momentan 15 strategischen Partnern geführt, die sich auch langfristig verpflichtet haben. Da sind die meisten Hauptsponsoren dabei. Durch diese Organisation gibt es keine Gefahr, wenn der eine oder andere Sponsor abspringen sollte.

 

Apropos Strategie: Ist der SKN auch so aufgestellt, mittelfristig eine größere Rolle in Fußballösterreich zu spielen?
Wir haben geplant, von 19/20 an kontinuierlich im oberen Playoff zu spielen. Das ist kein Spruch, es gibt eine Strategie dahinter, wirtschaftlich und organisatorisch.


Wir danken für das Gespräch!

 

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